Artikelverzeichnisse – Analyse und Sichtbarkeit
Artikelverzeichnisse sind eine von vielen Maßnahmen im Bereich der Linkbildung. Historisch war die Entwicklung naheliegend: Webkataloge brachten immer weniger und es war klar, dass Content für Google einen hohen Stellenwert einnimmt.
Doch die Blütezeit war nur kurz, bereits Anfang 2008 bloggten Matthias oder Yannick, dass sie Zeitverschwendung seien. Die Begründung: Eine Abstrafung von zahlreichen AVs auf PageRank 0. Immer wieder interessant, dass der PageRank für solche Aussagen hinzugezogen wird, wo SEOs doch wissen sollten, dass PageRank keine wirklich aussagekräftige Größe sein muss. Die einzig logische Schlussfolgerung wäre gewesen, dass Artikelverzeichnisse nicht zum PageRank-Aufbau dienen. Aber sonst?
Sicherlich findet man bei vielen Größen der SEO Szene Artikelverzeichnisse in einem negativen Kontext. Aber wenn Google Content wirklich schätzt, dann sollten Artikelverzeichnisse mit ordentlichem Content und sauberer Struktur gar nicht einmal so schlecht sein. Einige Internetseiten wie Linkaufbau.de schwören darauf und erzeugen damit meines Erachtens auch kein Vertrauen. Das einzige sachlich-differenzierte Posting zum Thema (unter bei Google den gut rankenden) habe ich bei Mark gefunden:
Mit Sicherheit werden mir viele erfahrene SEO’s zustimmen, wenn ich behaupte das es zwar sehr viele Artikelverzeichnisse gibt, aber das nur wenige wirklich gut sind.
Testfeld
Wie so oft: Es bringt nichts, einfach nur die Meinungen anderer SEOs nachzukauen. Wie bereits beim Thema Webkataloge wollte ich nun eigene Tests starten. Als erstes wollte ich ermitteln, welche Werte Artikelverzeichnisse überhaupt haben. Dazu lud ich mir die entsprechende Liste von SEO United herunter. Diese ist natürlich nicht wirklich vollständig. Also fügte ich noch diejenigen hinzu, die Mark Breuer in seiner scheinbar teilweise gepflegten Top 20 Liste drin hat, die aber bei SEO United fehlen. Mir persönlich fehlte dann noch online-artikel.de, die ich sowieso unter besonderer Beobachtung habe (manch einer weiß warum). Dieser Hybrid verkauft sich zwar mittlerweile mehr als Presseportal (die eine eigene Untersuchung wert sind), gehört für mich aber auch in die AV-Kategorie.
Insgesamt kam ich damit auf 161 Kandidaten, die ich alle durch die SISTRIX Tools jagte. Drei Werte interessierten mich:
- Sichtbarkeitsindex: Für mich der zentrale Wert. Denn wenn ein AV selbst gut in den SERPs rankt, ist dies eine qualitative Aussage. Eine PageRank-Abstrafung ist kein Kriterium.
- PageRank: Interessiert natürlich viele und war mich wichtig als Vergleichsgröße bzw. zur Nachprüfung obiger Aussagen.
- Domainpopularität: Wie viele verlinkende Domains hat ein Artikelverzeichnis? Schließlich bedeutet dies (abhängig von der Qualität der Backlinks) auch eine gewisse Linkpower.
Daten
Hier einmal drei Tabellen mit den Auswertungen:
Sichtbarkeitsindex
| Sichtbarkeit | Anzahl |
| < 0 ,00 | 93 |
| 0,01 | 12 |
| 0,02 | 08 |
| 0,03 – 0,05 | 14 |
| 0,06 – 0,14 | 07 |
| 0,15 – 0,9 | 14 |
| 1,0 – 2,9 | 05 |
| 3,0 – 9,9 | 05 |
| 10 – 50 | 01 |
| > 50 | 02 |
Aus meiner Sicht kann man jedes Artikelverzeichnis mit einer Sichtbarkeit von mehr als 0,1 – also ingesamt 27 von 161 – in Planungen zur Linkbildung einbeziehen, ab 1,0 (insgesamt 13) wird es richtig interessant. Doch wer weiß, wie schwierig es in Nischen sein kann, überhaupt Sichtbarkeit zu erlangen, würde im Grunde alles mit einer Sichtbarkeit größer als Null bei Bedarf genauer anschauen. Die beiden Gewinner sind erwartungsgemäß www.online-artikel.de (derzeit Sichtbarkeit von 70) und ganz oben www.misterinfo.de (Sichtbarkeit von 197).
