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Das faire Preismodell für SEO

Ian Lurie hat vor einigen Tagen ein Manifest dafür veröffentlicht, warum ein Abrechnung auf performance-basis für SEO nicht funktioniert. Diese Aussage ist so falsch wie sie alt ist und wird gerne von reinen SEO-Consultants benutzt. Meiner Meinung nach kann eine gute SEO Agentur aber durchaus in der Lage sein performance-orientiert abzurechnen. Natürlich kann das nicht jede Agentur leisten und ich würde es auch nicht mit jedem Kunden machen wollen aber in den Fällen, in denen es möglich ist, ist es das fairste Abrechnungsmodell.

Ich gehe in diesem Artikel auf die einzelnen Argumente von Ian ein. Mir ist klar, dass er nicht versteht was ich hier (auf Deutsch) schreibe und ich suche auch nicht die Diskussion mit ihm. Seine Argumente sind lediglich exemplarisch für das, was ich seit Jahren in Foren lesen und auf Treffen hören muss. Ihm Rahmen meiner Beteiligung an der Gründung von seoFactory habe ich mir zu diesem Thema viele Gedanken gemacht und wer mich kennt weiß, dass ich gern meckere und kritisiere. Auch an Ideen von meinen Partnern oder mir selbst. Ich habe mir die ganze Sache also wohlüberlegt und auch Erfahrung mit der Thematik.

1. Kontrolle

Der Kunde gibt mir nicht 100% Kontrolle

Kleine Kunden sind durchaus dazu bereit, die Kontrolle abzugeben. Gerade wenn man SEO und Websiteerstellung anbieten ist dieses Argument nichtig. Ich weiß, dass es in den Comments gleich heißen wird, dass das nur unseriöse Klitschen machen, aber das stimmt nicht. Viele Mittelständler sind dankbar, wenn sie Online-Shop + SEO (+ SEA) aus einer Hand kriegen und stellen dafür Budgets bereit, die diesen Prozess für die Agentur lohnend machen. Hierbei ist es egal, ob die Bereiche Websiteerstellung und SEO beide inhouse abgedeckt werden oder durch Partner und Subunternehmer erledigt werden. Wichtig ist: Die Agentur hat es in der Hand.

2. Optimierung

Ich kann keine Seite optimieren, wenn die IT-Abteilung sich weigert, 50% meiner Änderungswünsche umzusetzen.

URL, Title, hx, Content und interne Navigation. Damit hat man mindestens 80% der OnPage-Power rausgeholt und mehr braucht man, die passenden Links vorausgesetzt, abseits der extrem umkämpften Keywords nicht.* Dann optimiert der Kunde seine Bilder eben schlechter als die Konkurrenz. Na und? Das kann man problemlos durch gute Links ausgleichen.

3. Inhalte und Links

Ich kann keine Links generieren wenn ich keine hochwertigen Inhalte auf der Kundenwebsite veröffentlichen darf.

Das ist sicherlich beim Kauf, Tausch und Bait von Links relevant. Aber wenn ich über ein großes Netzwerk mit passenden Linkpyramiden** für verschiedene Themenbereiche verfüge, dann ist die Qualität des Contents egal. Damit das ganze rankt, muss der Content natürlich einigermaßen vernünftig sein, aber das sollte nicht das Problem sein. Den super hochwertigen Content, den man gerne selber posten möchte, kann man auch auf einen Satelliten stellen, welcher dann auf den Kunden linkt.

Damit man mich nicht missversteht, bei meinen eigenen Portalen geht mir qualitativ hochwertiger Content über alles. Das ist meiner Meinung nach die günstigste und langfristigste Strategie für gute Links und gutes Ranking. Aber wenn es beim Kunden nicht geht, dann geht es eben nicht.

4. Keywords

Sich auf ein Keywords oder eine Gruppe von Keywords festzulegen ist Quatsch! Denn der Kunde rankt durch meine SEO Arbeit auch für viele Longtailbegriffe ohne dafür zu zahlen!

