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Google und das aktuelle Wikipedia-Problem

Google hat zur Zeit ein Wikipedia-Problem  – zumindest bei einigen von mir besonders überwachten Suchergebnissen. Begonnen hat dieses Problem mit Wikipedia selbst. Die deutsche Wikipedia hatte ihre Seiten auf noindex gesetzt und damit selbst aus den Google SERPs rausgeschossen. Im Gegensatz zu 2008, als derselbe Fehler erstmals auftrat und schwer durch die SEO-Blogs ging, war diesmal Ruhe – auffallend grade mal ein Artikel auf Spiegel Online… Aber klar, wir SEOs twittern ja fast nur noch 😉

Die Wikipedia-Rankings

Nun hat Google die Wikipedia bekanntlich ganz doll lieb. Ein sistrix Sichtbarkeitsindex von 7.529,13 spricht Bände – wenn man alle weltweiten Rankings einbeziehen würde, wäre die Zahl um ein Vielfaches krasser. Ich tippe mal, dass die Wikipedia – wenn man alle Sprachen zusammen nimmt – die sichtbarste Seite der Welt ist. Das Ganze ist logisch: Hochwertiger Content gepaart mit Backlinks, Backlinks, Backlinks. Oder um es mit Star Trek zu sagen: „Die Wikipedia – unendliche Linkpower“ 😉 Insofern nachvollziehbar. Ein Treffer mit Mehrwert, der von den Suchern fast schon erwartet wird.

Dass sich die deutsche Wikipedia selbst ins Aus geschossen hat, offenbarte allerdings ein Problem: In vielen von mir genauer überwachten SERPs wurde der deutsche Treffer einfach nahtlos durch das englischsprachige Äquivalent ersetzt.  Und dies war aus Sicht der Suchenden wenig erfreulich – und ich rede hier nicht primär von SEOs. Google hat ja den Anspruch, dass die Suchergebnisse möglichst hilfreich sein sollen. Aber ist ein englischer Treffer auf Position 1 bei Suchen auf google.de zu Keywords, wo es mit den Englischkenntnissen der Suchenden meist nicht weit her ist, wirklich sinnvoll? Ein klares Nein. Warum tauchte dieser Mist dann auf?

Die für mich naheliegendste Erklärung ist die, dass es eine Funktion in Googles Algorithmen geben könnte, die besagt: Blende zu einem Suchbegriff, zu dem es einen Wikipedia-Artikel gibt, möglichst auch die Wikipedia als Treffer in den TopTen ein.  Sistrix liefert mir aktuell allein 129.279 Treffer, wo die Wikipedia auf Platz 1 der SERPs steht, 220.170 Treffer auf den ersten drei Plätzen und 328.434 Treffer in den TopTen (interessantes Verhältnis, wenn Wikipedia rankt, dann in der Regel ganz weit vorn). Inwieweit diese Erklärung zutreffen könnte, da sollten sich statistikaffinere Geister als ich zu äußern. Oder ist es einfach nur ein Google-Notfallplan: „Wenn die Wiki-Jungs mal wieder Mist bauen, springen wir ein“? Für sehr wahrscheinlich konnte ich auch eine Funktion im Algorithmus halten, die einfach besagt: Wenn es bereits einen deutschen Treffer gibt, dann blende den englischen aus. Dagegen spricht aber die folgende Beobachtung:

Das doppelte Lottchen

Nach diesem ersten Nonsens läuft aktuell gleich der zweite in den Suchergebnissen. Die deutsche Wikipedia ist seit ein paar Tagen wieder aufgetaucht, das noindex-Problem gefixt. Alles bestens? Nein, denn die englische Wikipedia ist nicht verschwunden, sondern rankt weiter: Platz 1: de.wikipedia.org, Platz 2: en.wikipedia.org. Halleluhja. Das hat bei Sistrix schon mal zu einem Anstieg um knapp 500 läppische Punkte im Sichtbarkeitsindex der Wikipedia geführt. Allein von dieser Differenz könnte manch einer von uns seinen Lebensabend bestreiten 😉 Und „sinnvolle Suchergebnisse“ bzw. eine „positive Usererfahrung“ sehen anders aus.