PageRank
Für viele immer noch ein Kriterium und natürlich ein Anhaltspunkt für mögliche Abstrafungen.
| PageRank | Anzahl |
| 0 | 130 |
| 1 | 0 |
| 2 | 7 |
| 3 | 15 |
| 4 | 7 |
| 5 | 0 |
| 6 | 0 |
| 7 | 2 |
Diese Zahlen zeigen, dass die von einigen Blogs (siehe oben) genannte PageRank-Abstrafung der Artikelverzeichnisse, die gleichgesetzt worden ist mit der Sinnlosigkeit eines Eintrags darin, keine qualitativ wertbare Aussage ist. 130 PageRank 0 AVs stehen nur 93 mit 0 Sichtbarkeit gegenüber. Schaue ich mir meine Werte genau an, sind sogar bei den PageRank 0 AVs einige dabei, die mit Sichtbarkeit von mehr als 1 oder gar 5 Punkten glänzen – also mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Eintrag lohnen. Der Umkehrschluss allerdings funktioniert: Alle Artikelverzeichnisse mit einem Sichtbarkeitsindex von Null haben auch einen PageRank von Null.
Nicht uninteressant auch die PR-Verteilung. Von PR0 geht der Sprung gleich auf PR2 – wobei hier einige mit sehr geringer Sichtbarkeit dabei sind. Dito bei PR3. Erst bei PR4 kann man sicher sein, dass die Sichtbarkeit einen Wert von 0,05 übersteigt. Die beiden PR7-Ausreißer sind wie gehabt misterinfo.de und online-artikel.de. Ich vermute einmal, dass hier u.a. die damaligen Umstellungen auf nofollow eine wichtige Rolle gespielt haben, den PageRank dauerhaft zu erhalten.
Domainpopularität
Hier habe ich die AVs in sieben Gruppen unterteilt.
| Domainpop | Anzahl |
| 0 | 08 |
| < 50 | 14 |
| 50 – 99 | 33 |
| 100 – 249 | 44 |
| 250 – 499 | 28 |
| 500 – 999 | 31 |
| > 1000 | 03 |
Wie gesagt, es geht hier nur um die Quantität, da eine qualitative Wertung der Backlinks den Rahmen gesprengt hätte. Ob ein AV also nur Backlinks von Webkatalogen und Social Bookmarks hat oder gar von Authorities, kann man lediglich bei den PR7-AVs sagen. Bei PR0 sind nur dann schwache Links wahrscheinlich, wenn der PR0 nicht auf Abstrafungen Googles zurückgeht, also die Sichtbarkeit deutlich > 0 liegt.
Ansonsten ist eine Domainpop von über 100 (106 AVs) schon ganz nett, über 250 (62 AVs) steigert die Attraktivität und bei über 500 (34 AVs) scheint der Eintrag fast schon Pflicht, sofern die Links nicht eine Spamstruktur aufweisen. Jedoch zeigt meine Tabelle, dass allein sechs Artikelverzeichnisse mit einer Domainpop über 500 einen PageRank sowie eine Sichtbarkeit von 0 aufweisen. Zwei der Kandidaten schaute ich mir ein wenig näher an. Nr. 1 wurde erst am 31.12. von PR2 auf PR0 zurückgestuft (solche PR0 auf PR2 bzw. PR2 auf PR0-Wechsel gab es beim letzten PageRank-Update öfter) und hatte vor wenigen Monaten immerhin noch einen Sichtbarkeitsindex von 0,15. Nr.2 dagegen hat seine Backlinks massiv aus ausländischen Webkatalogen und Blogspam, wahrlich keine gute Nachbarschaft. Wobei beide durchaus auch Links von einigen auf den ersten Blick mehr oder weniger nett wirkenden PR4 oder PR5 Seiten haben, die an sich vererben müssten – jedoch sind die getesteten Links stets im Footer mit anderen lustigen Nachbarn.