Das stimmt. Aber was spricht dagegen neben 100 trafficstarken Keywords auch einige hundert Longtail Keywors mit Preisen zu hinterlegen? Der Kunde rankt natürlich noch für diverse andere Longtail KWs, aber alle zu bepreisen ist einfach nicht möglich. Es ist aber auch nicht notwendig. Solange die Agentur genug Geld vom Kunden bekommt, kann es ihr doch egal sein ob er auch noch für 3.000 andere Begriffe rankt.

5. Positionsbestimmung

In Zeiten von regionalem Targeting und personalisierten SERP ist es nicht möglich Suchergebnisse sauber zu messen.

Leider wahr. Hier muss die Agentur entweder inhouse eine Lösung haben, die von diversen Standorten abfragen durchführt oder man vertraut auf einen (besser mehrere!) externe Dienstleister. Für den deutschen Markt biete sich (je nach Budget) Sistrix, SEOLytics und Searchmetrics an.

6. Langfristigkeit

Wenn ich fürs Ranking bezahlt werde, kassiere ich meine einmalige Provision fürs Erreichen der Position und lösche dann alle Links wieder.

Das ist meiner Meinung nach kein Argument. Auch wenn ich für einen Fixpreis pro Monat arbeite, kann ich nach der Zusammenarbeit die aus meinem Netzwerk gesetzten oder von mir getauschten und gekauften Links entfernen.

Ein sinnvolles Preismodell sieht meiner Meinung nach so aus.

Der Kunde zahlt entweder für ein Dokument mit einer kompletten OnPage Analyse und Empfehlungen was zu ändern ist oder dafür, dass diese Änderungen direkt vorgenommen werden (einmalig).

Dann werden diverse Keywords definiert. Hier muss Know-How Transfer von beiden Seiten stattfinden. Als SEO muss ich das Produkt oder die Dienstleistung verstehen und der Kunde muss in seinen Schädel kriegen, was der Long-Tail ist. Dann wählt man zu den trafficstarken Keywords noch einige Longtail Kws.

Jedes Keyword hat einen Preis pro Monat und Position. Im Longtail reicht es Top 3 oder Top 1 mit Preisen zu versehen bei (mittel)starken Keys sollten die kompletten Top 10 bepreist werden. Messen würde ich täglich oder zumindest wöchentlich und dann für den Monat den Durchschnittswert in Rechnung stellen.

Damit man als SEO nicht verarscht wird, würde ich eine Grenze festlegen. Wird diese durchbrochen (z.B. 10% aller Keywords ranken in den Top 10) läuft der Vertrag für mindestens 12 Monate. Das kann man den Kunden eigentlich immer vermitteln. Immerhin geht man als Agentur in Vorleistung und trägt am Anfang das komplette Risiko. Da ist eine solche Klausur nur fair.

Warum bieten so wenig Agenturen erfolgsbasiertes SEO an?

Es ist nicht immer möglich.

Ab einer gewissen Kundengröße kommt man immer häufiger in einen Treibsand aus Gremien, Fristen und Anträgen. Dort, wo sogar die inhouse SEOs kämpfen müssen, hat man es als externer Dienstleister natürlich noch schwerer. Dann muss man einfach eine Grundgebühr verlangen.

Festpreise sind leicht verdientes Geld

Ich habe schon gesehen, wie Kunden Dienstleistungen wie Webkatalogeinträge oder Social Bookmarks zum Zehnfachen dessen verkauft wurden, was man bei einem Subunternehmer wie Orange SEO dafür bezahlt. Auch gibt es SEO Agenturen, die für eine OnPage Analyse aus dem IBP mehrere tausend Euro verlangen.

Fußnoten

* Ja, bei sehr großen Seiten kommt es noch auf mehr an aber ich gehe hier mal von kleinen Seiten wie Online-Shops mit maximal 1.000 Artikeln aus.

** Ohne die von Blackhat SEOs verwendete etwas unsaubere unterste Ebene.

Autor:

Malte Landwehr ist Webunternehmer mit Spezialisierung auf SEO, Social Media und Online Reputation Management.

15 Kommentare

  1. Hier sind sehr schön die wichtigen Punkte zusammengefasst.
    Dem Kunden muss ich dann nur noch klar machen, das es sich nicht zu Beginn und später auch nicht immer auf Begriffe wie “Versicherung” zu optimieren – bezogen auf die Conversions.
    Das ist meiner Meinung nach teilweise die schwierigste Angelegenheit.

