Google nutzt seine Machtposition aus

Unter den Titeln Google räumt auf – oder das große Zittern! bzw. Google straft große deutsche Linkverkäufer ab, schreiben einige Kollegen heute darüber, dass Google den PageRank zahlreicher großer Webseiten reduziert, die Links verkauft haben. Aus meiner Sicht missbraucht Google dadurch seine Marktposition als führende Suchmaschine (zumindest in Deutschland). Wieso?

Nehmen wir als Beispiel die Seite von telepolis. Diese hat nur noch PR5, also dasselbe, was einige meiner – im Vergleich zu telepolis definitiv weniger relevanten – Seiten auch haben. Was soll der PageRank aber ausdrücken? Letztendlich die Wertigkeit einer Seite, die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Surfer dorthin findet. Wirkt der PR5 also angemessen auf eine so bekannte und trafficstarke Seite mit so vielen Backlinks? Nein, sicher nicht.

Google greift also manuell ein und führt seinen eigenen Algorithmus – auf dem Googles Erfolg als Suchmaschine basiert! – ad absurdum. Gleichzeitig versucht Google dadurch, das Finanzierungsmodell des Linkverkaufs zu zerschlagen. Hier hatte ich schon an anderer Stelle geschrieben, dass beispielsweise viele Seiten von Open Source Projekten Links verkaufen und vor allem dadurch die hohen Serverkosten decken können. Durch diese Abstrafung entzieht Google einigen Open Source Projekten also die Existenzgrundlage! Ist diese Tragweite überhaupt irgend jemandem klar? Kann in diesem Kontext wirklich noch jemand glauben, dass Google „nicht böse“ sein will?

Es gibt nur noch ein Modell, das man dann relativ einfach fahren kann: AdSense. Wer betreibt AdSense? Google. Dies bedeutet, dass Google seine Marktposition ausnutzt, um als einziger Linkverkäufer attraktiv zu sein. Mich würde interessieren, wie dieses Vorgehen von Anwälten aus dem Wettbewerbsrecht fachlich eingeschätzt wird.

Wenn die Abstrafung dann noch Einflüsse auf das Ranking der linkgebenden Seiten haben sollte, ist die Verzerrung endgültig. Telepolis in den SERPs nach hinten? Dies würde eine Abqualifizierung der Suchergebnisse von Google bedeuten und mich endgültig anderen Suchmaschinen in die Arme treiben – http://de.ask.com/ ist hier beispielsweise nicht uninteressant. Ansonsten siehe den kritischen Bericht bei Datenschmutz.

Noch eines am Rande: FIXMBR meckert in diesem Kontext doch tatsächlich über zu viel Traffic:

Wen interessiert der ganze Quatsch schon. Es bedeutet für uns erstmal Kosten, nicht mehr und nicht weniger.

Sicher bedeutet Traffic Kosten. Aber diese Kosten stehen in keinem Verhältnis durch die weit höheren Einnahmemöglichkeiten, dieser Traffic mit sich bringt. Dass Chris dies nicht sehen möchte, finde ich – diplomatisch ausgedrückt – dann doch sehr erstaunlich. Aber natürlich nutzt der Traffic nur etwas, wenn man ihn wirklich vermarkten kann und genau die Möglichkeiten, die Robert Basic besonders empfohlen hat, will Google kappen. Robert ist bislang auch der einzige, den ich gefunden habe, der wie ich ins selbe Horn stößt, dass Google seine Marktmacht ausnutzt. Aber auch er sieht weitere Konsequenzen genau so wenig wie die SEO’s, die nicht über ihren Tellerrand hinweg schauen.

Ansonsten zeigt sich hier meine ebenfalls schon mehrfach geäußerte Ansicht: Google wird erst dann das richtig große PageRank-Update fahren, wenn die Strafaktionen für Linkverkäufer durch sind und der PR entsprechend bereinigt.

Nachtrag: http://www.phpbb.de/ hat nur noch einen PR von 4, http://www.phpbb.com/ einen von 6. Also eine Abstrafung von jeweils 2 Punkten, soweit ich sehe. Da Google uns also auf dem Schirm hat, kann ich nun zumindest das wichtigste Projekte angeben, bei dem ich beteiligt bin. Das ODP ist ja nicht betroffen, solange AOL nicht auf die Idee kommt, dort Werbung einzublenden ;-)

 

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