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Ein Jahr nach den Russenlinks

Vorweg: Wer eine Quelle für Russenlinks in diesem Beitrag erwartet – Tschüss! Lange war Ruhe um die als „Russenlinks“ betitelten Links, die eigentlich aus zahlreichen osteuropäischen Ländern stammen und nicht einzig und allein aus Russland. Der Begriff Russenlink wurde von heute auf morgen zu einem Synonym für billige, ausländische Backlinks. Morgen, also am 15. Januar vor einem Jahr, schrieb Loewenherz den Artikel „Google-Penalty durch Russen- und Polenlinks?“ und bündelte darin in Form von Zitaten auch die Äußerungen einiger Personen. Unter anderem auch die meine, eher emotional ausgerichtete Äußerung die nach wie vor unverändert ist.

Das Jahr 2009 war in der deutschen SEO-Szene also direkt mal mit einem Themenhype gestartet. Wie es bei anderen Leuten dann noch um das Thema Russenlinks stand weiß ich nicht. Selbst habe ich aber verschiedene Versuche unternommen, um mehr über die Konsequenzen zu erfahren, die der Einsatz von ausländischen Links bei deutschsprachigen Projekten bringt. Die Mischung macht den Unterschied – davon war von Beginn an auszugehen – konnte man vielen Blogbeiträgen entnehmen und auch von vielen Leuten bei persönlichen Treffen oder in Telefonaten erfahren.

Mischungsverhältnis – Deutsch (1) : (?) Ausland

Heilige Mischung, nur welches Verhältnis? Einfach abservieren lassen geht nicht und einfach Gras über die Sache wachsen lassen geht auch nicht. Laborratten mussten her, also schaffte ich mir mehrere neue und unbefleckte Domains an und produzierte darauf deutschsprachigen, unique Content. Startseite + 5 bis 10 Unterseiten und je etwa 300 Wörter sauberer Inhalt. Weil mir das Mischungsverhältnis mit dem man zum Erfolg gelangt nicht bekannt war, setzte ich bei der ersten Domain alles auf eine Karte. Ich buchte ausländische Links von Null auf Fünfhundert innerhalb von Sekunden und die Links wurden alle innerhalb von 48 Stunden eingebaut. Jetzt musste ich Geduld beweisen.

Die Links habe ich mir so selektiert, dass bei der Buchung nur Werte von Pagerank 0 eingesetzt werden. Das war mir wichtig, um die unbewiesene Theorie zu umwandern, dass zu viele starke Links in zu kurzen Abständen für Abstrafungen sorgen. Die 500 Links zeigten innerhalb von ca. 2 Wochen erste Resultate, denn der Sichtbarkeitsindex der Domain begann zu steigen. Fand aber keinen richtigen Halt.

Nach einiger Zeit wurden die Links dann um weitere 200 Stück aufgestockt. Stabil wurde die Domain trotzdem noch nicht. Anfang Oktober 2009 habe ich der Domain noch zwei stärkere Links und 5 sehr schwache Links von deutschsprachigen Seiten gegeben, die zudem aus einem ähnlichen Themenumfeld stammten. Scheinbar waren diese Links dann auch ein Grund dafür, warum die Sichtbarkeit und das Ranking der Domain dann stabiler wurde.

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Langfristig zahlt es sich aus

Geld haben wir alle nicht zu verschenken und so habe ich die Links aus entfernten Ländern bereits Ende November 2009 wieder entfernt. Bis auf ein paar Überreste sind auch alle weg und am Ende steht heute noch die folgende geografische Verteilung der Backlinks.

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Wie man sieht, wurden die ausländischen Links recht angenehm gemischt und stammen nicht einfach nur aus Russland. Bei den zwischenzeitlich über 700 Backlinks aus dem Ausland verhielt sich die Verteilung übrigens ähnlich. Ob es sich jetzt langfristig auszahlt, werde ich in den kommenden Monaten weiterhin beobachten müssen. Da die Links erst seit ein paar Wochen wieder deutlich reduziert wurden, ist kein definitives Ergebnis zu bestimmen. Deutlich ist trotzdem an der Sichtbarkeit zu erkennen, dass die entfernten Links nicht für einen Absturz sorgten und deutlich ist auch, dass wenige deutsche Links, in einer Masse an ausländischen Links, mit Ziel auf deutschen Content, für enorm viel Ruhe sorgen können.