Es könnten also die Kandidaten sein, die typischerweise im Sichtbarkeitsindex vor Woche oder Monaten noch eine gewisse Präsenz hatten. Geht die offensichtliche PageRank-Abstrafung Hand in Hand mit einer SERP-Penalty, dann sollte man von einem Eintrag (der eigenen Seiten *g*) eher Abstand nehmen.
Übrigens nicht wundern über die Kandidaten mit einer Domainpop von Null. Entweder lagen in der Sistrix Toolbox mangels Sichtbarkeit überhaupt keinerlei Daten über die betreffenden AVs vor oder sie lagen unter einer Subdomain, wo die Toolbox derzeit leider nur hinsichtlich der Sichtbarkeit bei den Hosts differenzieren kann, nicht aber bezüglich dessen, wieviele Links exakt auf die Subdomain zeigen. Sofern eh schon PageRank und Sichtbarkeit gleich Null waren, habe ich mir die zusätzliche Ermittlungsarbeit deshalb gespart.
Fazit
Globale und undifferenzierte Aussagen wie „Artikelverzeichnisse sind Schrott“ oder „Artikelverzeichnisse sind super“ scheinen aufgrund dieser Analyse Nonsens. SEO ist im Grunde IMMER differenziert. Heisst in diesem Fall: Eine große Zahl von Artikelverzeichnissen, nämlich fast 100 der hier untersuchten 161, sind tatsächlich Schrott – da lohnt die Arbeit des Eintragens und der Texterstellung wohl kaum. Diejenigen mit Sichtbarkeitsindex – also ca. 13 (engste Wahl) bis 34 (weitere Wahl) könnten einen Eintrag lohnen, egal ob dofollow oder nofollow. Für den Rest dürfte gelten: Kann man machen, muss man aber nicht. PageRank oder Domainpopularität (oder gar Yahoo Linkpop) sind keine wirklich geeigneten Parameter zur Einschätzung, ob ein Eintrag lohnen kann oder nicht.
Sicher ist ein reiner Backlinkaufbau über Artikelverzeichnisse kein Mittel der Wahl. Im Rahmen des Linkmixes dürften 10 bis 40 der eher hochwertigeren AVs aber durchaus ihren Platz haben – meine Liste umfasst aktuell 29 AVs ersten und weitere 36 zweiten Grades. Im Laufe der nächsten Monate werde ich diese Artikelverzeichnisse noch näher unter die Lupe nehmen – Teil 2 dieser Untersuchung. Zuerst stehen die Eintragsbedingungen (beispielsweise ist Backlinkpflicht ein klares Ausschlusskriterium für denjenigen, der kostenlosen Content liefert). Danach werde ich – das Wichtigste überhaupt – den Einfluss auf das Ranking verschiedener Projekte genau verfolgen. Spätestens dann sind auch die letzten Unklarheiten und Mythen beseitigt.
Nachtrag 26.01.2010: MisterInfo hat mich darum gebeten, darauf hinzuweisen, dass seit über einem Jahr keine Artikel mehr von externen Schreibern angenommen werden und schon seit Beginn eine große eigene Redaktion besteht. Diese war neben dem Schreiben eigener Beiträge
für die Kontrolle der eingereichten Artikel zuständig und hat nur ca. 10% der Artikel freigeschaltet. Nachdem die Qualität der eingereichten Beiträge immer schlechter geworden sei, würden nur noch Inhalte durch die eigene Readktion publiziert: „Wir wollen kein Artikelverzeichnis sein und sind es auch schon seit langem nicht mehr“.
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Über diesen Artikel
Sie betrachten gerade »Artikelverzeichnisse – Analyse und Sichtbarkeit«, einen Artikel im SEO Scene.
- Veröffentlicht:
- 25. Januar 2010 / 11:15
- Autor:
- Loewenherz
- Abgelegt unter:
- Linkbildung
- Schlagworte:
- Artikel, Artikelverzeichnisse, Backlink, Domainpopularität, Linkbildung, PageRank, Sichtbarkeit
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