Suche
Suche Menü

PageRank-Downgrades und falsches Linkbuilding

Hier noch ein Blog-Eintrag zum einem “der interessantesten PageRank-Updates der letzten Jahre“, wie Sistrix zu Recht anmerkt. Diesmal mit etwas tiefergehenden Analysen und Erfahrungen über die Zusammenhänge mit dem, was Fridaynite zu Recht als Downgrade bezeichnet – http://www.fridaynite.de/pagerank-update-oder-pr-downgrade/ Beginnen wir mit einer lockeren Aufwärmrunde.

Abstrafung von Linkverkäufern

Mario Fischer hat beispielsweise oft genug vor dem gewarnt, was kommen wird – Google hatte es ja lang und breit angekündigt. Was mich persönlich störte, war die Benutzung des Instrumentes PageRank, die zu einer verzerrten Darstellung betroffener und an sich starker Seiten führte (phpBB.de hat mittlerweile nur noch PR3!). Ich habe bereits bei Sistrix geschrieben, dass ich das Ganze sehr unelegant finde. Sicher, dafür war es ungemein öffentlichkeitswirksam. Auch ein anderer Kollege hat angemerkt, dass es sicher nicht die feine englische darstellt, eine linkgebende Seite anstelle nur des Linkziels abzuwerten. Aber letztendlich hat Google erreicht, was wohl bezweckt war: Aufmerksamkeit und teilweise Zerschlagung einer Praktik. Kollege Mediadonis merkt dazu kritisch an:

Nun scheint das offizielle Mission Statement zu sein, anderen Menschen zu diktieren wie sie ihre Webseiten bauen, ihr Internet Business gestalten, und Werbung kaufen und verkaufen sollen!

Das Schöne für Google ist allerdings, dass die Abstrafung der Paidlinks und die damit verbundenen Auswirkungen bei der Neuberechnung eine sinnvollere Maßnahme darstellen als die Erhöhung des Dämpfungsfaktors bei der PR-Vererbung *g*.

Aufrichtigkeit und Content

Letztendlich geht das Linkgetausche vor allem darauf zurück, dass Google Links als Währung des Internet erst so populär gemacht hat. Wo Bedarf ist, entsteht Nachfrage. Seit die Befriedigung dieser Nachfrage-Situation nicht nur immer stärker zunahm (vor allem durch Einbeziehung professioneller SEOs und Linkbuilder), sondern sogar Dienste darum entstanden, überstieg das Ganze eine tolerierbare Grenze. Und seien wir ehrlich. Was hat das Ganze nicht für Aufwüchse gezeigt: PageRank-Dienste, abertausend Webverzeichnisse, die nur Optimierer kennen, oder Artikelverzeichnisse. Letztendlich kostete dies alles nur Zeit und Aufwand, so dass die vornehmste Aufgabe des Betreibers einer Website – Content zu schaffen – zuweilen eher zurück stehen musste. Vielleicht ist diese Geschichte wieder eine Anregung, sich genau darauf zu konzentrieren – in Verbindung mit einer sauberen On-Page-Optimierung.

Paidlinks

Bei dieser Runde hat es in erster Linie gekaufte Links und deren Anbieter erwischt. Auch hier habe ich ein weinendes und ein lachendes Auge.

Das Anbieten von Linkplätzen für Paidlinks ist einerseits ein schönes Finanzierungskonzept für Open Source Seiten wie auch kleine Redaktionen. Spiegel Online muss ein PageRank-Downgrade nicht weiter jucken. Der Traffic macht die Höhe der Werbeeinnahmen. Doch kleinere Seiten haben ein Problem. Ich betreibe beispielsweise ein Online-Magazin (im folgenden mal Projekt1 genannt), das neben dem für eine Nischenseite guten Traffic bislang auch einen netten PR5 hatte. Da es mir mittlerweile an Zeit fehlt, mich um den Content zu kümmern, schien das Anbieten von Linkplätzen eine gute Idee. Durch die daraus resultierenden Einnahmen wollte ich den bislang ehrenamtlichen Mitglieder der Online-Redaktion ein kleines Honorar zahlen können. Doch werden Interessenten nun auch von einer PR4-Seite noch Links kaufen, die ich im Sinne Googles mit nofollow kennzeichnen müsste? Insofern steht ein Projekt, das in diesem Spezialgebiet die hochwertigsten Informationen im deutschsprachigen Netz dauerhaft bereit stellt, nun zwar nicht auf der Kippe, kann aber auch nicht im angedachten hochwertigen Stil weitergeführt werden. Uwe schreibt dazu:

Wenn das mal nicht nach hinten losgeht und all die netten Content-Verlage bemerken, dass einem hier gerade vorgeschrieben wird, wie man sein Geld zu verdienen hat.