Pagerank 2 statt Penalty

Durch das Pagerank-Update Ende Dezember wurde für mich dann ziemlich klar, das Google nicht wirklich ein Problem damit hat, wenn Websites direkt mit ausländischen Links und deutschem Content starten. Ich denke, es hätte sonst einen Penalty geben müssen, denn auch ohne Quality Rater sollte der Algo von Google so weit fortgeschritten sein, das ein Hebel umgelegt wird, wenn solch eine Mischung entsteht.

Punkt 1 🙂

Zwei weitere Domains die den gleichen Test durchlaufen haben und eine identische Menge an ausländischen und deutschen Backlinks bekommen haben, zeigten ein gleichwertiges Ergebnis. Mehr als drei frische Domains wollte ich aber nicht probieren, da mein Leben auch noch andere Inhalte hat.

Test an gebrauchter Domain

Eine andere Domain die bereits deutschen Content und deutsche Backlinks seit Dezember 2008 besaß, wurde ebenfalls mit ausländischen Links versorgt. Auch bei der Domain sind es 500 gebuchte und schließlich auch eingebaute Links gewesen. Natürlich mit minimierten Risiko, ebenfalls PR0. Das Ergebnis allerdings war ernüchternd. Zwar gab es keine Abstrafung, aber auch keinen Pluspunkt. Im Ranking veränderte sich nichts, die Sichtbarkeit der Domain blieb stabil. Kein Auf, kein Ab.

Meine Theorie

Google kannte die Domain bereits und die Domain war eindeutig mit deutschen Backlinks versorgt. Rankte bereits zu deutschen Keywords (Einzel- und Longtail) und war damit eben einfach auf Deutsch getrimmt. Die ausländischen Backlinks wurden somit durch den Algorithmus außer Kraft gesetzt. 500 Links bleiben ansonsten nicht ohne jede Auswirkung, egal wie stark die am Ende sind.

Punkt 2 🙂

Man kann also scheinbar eine neue Domain die Google noch nie im Index hatte, mit ausländischen Backlinks aufbauen obwohl deutschsprachiger Content auf der Domain liegt. Diese Theorie stelle ich mir persönlich auf, durch 3 frische Domains bei denen es funktionierte. Nicht wirksam aufbauen jedoch kann man bereits in Google befindliche Seiten die ein paar deutsche Backlinks besitzen und dann eine Masse ausländische Links bekommen. Dies entnehme ich dem Test an nur einer einzigen Domain. Da es eben nur eine Domain war, vertraue ich auch nicht vollendet darauf. Überlasse es aber Euch, die Theorie durch eigenes Wissen zu kippen oder zu untermauern.

Wichtig: Verzichtet auf den Einsatz von solchen Links bei Kundenprojekten!

Ick habe fertig – fick und fertig 🙂

ps: Ich weiß, ich habe gefühlte 50 Jahre nichts mehr auf seo-scene.de gebloggt. Daher bin ich doll aufgeregt, habe sicher viele google-bewusste Rechtschreibfehler drin und weiß auch nicht, was hier in den Kommentaren gleich passiert.

Vorsorgliches Update: Beachtet bitte, dass dieser Test nicht die Wirksamkeit von ausländischen Links in Frage stellt, die entsprechenden Trust rüberbringen. Im Beitrag selbst vermittelte ich euch bereits, dass für den Test nur kleine, schwache Links eingesetzt wurden. Sollte aber auch logisch erscheinen, denn ich wüsste vor Schreck nicht, woher ich jetzt jeweils 500 bis 700 Trust-Links für einen Test herzaubern sollte. 🙂

eisy

Autor:

Informationen über Soeren (eisy) erfährst Du, wenn der Benutzer sich dazu bereit erklärt.

22 Kommentare

  1. Eisy, jetzt hast du mich kalt erwischt. Ich klicke auf den Link in Twitter und denke: Huch, wieso bin ich jetzt auf SEO Scene. Das gab ein Gelächter hier 🙂 Übrigens: Ganz unterm Artikel im Edit-Modus findet sich noch eine Stelle zum Eingeben der Tags, wichtig für die related articles.

    Jetzt zum Artikel: Danke für deinen Test. Ich hatte nur einen einzigen Test mit Links aus ausländischen Webkatalogen auf expired domains (siehe jenen Artikel hier) und musste feststellen: Null Auswirkungen aufs Ranking.

