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eBay Auktionen: per Hand in 2500 Webkataloge Pagerank SEO Backlinks

Wer kennt solche Auktionen bei eBay nicht: “per Hand in 2500 Webkataloge Pagerank SEO Backlinks TOP”, “Eintrag in 1000 Webkataloge Backlinks Pagerank Textlink” oder “Eintrag in über 300 Webkataloge! Backlinks Pagerank Mit Geld-zurück-Garantie! Top Referenzen! Mit Rechnung!”.

Bislang hatte ich mich um solche Angebote nicht gekümmert. Doch ein Kunde fragte: “Warum ist Linkbildung so eine teuere und aufwändige Geschichte? Bei eBay krieg ich beispielsweise 1000 Webkataloge für 23,95 Euro. 1000 Links! So billig!”

Gute Frage. Viele Koryphäen in der Szene wie Sistrix oder Mediadonis äußern sich ablehnend zur Praxis der Einträge in Webkataloge. SISTRIX warnt unter “10 Fragen an die künftige SEO-Agentur”:

Hellhörig werden sollen Sie bei Vokabeln wie Kommentarlinks, Forenlinks, Webkataloge oder auch Artikelverzeichnisse. Das sind Methoden aus dem letzten Jahrtausend und haben in einem zeitgemäßen Konzept keinen Platz.

Marcus hatte in seinem Vortrag in Darmstadt 2008 ebenfalls gesagt, dass Einträge in Webkataloge sinnlos seien.  Doch muss man alles für bare Münze nehmen, was die Großen der Branche vorbeten? Antwortet man Kunden auf Fragen mit einem “Mediadonis hat gesagt, dass…”?

Eine der wichtigsten Regeln im SEO Business sollte lauten, dass man Dinge möglichst nachprüft, um aus eigener Erfahrung sprechen zu können. Wenn man zu den selben Ergebnissen wie seine Helden kommt, kann man es mit Überzeugung weiter geben: “Ich habe es getestet und bin zu dem Schluss gekommen, dass…”. Klingt gleich viel besser. Und wenn man zu anderen Feststellungen kommt, auch nicht schlecht. Meine letzten Eintragungen in Webkataloge waren gefühlte 100 Jahre her und damals standen mir noch nicht solche Werkzeuge wie die SISTRIX Toolbox zur Verfügung.

Anbieter und Auktionen

Also habe ich im Juni 2009 einen dieser Anbieter getestet. Er war damals sehr aktiv bei eBay, scheint seine Aktivitäten aber mittlerweile entweder eingestellt zu haben oder unter einem anderen Namen anzubieten (weiter unten mehr dazu). Im schlimmsten Fall würde ich ein wenig Kohle in den Wind schießen. Schließlich stellte sich als erstes die Frage nach der Seriösität: Würden die Eintragungen überhaupt erfolgen? Ca. 97% positive Bewertungen von ca. 100 Kommentaren klangen schon mal gut. In diesen Kommentaren fanden sich auch einige URL der Kommentierenden (sehr “geschickt” in Anbetracht des aktuellen Microsoft Patents, das früher oder später auch eBay einschließen dürfte).

Ich checkte zwei dieser Domains und Yahoo gab eine schöne hohe Zahl an Links zurück. Aber: diese resultierten aus Footer oder Sidebar-Links in nur einer Handvoll Webkatalogen. Alles nur Verarsche? Die Zusage im Angebot klang anders und ich riskierte es einfach. Drei Domains suchte ich aus, alles Keyworddomains um maximal möglichen Output zu haben. Denn der Anbieter würde Title und Description der Einträge selbst erstellen, ich müsse ihm nur die Domain-URLs mitteilen. Ich ersteigerte ich einmal 100 und einmal 300 Einträge in rein deutschen Webkatalogen und buchte als drittes 1000 Einträge in internationale Kataloge über Sofortkauf. Bei allen Domains hatte ich schon länger nichts mehr in Sachen Linkaufbau getan, Projekt Nr. 3 war sogar besonders spannend, da es eine alte expired Domain war mit grade mal einem Backlink, aber schönem Doppelkey im Domainnamen, die ich grade neu hochgezogen hatte.

Nach einer schnellen Bestätigungsmail war Ruhe. Und dabei blieb es erstmal. Nichts geschah. Die vom Anbieter genannte Frist verstrich. Irgendwann fragte ich nach, nichts. Der Typ kassierte die erste negative Bewertung, dann die zweite. Kurz vor der dritten meldete er sich, dass er nun tätig werden würde. Dann erhielt ich Zugang zu den Eintragsmails… bei Google Mail, superklasse, Feind hört direkt mit. Hatte alles seine Richtigkeit, ich änderte später die Bewertung von negativ auf neutral. Da er aber auch andere Kunden hängen ließ, sperrte ihn eBay für Sofort kaufen-Aktionen.