Über mögliche negativen Auswirkungen auf Open Source Seiten – bei denen das Finanzierungsmodell Paidlinks weggebrochen ist – habe ich mich ja bereits ausgelassen. Und darüber, dass dadurch mein zweites PR5-Projekt zurückgestuft wurde, weil die Abstrafung der entsprechenden Open Source Seite auch zu einer Abstufung der Teamlinks geführt hat.

PageRank fixierter Linktausch

Mit dem lachenden Auge sehe ich etwas anderes. Nämlich die Seiten von Kollegen, die sich irgendwo einen PR8 oder mehrere PR7-Links gekauft haben, um mit den daraus resultierenden Ergebnissen Linktausch betreiben zu können. Sie boten dann PR6 oder PR5 Backlinks an, gegen entsprechend gleich hohe PR-Links oder gleich mehrere niedrige Backlinks.

Ich habe nie Links für Geld gekauft (nein, meine Seiten haben sich auch nicht nach oben geschlafen *g*). Sogar dem Linktausch habe ich mich lang verwehrt. Wenn mir eine Seite gefallen hat, setzte ich einen Link darauf. Aber irgendwann musste ich einsehen, dass es mit On-Page-Optimierung allein nicht funktioniert. Entweder hatten Menschen, die auf Projekt1 verlinkt hätten, keine oder keine indizierbaren Webseiten, oder setzten einfach keine Links. Also tauschte ich ein wenig.

Zumal die Praxis des Linktausches einen Teil des Linkbuildings darstellt, den man als SEO kennen sollte. Vor allem, da ich dadurch Webseiten zu sehen bekam, die mir als normalem Surfer nie untergekommen wären *g* und ich dadurch Einblick in die Strategien mancher Kollegen bekam. Eine gute Schule. Auch hinsichtlich des “wie ich es nie machen würde”.

In diesem Rahmen tauschte ich für Projekt1 auch ca. fünf Links von PR-starken Seiten und noch eine Handvoll für andere Projekte. Kleinkram. Der überwiegende Anteil dieser Seiten war inhaltlich nicht unbedingt anspruchsvoll zu nennen, zuweilen widersprach das Setzen der Links auch meinen Qualitätsstandards. Aber ich testete. Letztendlich verdankte Projekt1 seinen PP5 diesen Links. Nun hat es PR4. Und ein Check dieser Partner zeigte, dass deren PR5 oder 6 Seiten nun meist auf PR3 zurückgestuft worden sind. Manche gelten nun sogar als “unranked”. Kein Wunder, dass von dort kaum noch etwas vererbt wird.

Dies lässt mich vermuten, dass von den Abstrafungen – neben redaktionellen Seiten, die das Finanzierungsmodell Linkverkauf genutzt haben – vor allem Suchmaschinen-Optimierer und deren Kunden betroffen sind. Wie oft sehe ich bei Seiten, die mir zum Linktausch angeboten werden, immer wieder dieselben Links zu Projekten von Kollegen. Klar, der Pool ist begrenzt. Insofern traf es vor allem die Szene selbst.

Dies zeigt auch, dass der PageRank (von oben genannter Ausnahme abgesehen) weiterhin ein wichtiges Indiz und damit überhaupt nicht tot ist. Aber er ist eben nur ein Hinweis, kein Selbstzweck. Dahinter steht weiterhin die Zahl und nun wieder verstärkt die Qualität der eingehenden Links. In diesem Sinn habe ich volles Verständnis für Googles Aktion. Viele Seiten waren den grünen Balken nicht wert, den sie trugen.

Konsequenzen

All die SEO’s, die in der Vergangenheit allein mit der Höhe des PageRanks dicke Linkbildung betrieben haben, können sich nun warm anziehen. Denn ich vermute, dass eine Welle der Kündigung von Linkpartnerschaften auf sie zurollt. Klar, wer für einen PR6 Backlink mehrere echte PR5 oder 4er Links hergegeben hat, und nun nur noch einen PR2 oder 3 Link zu sehen bekommt, wird Nachbesserung verlangen oder die schlechte Nachbarschaft lieber ganz sein lassen. Stattdessen wird das geschehen, was seit längerem absehbar war: Linktausch ist nur sinnvoll mit guten Seiten, mit denen man auch ohne grünen Balken tauschen würde: guter Content, lange Präsenz im Netz etc. Linkbildung wird damit wieder ein wenig aufwändiger, aber wer es richtig machte, hat die dafür notwendigen Recherchen sowieso stets durchgeführt und die Parameter berücksichtigt. Es ist jedenfalls viel Bewegung in die Goldgrube Linkhandel gekommen.