  2. Jup, so isses 😉

    Mache es tatsächlich auch oft so, wie von Dir beschrieben. Allerdings beim Positionstracking Modell nur für Einzelkeys und nur in den Top-5. Dafür aber tagesgenaue Abrechnung/Tracking.
    Da sind dann bei mir alle Longtail/Kombi Nebeneffekte einfach mit Inclusive. Das wird wiederum über eine monatliche Grundpauschale abgefangen …

    Wobei ich in den letzten 2 Jahren etwas davon abgekommen bin und immer mehr Kunden mit Monatspauschalen habe, bei denen einfach nur eine möglichst große Vorab recherchierte/besprochene Menge der Keyword-Recherche Ergebnisse abgedeckt wird.
    Funktioniert aber nur bei Kunden, wo man sich über die grundlegenden To-Dos der Optimierung bereits im Klaren ist & einfach nur entsprechende Reports als Nachweis benötigt.

    Die kritischeren/unwissenderen Neukunden bekommen auch weiterhin die Einzelpositions-Abrechnung mit Grundgebühr, welche jedoch in der Regel deutlich höher ausfällt als die Monatspauschale, bei der ich “nur” die To-Dos ohne Erfolgskomponente verkaufe … das Ergebnis ist in der Regel für den Kunden oft das Gleiche 😉

  3. Hallo,

    eine teilweise an Performance orientierte Bezahlung halte ich im Bereich SEO für sinnvoll.

    Es gibt nicht wenige Agenturen, die von Anfang nicht alles geben bzw. kurz vor Vertragsende noch einmal nachlegen.

    Wer sich lediglich auf eine monatliche Pauschale festlegt, sollte zumindest etwas Ahnung vom Thema SEO haben und die Resultate bzw. Optimierungsschritte selbst mitverfolgen.

    Grüße

    Gretus

  4. Pingback: Was darf SEO kosten? | seophylis.de - Achtung: ansteckend

  5. Fans dieser Abrechnungsmethode wird man davon nicht abbringen können. Wenn es klappt, dann „more power to you“. Wichtig ist, dass bei langfristiger Zusammenarbeit beide Parteien glücklich sind. Man wird in beiden Lagern stets Leute finden, die damit Erfolg haben.

    Diese Diskussion ist so ähnlich, wie die in der Designindustrie. Da gibt es auch immer wieder heftige Debatten darüber, ob denn, um einen Kunden zu akquirieren, vorab kostenlose Designarbeiten geleistet werden sollen (spec work). Es gibt Agenturen, die damit sehr erfolgreich sind. Andere bekämpfen das mit allen Mitteln. Argumente gibt es genug. Ändern wird sich nie was. So auch hier.

    Einen Kritikpunkt, den ich nicht gelesen habe (ich habe das Original aber auch nicht gelesen): Wenn sich herausstellt, dass diverse Top-3-Rankings zwar toll sind, aber wirtschaftlich nichts bringen, dann ist es auch unfair für die positive Performance Geld zu verlangen. Zum Beispiel gemessen an der Konversionsrate. Es sollte meiner Meinung das Risiko des Kunden sein dies zu tragen. Vielleicht durch ein vorab zur Verfügung gestelltes Adwords-Testbudget.

    Ich kann mir diesen Ansatz in einer Art Partnerschaft (sprich: mit Zugriff auf den gesamten Konversionsprozess *und* die Bankkonten) durchaus vorstellen. Wenn der Shopbetreiber sozusagen als Fulfillmentpartner fungiert und die Agentur das Onlinemarketing übernimmt. Alles andere wäre mir zu unsicher.

  6. “Leistungsgerechte” Bezahlung im SEO Biz könnte aber auch ausgenutzt werden. Wenn ein Kunde zu einem Thema mehrere Seiten besitzt und nun mit mehreren Agenturen verhandelt und jeweils nach “Keyword” und “Platzierung” bezahlt, so bekommt er wahrscheinlich alle Seiten in die Top10 und hat danach 10 starke Seiten. Bezahlen muss er aber jeweils nur 1 mal die jeweilige Top-Position.

    Ich hoffe das war einigermassen verständlich!