    Interessant finde ich weiterhin die Stärke der Doms hinsichtlich der möglichen Auswirkungen ihrer Linkpower auf andere Projekte. Wobei das immer schwieriger zu messen wird.

  2. Nun, Loewenherz, ich plante schon lange Mal wieder auf seo-scene.de zu bloggen und mein Ziel ist es eigentlich auch, mit diesem Beitrag den Grundstein für etwas mehr Beiträge von mir zu lesen. 🙂 Da ich meine Zugangsdaten bis heute nicht vergessen hatte, sah ich mich auch nicht genötigt, dich nach 2 Jahren um Erlaubnis zu fragen. 😉

    Das es dich kalt erwischte, stimmt mich zufrieden, denn Lachen macht Glücklich und wer das ist, der lebt länger 🙂 Die Tags habe ich gefunden und nachgetragen.

    Was den Test betrifft: Ich hatte einfach das Gefühl das dem Thema noch kein Ende gesetzt war. Es fehlte noch etwas und ich finde auch nach diesem Test, dass noch kein klares Ergebnis vorliegt. Schrieb ich ja bereits. Meine Hoffnung geht eigentlich auch in die Richtung, nun wieder etwas Schwung in dieses Thema zu bringen, damit auch andere es nochmal anschauen und eventuell darüber berichten wie sie dazu stehen, was sie wissen, vermuten und vielleicht sogar belegen können.

  3. Danke für interessanten Artikel.
    Schön zu sehen das Ihr der Zeit vorraus seid 😉 !

  4. Mist da fehlt nen Wort. Ich meinte: „Danke für den interessanten Artikel.“

  5. Kann deine Erfahrungen bestätigen – habe auch mal ein paar ausländische Links für eine bereits bestehende Domain mit deutschem Content und deutschen Links gesammelt, Ergebnis war ebenfalls gleich Null…

  6. Ein sehr schöner test. Hättest du dich via Twitter gemeldet, hätte ich dir die Links so gegeben. Immerhin beweist dieser Test ja, dass Russenlinks sich langfristig eben doch lohnen.

    Nur mit deinen kapitalistischen Links aus USA solltest du aufpassen. Da gibt es schneller eine Penalty als bei RU-Links!

  7. Hallo,

    sehr schöner Test, vielen Dank für die Mühe und die ausführlichen Ergebnisse. Schade, dass du die entsprechenden Domains nicht nennst 🙂

    Hinzufügen möchte ich allerdings noch, dass solche Filter von Google nicht automatisch und via Algo vollzogen werden sondern reine Handarbeit sind.

    Früher oder später wird eine Domain mit auffälligem Verhältnis abgestraft. Dies richtet sich aber nach dem Zeitpunkt der Kenntniserlangung der Google-Jungs und dem Ermessensspielraum. Ein festes Verhältnis gibt es also so nicht.

    Liebe Grüße,
    Constantin

  8. Super Test! Warum bin ich da nicht drauf gekommen ;(

  9. @Constantin schrieb: „Hinzufügen möchte ich allerdings noch, dass solche Filter von Google nicht automatisch und via Algo vollzogen werden sondern reine Handarbeit sind.“

    Bitte Constantin, wenn Du meinen Test mit einer solchen Aussage direkt in Frage stellst, dann belege deine Aussage doch auch für alle Leser mit handfesten Fakten aus dem Hause Google. 🙂 Du scheinst die internen Angelegenheiten in Bezug auf den Algo im Hause Google ja gut zu kennen. 😉

    Bzgl. den Domains muss ich Dir leider sagen, dass es gute Gründe gibt, diese nicht zu veröffentlichen. Die Backlinks die noch existieren sind natürlich ohne Probleme für jeden zu analysieren. Auf den Websites der Backlinks befinden sich allerdings auch einige Links von SEO-Agenturen die eigene und andere Projekte damit stützen. Ich bezweifel daher sehr, dass es Sinn macht, diese Domains zu erwähnen. Im letzten Jahr gab es bereits ausreichend Stress bei manchen Agenturen und auf eine Wiederholung dürfte niemand wirklich aus sein. 🙂

  10. ich finde das super, dass Leute wie du sich Zeit nehmen und solche ausführlichen Tests machen. Ich hoffe, das machst du weiterhin.