Kosten-Rechnung pro Link

Einen Monat nach erfolgten Einträgen ergab sich folgendes Bild:

Eintrag in 100 Webkataloge deutschsprachig
Kosten: 5,50 Euro
Nach einem Monat indiziert: 18
Quote: 18%, 0,31 Euro/Link

Eintrag in 300 Webkataloge deutschsprachig
Kosten: 18,50 Euro
Nach einem Monat indiziert: 39
Quote: 13%, 0,47 Euro/Link

Eintrag in 1000 Webkataloge international
Kosten: 23,95 Euro
Nach einem Monat indiziert: 55
Quote: 5,5 %, 0,44 Euro/Link

Damit war ausgerechnet das kleinste Paket das Günstigste. Knapp sechs Wochen später hat sich das Bild kaum gewandelt. Bei Paket 100 und 300 sind die Werte gleich geblieben, lediglich beim ersten sind es +12. Das ergibt:

Eintrag in 1000 Webkataloge international
Kosten: 23,95 Euro
Nach zwei Monaten indiziert: 67
Quote: 6,7 %, 0,36 Euro/Link

Insgesamt bleibt die Kostenrechnung identisch: Die 100 nationalen Einträge waren unterm Strich am günstigsten, gefolgt von den 1000 Internationalen und ganz am Ende die 300 nationalen Einträge. Allerdings hat die Rechnung einen Schönheitsfehler: Die Backlinkwerte beruhen auf der SISTRIX-Toolbox bzw. den Yahoo-Linkdomainwerten. Johannes schreibt in der Toolbox:

Dabei wird besonders darauf geachtet, dass “wichtige”, also für die Relevanzberechnung von Suchmaschinen stark genutzte Links erfasst werden und nicht die vierzigste Kopie eines Webkatalogs.

Da sich dies aber nur auf den eigenen Linkcrawler bezieht, die gewählten Kataloge keine dmoz-Clone sind und zudem Yahoo-Werte miteinfließen, sollte die Statistik durchaus brauchbar sein. Doch was viel wichtiger ist:

Die Nutzen-Rechnung

Denn das ist die elementarste Frage: Haben sich die Einträge in irgendeiner Weise auf das Ranking ausgewirkt? Im ersten Monat nach dem Eintrag war keinerlei dauerhafte Veränderung feststellbar.  Nach einem weiteren Monat lässt sich sagen:

Domain 100 Webkataloge: Bei der spannendsten Hauptkeyword-Kombi von Platz 6 auf Platz 3 der SERPs. Aber bei grade mal 25.000 Treffern nichts wirklich umwerfendes.
Domain 300 Webkataloge: Kurzes Up im Sichtbarkeitsindex, mittlerweile aber Rückfall auf alte Tiefststandwerte, insgesamt +/- Null: Bei einem Key unterm Strich +10 Plätze, bei einem anderen -10. Gute Rankings von vor einem Jahr sind weit entfernt.
Domain 1000 Webkataloge International:  Sichtbarkeitsindex weiterhin 0,00. Aber immerhin mit insgesamt acht Keywordkombinationen (Kontext Handy) in der Top100 aufgetaucht. Dies war nach Indizierung der ersten Katalogeinträge Ende Juli bereits kurz der Fall gewesen, dann war sie wieder weg. Ob sie sich nun stabilisiert oder gar weiter nach vorn geht, ist fraglich.

Also in einem Fall eine klare Verbesserung bei einem eher minderwertigen Key, im zweiten Fall keine dauerhaft positiven Auswirkungen und im dritten Fall alles sehr wacklig.

Fazit

Ganz so tot wie oftmals behauptet sind Webkataloge nicht. Aber einen größeren Nutzen darf man von Angeboten wie dem hier untersuchten nicht erwarten. Sicher, auf “PageRank”-Versprechungen fallen sowieso nur Anfänger herein. Aber um wirklich Resultate in den SEPRs zu sehen, sind 0815-Einträge kaum geeignet. Wenn man keinen Einfluss auf Title oder auch Description hat, ist der Ranking-Output witzlos. Zudem ist der Zeitfaktor wichtig: Die Linksetzung erfolgte meines Erachtens in einem viel zu kurzen Zeitfenster und kann bei den > 100 Einträgen erstmal für Fahrstuhleffekte sorgen.

Einziger Vorteil: Für Centbeträge pro Link erhält man eine nette Steigerung der Link- und Domainpopularität, die zumindest beim Linktausch mit weniger erfahrenen Webmastern von Vorteil sein kann.  Und außer einigen Euro hat man so gut wie keine Arbeit damit.

Bei Interesse kann ich die Zahlen gern irgendwann nochmal überprüfen, zumal bei Projekt 3 eine Bewegung in den SERPs erkennbar ist und grade bei den internationalen Katalogen immer noch Einträge freigeschaltet werden. Die neue Funktion in den SISTRIX- Tools über “Neue Backlinks”, die seit heute offiziell zur Verfügung steht, hilft genau an dieser Stelle etwas weiter.