Falsches Linkbuilding

Bedeutet ganz klar: Finger weg von Seiten, die ihren PageRank nur aufgrund eines einzigen starken und gekauften Backlinks bezogen haben. Finger weg von Footerlinks oder Linklisten, die manche SEO’s völlig lernresistent immer noch pflegen. Ich falle jedes Mal vom Stuhl, wenn mir jemand einfach nur ein Keyword samt Link rüberschiebt ohne themenrelevanten Text herum. Dies entwertet sowohl die linkempfangende als auch die linkgebende Seite!

Am Beispiel phpBB.de war zu sehen, wie Abstrafung und Footerlinks gemeinsam zuschlugen: Erst wurde die Seite von PR7 auf PR5 abgestraft wegen der ersichtlichen Paidlinks. Dann kam noch mal eine Abstufung auf PR3. Also vier Punkte runter! phpBB.de hat aber sicherlich keinen Linktausch betrieben. Aber: Der PR resultierte vermutlich einerseits sehr stark aus den ganzen Footerlinks von Seiten, die phpBB als Foren-Software einsetzen. Dabei stand der Link an Stellen, an denen Webmaster gern auch andere Links platzieren. So entstand schnell eine kleine Linksammlung der Art, die Google sicher nicht mag. Gleichzeitig war die Mutterseite phpBB.com ebenfalls aufgrund von Paidlinks abgewertet worden. Die Seite “International support”, von wo aus phbBB.de verlinkt ist, hatte nun nur noch einen PR4, der dann bei der Neuberechnung aufgrund der Konsequenzen der vielen Abwertungen entsprechend als PR3 weiter vererbt worden ist. So zieht die ganze Chose ihre Kreise.

Auswirkung auf die Suchergebnisse

Bleibt also noch abzuwarten, wie sich das Ganze auf das wirklich Relevante auswirkt: Die Ergebnisse in den SERPs. Bislang konnte ich nichts feststellen. Aber der PageRank ist durchaus ein Indikator für Parameter, die in die Positionierung einfließen. Insofern sollte man den Suchergebnissen in den kommenden Wochen erhöhte Aufmerksamkeit schenken bezüglich all dessen, was über das normale auf und ab hinausgeht. Die Wellen und Konsequenzen dieses Updates waren und sind jedenfalls enorm. Man könnte ihm glatt einen Namen geben, der über die zeitliche Einordnung Oktober 2007 hinausgeht. Hat jemand einen guten Vorschlag? Wobei meine erste Idee “Fall 2007” schön doppeldeutig im englisch-deutschen Kontext erscheint 🙂 Jedenfalls kein goldener Herbst für viele Suchmaschinen-Optimierer, deren PageRank zum Lachen in den Keller gefallen ist.

Autor:

Frank Doerr (aka Loewenherz) ist seit 1996 online, Inhaber von Spinpool Online-Marketing und der Webdesign- und Wordpress-Agentur Wolke23. Fachjournalist (bdfj) und Buchautor. Er hält Vorträge auf SEO-Konferenzen, organisierte den SEO Stammtisch Rhein-Main und hat die erste offizielle Dokumentation der SISTRIX Toolbox verfasst. In den 90ern Lehrauftrag an der FH Frankfurt/Main, 2015 an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Informationswissenschaft.

5 Kommentare

  1. Das Halloween Downgrade wird sicher noch einen Rattenschwanz durch die SERPs ziehen. Ich bin gespannt wann es losgeht.

  2. Bisher die differenzierteste und interessanteste Auswertung des aktuellen Geschehens. Vielen Dank dafür! Werde Dein Blog gleich mal bookmarken 🙂

  3. Danke für den super Beitrag, allerdings fällt auf, dass viele immer nur jammern. Wir mussten die Erfahrung machen, dass viele Projekte besser gelistet werden als vorher. Eine Abstrafung hat nicht stattgefunden… 🙂

  4. hallo zusammen ein guter beitrag, nur finde ich das ganze ein bissel kuriose da hir im beitrag adwords werbung direnn ist mit link geschichte naja kassiren will wohl google :).

    bis denne

  5. Pingback: Die fünf offenen Geheimnisse des Suchmaschinenoptimierers « Content,Handwerk,Linkbildung,Traffic « SEO Scene

Kommentare sind geschlossen.