Einmal mischen bitte

Während manche SERPs ansonsten so stabil sind wie gehabt (dort, wo es kein exaktes Äquivalent zum Key in der englischen Wikipedia gab bzw. die deutsche Wikipedia laut wöchentlichem Sistrix Archiv nicht größer verschwunden war), sind einige andere nun völlig im Umbruch. Monatelang nur die üblichen kleinen Änderungen und nun rotieren die TopTen – also die Seiten hinter der Wikipedia *g* – wie doof. Stellt sich die Frage: Kommen hier weitere Faktoren ins Spiel oder ist das Ganze immer noch eine direkte Folge des Wikipedia-Desasters? Was meint ihr? Was sind eure Beobachtungen und Vermutungen?

Autor:

Frank Doerr (aka Loewenherz) ist seit 1996 online, Geschäftsführer der Online-Marketing Agentur Spinpool GmbH und Inhaber der Webdesign-Agentur Wolke23. Fachjournalist (bdfj) und Buchautor. Er hält Vorträge auf SEO-Konferenzen, organisierte den SEO Stammtisch Rhein-Main und hat die erste offizielle Dokumentation der SISTRIX Toolbox verfasst. In den 90ern Lehrauftrag an der FH Frankfurt/Main, 2015 an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Informationswissenschaft.

10 Kommentare

  1. War das von Wikipedia absichtlich auf „noindex“ gestellt worden?

    Oder was das ein Versehen?

    Fall ein Versehen, wie kann denn so ein Fehler auftreten? Kann ich nicht nachvollziehen.

  2. Siehe den Link zu SPON. Ich zitiere: „Ursprung des Fehlers ist das Plug-in FlaggedRevs. Es ermöglicht es regelmäßigen Autoren der Wikipedia, Versionen eines Artikels als „gesichtet“ oder „geprüft“ zu kennzeichnen. Techniker hatten FlaggedRevs auch für die türkische Version der Wikipedia aktiviert.“

  3. „Anstieg um knapp 500 läppische Punkte im Sichtbarkeitsindex der Wikipedia geführt. Allein von dieser Differenz könnte manch einer von uns seinen Lebensabend bestreiten ;-)“

    Es würde mir ja reichen wenn wir beide uns die läppischen Pünktchen teilen – ich muss gar nicht alle haben 🙂

  4. Ich glaube generell, dass bei Google viel mehr händische Eingriffe im Spiel sind, als wir das alle gerne hätten. Eine deutsche Suche einfach mit einem englischen Ergebnis zu besetzen ist – wie Du ja selbst schreibst – nicht gerade Userfreundlich. Immerhin hat Wikipedia Google ja mitgeteilt: „Hey, wir möchten nicht in Eurem Index sein.“

    An und für sich hätten jetzt bestehende Ergebnisse in den SERPS nachrücken müssen. Wäre der Algo tatsächlich so selbständig, wäre für eine Anzeige der englischen Ergebnisse eigentlich eine Weiterleitung nötig gewesen. Das ist jetzt zwar sehr sehr naiv betrachtet aber genau diese Sichtweise verkauft uns *G* ja immer ;-).

    Die von Dir beschriebene Rotation konnte ich jetzt zwar nicht beobachten aber vielleicht hat sich der Algo an einem händischen Eingriff verschluckt?

  5. Jan, das wär doch mal ne Frage bei „Wer wird Millionär“: „Welches ist weltweit die sichtbarste Seite?
    A. Google
    B. Wikipedia
    C. YouPorn.com
    D. Microsoft
    🙂
    Aber der Herr Jauch dürfte Antwort C sicher nicht in den Mund nehmen… Naja, käme ja auch noch eBay und Amazon als gute Antworten in Frage.

  6. Mensch Frank, Google ist doch das Internet und keine Seite…

  7. Das dt/en Problem besteht ja schon weitaus länger. Beispielskeyword: Asher Roth
    Hier ranken beide Versionen. Früher gab es nur eine englische, als die dt. kam dachte ich es tauscht, aber nein seit weit über einem Jahr sind beide in den Top10

  8. Ich denke der Erfolg von Wikipedia liegt nicht nur am Content und den Backlinks, sondern auch durch die extrem gute interne Verlinkung, sowohl der deutschen Seiten, als auch der Seiten von anderen Sprachen.

    Daher gehe ich weniger von einem händischen Eingreifen von google Mitarbeitern aus, sondern eher davon, dass durch die interne Verlinkung die englische Seite eine Relevanz zu dem deutschen Keyword hat.

    Wenn jetzt das Argument kommt, warum die englische Seite vorher nicht auch zu dem Keyword gerankt hat, sondern erst wo die deutsche auf noindex gesetzt wurde, habe ich dazu leider keine passende Antwort parat. 😉

  9. Pingback: Wikipedia zu 99% auf Seite 1 bei Google! « Google

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