Linkbait von Shoemoney gegen dmoz

Nachdem es nun durch einige SEO-Blogs wandert, gebe ich auch an dieser Stelle mal meinen Senf dazu ;-) Es geht um die Behauptung von Shoemoney in seinem Blog, von einem ODP-Editor erpresst worden zu sein: 5000 Dollar oder der Eintrag seiner Seite würde gelöscht. Er habe nicht bezahlt und die Seite sei aus dem ODP verschwunden. Natürlich war dies Wasser auf die Mühlen all der SEO’s, die ein Problem mit dmoz haben. Vor allem Jojo ist unter der reißerischen und fast schon beleidigenden Suggestiv-Überschrift „Sind DMOZ-Editoren Erpresser?“ ziemlich bild-mäßig eingestiegen und hat bei mir etwas an Credit verspielt.
Intern dagegen sieht die Geschichte ein wenig anders aus.

Dass ein Betroffener eine Story in einem Blog öffentlich macht, ist heutzutage schon normal. Doch würde ein solcher Verstoß gegen die Richtlinien des ODP wirklich nur in ein Blog kommen? Hey, es gibt eine Beschwerdestelle. Und die ist genau für solche Dinge da! Nämlich um Missbrauch des ODP durch Editoren zu melden (und nicht für die Beschwerden von SEO’s, die unfähig waren, für ihre 0815-Seiten eine passende Kategorie zu finden und einen sachlichen Beschreibungstext zu formulieren). In all meinen Jahren beim ODP habe ich sogar den Eindruck, dass solchen Beschwerden eher härter, denn lax oder gar nicht nachgegangen wird.

Stellt sich also die Frage, warum Shoemoney nicht erst den offiziellen Weg gewählt, sondern das Ganze in seinem Blog publiziert hat. Angesichts von bereits über 200 Antworten, die größtenteils aus Trackbacks bestehen, titelt Fridaynite zu Recht in seinem Blog: „Erfolgreicher Linkbait von Shoemoney vs. DMOZ“. Danach sieht es immer mehr aus. Denn da ist jene Antwort eines anonymen ODP-Editors auf Jojos Posting:

Als DMOZ-Editor habe ich mir das Editor-Logfile angesehen, und was da geschrieben wird, wirft ein ganz anderes Licht auf Shoemoney…
U. A. geht der Bann auf einen Bestechungsversuch von Seiten Shoemoney zurück. Die anderen Edits/Löschungen waren ganz normale Bereinigungen der Kategorie.

Ich mag dazu nur folgendes sagen: Jeder ODP-Editor kann die Edits verfolgen, zumal Shoemoney auch noch die betreffende Kategorie im ODP gepostet hat. Ich wollte mich an dieser Stelle nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, da eine Stellungnahme zu dem Thema von offizieller Seite kommen sollte. Allerdings findet sich diese bereits im Google Blogoscoped Forum, wo auch unser managing editor Bob Keating geantwortet hat, so dass ich mich wohl auf die dort bereits in der Öffentlichkeit gegebenen Fakten berufen kann. Ein Kollege schreibt dort:

As you can see the site was apparently NOT listed before 2007/01/26.

Die betreffende Seite war also vor Januar 2007 nie im Verzeichnis, sondern nur für ganz kurze Zeit deren Feed. Stattdessen findet sich in einem Forum sogar ein altes Posting von Shoemoney, datiert vom 20.05.2005, das die Vorwürfe in umgekehrter Richtung stärkt aufgrund folgenden Inhalts:

if anyone seriously does know a dmoz editor pm me ill pay there lame corruption fee to get in the dmoz… I dont like it but I want to be listed.

Statt eines armen Opfers finden wir hier also jemanden, der gezielt zur Korruption anstiftete. Wundert sich da noch jemand, dass dessen Seite aus dem ODP geflogen ist? Shoemoney selbst gibt den Betrugsversuch zu:

I did post that… before shoemoney.com was ever even up. I did get replies from your corrupt ass editors and I did pay them to get some sites in. I still pay to get sites in.

Ob die Einträge der betreffenden Seiten wirklich von einem ODP-Editor intern vorgenommen worden sind? Oder hat hier irgendjemand die Dummheit des Jeremy Schoemaker ausgenutzt und dessen Seiten einfach nur mit korrekten Beschreibungen von außen angemeldet, so dass sie entsprechend den Guidelines sozusagen aufgenommen werden mussten? Und sich dies fürstlich honorieren lassen und dabei noch gelacht über den Deppen, der zur Korruption aufrufen wollte und selbst reingefallen ist? Um dies zu tun, braucht man gar kein Editor zu sein. Hey, ich melde die Webseiten meiner Kunden auch von außen im ODP an, in der korrekten Rubrik, mit der bestmöglichen Beschreibung. Das ist in der Regel Teil des Leistungsspektrums – und ist es auch bei vielen anderen Webdesignern.

Solange jedenfalls der Herr Schoemaker keine Beweise für seine Behauptungen liefert wie beispielsweise die betreffenden eMails oder andere Angaben, mit denen man nachprüfen könnte, ob wirklich ein Editor mitgespielt hat, solange bleibt die ganze Sache in meinen Augen einfach nur das, was bereits Fridaynite als Möglichkeit geäußert hat:

Shoemoney hat diese ganze Geschichte inszeniert um sich aus der ganzen Blogosphere Links zu besorgen als Ausgleich für einen weggefallenen DMOZ Link.

Oder um es anders zu formulieren: Möglicherweise hat ein Lernprozess stattgefunden, der Herr ist gewiefter geworden und kam auf die Idee, seine eigene Geschichte „ein wenig“ zu fälschen und auszuschlachten. Ein gelungener Linkbait spart schließlich manche Investition für solide SEO. So viele SEO’s schleppen ein ODP-Trauma mit sich herum, dass sie sich auf alles stürzen, was dmoz in Misskredit bringen kann.

Zwar war das ODP so auch mal wieder in aller Munde, aber mal wieder in einem negativen Kontext. Und ich bin kein Anhänger der These, dass es besser ist, mit negativen Schlagzeilen vertreten zu sein als gar nicht. So konnten auch mal wieder all die alten Geschichten über „meine Website wurde nie aufgenommen“ und „das ODP ist doch eh tot“ aufgewärmt werden. Und sich alle unterdrückten SEO’s mit Jeremy Schoemaker solidarisieren.

Aber jetzt mal ganz ehrlich, ihr Anhänger eines Aufregers des Tages: Gibt es für Menschen etwas lustigeres, als wenn ein Betrüger aufs Glatteis geführt wird? Ich habe jedenfalls kein Mitleid mit diesem Herrn Shoemoney.

 

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