P.S.: Und wer sich fragt, warum im Blog grade wenig los ist: Derzeit baue ich bei mir strukturell einiges um,  schule drei PraktikantInnen, bereite mich auf die dmexco vor undundund. Insofern ist dieser Artikel in erster Linie ein kleines Lebenszeichen und Abarbeitung eines Bergs von vielen geplanten Artikeln für die derzeit einfach die Zeit fehlt. Die Prioritäten liegen im Moment an ganz anderen Stellen 😉

Autor:

Frank Doerr (aka Loewenherz) ist seit 1996 online, Inhaber von Spinpool Online-Marketing und der Webdesign- und Wordpress-Agentur Wolke23. Fachjournalist (bdfj) und Buchautor. Er hält Vorträge auf SEO-Konferenzen, organisierte den SEO Stammtisch Rhein-Main und hat die erste offizielle Dokumentation der SISTRIX Toolbox verfasst. In den 90ern Lehrauftrag an der FH Frankfurt/Main, 2015 an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Informationswissenschaft.

16 Kommentare

  1. Servus =)
    Danke für die Erläuterungen zu deinem Test. Ich teste auch gerade einen Anbieter für Webkatalog-Einträge, auf einer recht brauchbaren Keyword-Domain, mal sehen wie hier die Auswirkungen sind, bzw. ob der Test dann auf ein anderes Projekt erweitert wird.

  2. Na, das ist doch mal ein sehr schöner Post mit konkreten Statistiken. Findet man heute nicht mehr so oft. Schade nur das das wichtigste, das Ranking, anscheinend wirklich nicht von den Kataloglinks beeindruckt wird.

  3. Danke!
    Mit deinem Test hast du mir einiges an Arbeit abgenommen. Hatte mir schon vor langer Zeit vorgenommen einen ähnlichen Test zu fahren!

  4. Pingback: Was bringen Webkataloge wirklich? | SEO MetaBlog

  5. Danke für die Mühe, halte uns auf dem Laufenden. Zumindest kannich mir dann einen ähnlichen Test sparen.

  6. Guter Beitrag! Du schreibst, dass die Links jetzt noch – wenn auch minimal – positive SERP-Veränderungen hervorrufen. Unklar ist jedoch, ob nicht schon längst bzw. ab wann, ein Eintrag in diverse Webkataloge (Kopien von Kopien) sogar negative Auswirkungen haben können. Oder schließt du das aus? Gruß Torsten

  7. In diesem Fall handelte es sich m.E. nicht um Kopien von Kopien. Selbst wenn, sollten die Einträge schlimmstenfalls keine Auswirkungen haben. Wenn negative Auswirkungen kämen, dann könnte man ja mit solchen Einträgen gezielt Konkurrenz aus den SERPs befördern (sozusagen als billige Golden Bullet Alternative *g*).
    Was ich durch einen gerade laufenden zweiten Test mit einem anderen Anbieter sagen kann: Wenn allerdings zu viele Einträge gleichzeitig auf relativ neue, eher schwache Domains geschaltet werden, stelle ich eine Art -50 Penalty fest.

  8. Fairer Punkt: Das Thema “Konkurrenz abschießen” gab es ja schon einmal aus Russland. Dein Fazit ist also, dass man kleinere Webkatalog-Pakete noch immer als Teil eines Backlinkaufbaus in Erwägung ziehen sollte?

  9. Man kann es als Teil der Linkmix-Struktur in Erwägung ziehen. Sollte aber nicht zu viel Zeit damit verbringen, wenn es mit demselben Zeitaufwand stärkere Links zu gewinnen gäbe. Insofern fand ich solche Billiganbieter einen Vergleich wert. Für Projekte auf der unteren Stufe der Linkpypramide taugt es gut.

  10. Schöner Beitrag!
    Ich hätte schon Interesse zu erfahren wie es den Seiten nach 6 oder 9 Monaten geht! Ich rechne nicht mit einer nachhaltigen positiven Wirkung.

  11. Sehr interessant, vielen Dank!

    Es wäre schön wenn Du nach einiger Zeit für die 3. Domain nochmal ein “Langzeit-Update” geben könntest…

  12. Sehr interessanter Test. Mich würde auch mal interessieren, was es mit den “100.000 Paid Clicks” bei eBay auf sich hat. Bei den Preisen könnten man die ja mal testen. Vielleicht mache ich das bald 🙂

  13. Nach meiner Erfahrung bringen WK Einträge schon noch einiges – gerade bei leichteren Keys. Wenn sie dann aber von der Startseite in die unteren Ebenen fallen kann man seine “besseren” Positionen auch schnell wieder verlieren. Ein paar sollten gerade in Bezug auf eine “natürliche Linkstruktur” schon vorhanden sein.

  14. Also Dienstleistungen bei eBucht zu kaufen ist an sich schon mutig, da man ja nie weiß.
    Früher hat eBay mal Spaß gemacht aber mittlerweile sind es auch einfach zu viele Regeln. Wenn man mal ehrlich ist, kann man dort auch keine wahren Schnäppchen machen.
    Vielen danke für den Test.

    VG

    Max

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