    Gruß
    Damian

  11. Pingback: Tweets die Ein Jahr nach den Russenlinks « Russenlinks, Linkaufbau, Backlinks, SEO, Suchmaschinenoptimierung « SEO Scene erwähnt -- Topsy.com

  12. Danke für die Testbeschreibung und Grüße an SEOkratie 😉

  13. OK, der Test gilt aber nur für Links der Güte von „bekannten Russenlinks“. Trusted Links aus dem Ausland ziehen immer noch mit einem Dämpfer. Auch aus Russland. Das war vor den „Russenlinks“ so, während und danach. 😉 Aber danke

  14. Danke SEOnaut, zeigt mir, dass dieser Punkt aus dem Beitrag nicht gut genug hervorgeht. Daher habe ich entsprechend ein kleines Update noch ans Beitragsende angehangen. 🙂

  15. Pingback: Links vom 08.01. bis 15.01.2010 - Links, Affiliate-Marketing, Woche, Bereich, Themen, Backend - eisy - Affiliate Marketing & SEO Blog | News, Tipps & Tricks für Webmaster

  16. Hallo, mich würde jetzt mal interessieren, was für Domains das waren. Nur -de? Oder andere TLDs, die nicht nur über die Content-Sprache, sondern auch mittels der anderen Möglichkeiten als deutsch erkennbar waren?

  17. Hallo,

    geheime Kontakte zu Google habe ich natürlich nicht. Sonst würde ich ja auch SEO mit dem Hinweis auf meine geheimen Kontakte anbieten und diese als Vertriebsmittel nutzen 😀

    Die Aussage sollte auch kein Angriff sein, sondern lediglich eine Ergänzung zu deinen Erkenntnissen. Die wirklich toll sind, da hast du meinen vollen Respekt.

    Meine Aussage stützt sich auch nicht auf Tests oder irgendetwas, dass sich hier belegen liese sondern vielmehr auf meine eigenen Erfahrungen und auf Gespräche mit anderen Kollegas. 🙂

    Dies wird auch mal wieder durch den aktuellen Post des SEOnauten unterstützt. Dort etwas zwischen den Zeilen lesen kann diesbezüglich sehr helfen. Trotzdem bleibt es natürlich nur eine „Meinung“.

    Liebe Grüße,
    Constantin

  18. Hallo Constantin,

    danke für dein Feedback. Jetzt schiebt es deinen vorherigen Kommentar – für mich – auch in das von dir gemeinte, korrekte Licht 🙂 Dem habe ich dann nämlich auch nichts mehr hinzuzufügen.

    Hi Dirk,

    die Domains die ich dafür benutzt habe, sind alles .de Domains. Wollte den mit so einheitlichen Voraussetzungen durchführen wie es nur ging.

    Wünsche ein angenehmes Wochenende!

    eisy

  19. Pingback: Top Webmarketing Links der letzten Woche (KW03/2010) | WebmarketingBlog.at

  20. Ich liebe SEO-Experimente, vielen lieben Dank.
    Dein Seo Blog ist ja eine wahrhaftig unentdeckte Perle…

    Zum Test:
    Er ist natürlich etwas allgemein gehalten, denn Erkenntnisse über die tatsächliche Relevanzbewertung für ausländische Links seitens Googles Algorithmus kann man nicht gewinnen.( So ein Experimente würde wohl auch echt ins Geld gehen. )
    Vielleicht haben im 1. Test die Russenlinks die Sichtbarkeit deiner Website tatsächlich etwas beeinflusst. Aber warum? Weil es Russenlinks sind? Oder weil der Content der in Russland gehosteten Websites für Google zufällig relevant erschien?
    Google hat vielleicht die Russischen Websites auch einfach nur übersetzt um das Thema mit deiner Testseite abzugleichen. Leider hast Du anscheinend bei der Auswahl der ausländischen Backlinks nur deren Pagerank berücksichtigt, nicht aber etwaige Themenüberschneidungen. Denn Du wolltest nicht „dass zu viele starke Links in zu kurzen Abständen für Abstrafungen sorgen“ . Ich glaube , dass Themenrelanz hier als Puffer für „viele starke“ Backlinks dienen kann um eine Abstrafung zu umgehen.

  21. Mit welchem Tool hast du die Herkunft der Backlinks analysiert? Hast du selber etwas gecodet?

  22. Blöde Frage: Hast du damals das ranking dieser „gebrauchten“ domain auch per geo targeting gecheckt? Logisch wäre ja, wenn man mit russischen links auf der russichen google gut rankt. Einfach google.ru aufrufen reicht da auch nicht, soweit ich weiss

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