  7. […] Go here to read the rest: Das faire Preismodell für SEO […]

    AdminEdit: Netter Trackback – aber ein „etabliertes Internet-Unternehmen“, das Trackbacks on masse abschießt und Besucher mit Layer-Ads bombadiert, deren Schließen-Funktion eine reine Verarschung darstellt, kriegt von mir keinen einzigen Link, sondern wird auch mit Freude als Spam eingestuft.

  8. Sehr gute Argumentation. Leider ein paar kleine Vertipper:
    “Der Kunde gibt mit nicht 100% Kontrolle”
    “Optmierung”
    “geht mit qualitativ hochwertiger Content über alles”
    Aber ein sehr guter Beitrag.

  9. Danke für die Hinweise Paul. Gab zwischen Frank und mir ein Abspracheproblem. Er dachte ich sei fertig, hat einige Fehler korrigiert und den Artikel veröffentlicht. Ich hatte den Text aber nur einmal runtergeschrieben und wollte Franks inhaltliches OK bevor ich Tippfehler suche 😀

  10. Man kann heutzutage auch nicht allen Seos vertrauen. Wenn man einen Auftrag erteilt sollte man wirklich vorsichtig sein bei der Formulierung. Manche machen es sich sehr einfach und kassiern nur.
    Beide Seiten Seo und Kunde müssen bei der Sache sich einigen.

  11. Beim Lesen dachte ich ja, Punkt 1 stimmt, hm, 2 auch, und so weiter 🙂 Persönlich für mich ist fast immer in der Tat die Größe des Kunden entscheidend (Punkt 1).
    Bei den Großen geht es nur erfolgsunabhängig (SEO-Beratung), die kleinen lassen einen auch mal an den Server ran.
    Ansonsten geht es wohl allen SEO’s mehr oder weniger so – rein erfolgsabhängig (€ pro KW in der TopTen) arbeitet keiner mehr. Ist zu nervig 😉

  12. Wenn ich mir diesen Komplex angucke, frage ich mich, wieviel Zeit da überhaupt für das eigentliche Anliegen, nämlich der Optimierung, übrig bleibt. Meine Devise lautet daher: Weniger Vertrag, mehr SEO.

    Ich als Kunde würde es sinnlos finden, wenn einfach nur Links für den Leistungszeitraum angemietet werden. Das ist für mich keine Kunst.

    Ansonsten schöne Zusammenfassung…

    Grüße
    Benjamin

  13. Erstmal danke für die Diskussion, ich denke dass ein SEO eine Dienstleistung anbietet, die einen Mehrwert darstellt. Gerade die Opportumitätskosten (adwords, banner, Preissuchmaschinen) sollten dem Kunden vor Augen geführt werden. (Als shopbetreiber machen wir unser SEO selbst, aber nur weil wir als SEO keine Lust mehr hatten, mit dem Kunden zu diskutieren. Da haben wir einfach unsere eigenen shops entwickelt und optimiert.) Natürlich kenne ich etliche Shopbetreiber, die monatlich fünfstellige Beträge in adwords investieren und für eine professionelle SEO nichts ausgeben möchten. Mit betriebswirtschaftlichen Handeln hat das nichts zu tun, aber diese “Kaufleute” sind beratungsresistent.

  14. SEO ist Vertrauenssache. Faire Preise gibt es nicht. Da zahlreiche Amateure glauben, dass sie SEO können sind viele Shopbetreiber sehr distanziert. Bei Bannern und adwords weiss ich was ich kriege, bei SEO ist es oft ein Glücksspiel. Gute SEO`s machen eigene Projekte, die Geld verdienen und ärgern sich nicht mit beratungsresistenten Kunden rum.

  15. Auch mal ein Hallo von mir,

    ich beschäftige mich gerade in meiner Bachelorarbeit mit dem Thema Pricing von SEO Dienstleistungen…Ziel soll es sein einen Algorithmus zu entwickeln, der unter Einbeziehung aller relevanten Faktoren einen angemessenen Preis für eine Optimierung ausgibt…

    Alle die mich unterstützen wollen können an meiner Umfrage teilnehmen…ich würde mich freuen…http://www.projekt-seo.de/seo-bachelorarbeit

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