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Die fünf offenen Geheimnisse des Suchmaschinenoptimierers

Wie kürzlich in meinem Posting “Scheuklappen und Selbstbeweihräucherung in der SEO Szene?” beschrieben, gibt es zur Zeit – wie auch immer wieder – zwei Vorwürfe an uns bloggende SEOs: “Ihr schreibt nix neues” und “Ihr verratet eure Tricks nicht”. Zeit, endlich mal rückhaltlos auszupacken 🙂

Motivierend dazu waren auch zwei aktuelle Blogbeiträge von Stefan Fischerländer: “Nichts Neues in der SEO-Branche!?” und “Der Mythos Suchmaschinenoptimierung stirbt nicht aus“. Auch wenn ich letzterem Artikel zustimme, weckte er doch ein wenig Widerspruch, gerade auch durch die Kommentare, da hier der Eindruck entstehen kann, guter Content sei alles.

Im Blogbeitrag “Linkgeiz in Deutschland und Googles Altruismus“, der von allen Artikeln der letzten Monate die meisten Kommentare erhalten hat, schrieb ich über eines meiner Lieblingsprojekte, dass es trotz besten Contents nicht schaffte, bei Google zu ranken. Hier lernte ich vor Jahren mein Handwerk als SEO, als ich einige Fehler in der OnPage-Optimierung behob und die Linkbildung nicht länger vernachlässigte. Erst dann rankte die Kiste. Insofern lauteten die ersten drei Geheimnisse der SEO, die ich damals lernte:

  1. Hochwertiger Content
  2. Saubere OnPage-Optimierung
  3. Solide OffPage-Optimierung

Ganz egal, was jemand in SEO hineindichtet, das ist die Basis unserer Arbeit. Und Stefan hat dies auch bereits in seinem ersten Posting ganz deutlich geschrieben:

Man baue ein gut optimiertes HTML-Template (klassische Onpage-Optimierung), verteile und verlinke seine Inhalte sinnvoll auf der Website (Informationsarchitektur) und sorge für viele Links (Offpage-Optimierung).

Leute, das ist es einfach. Sicher findet sich im Netz noch der ein oder andere Schwachsinn oder veraltete Informationen. Doch man braucht nur die Online-Tutorials von Johannes und JoJo zu studieren und hat die Basis. Der Rest ist practice, practice, practice.

Klar gibt es eine Menge Feinheiten zu lernen. Aber das ist wie in jeder Kunst. Man muss an zahlreichen Projekten üben, möglichst jeden Tag. Und sicher ist SEO fortbildungsintensiv, wie bereits unter “SEO – der aufwändigste Job in der Branche?” beschrieben. Aber die wirklichen Basics gerade bezüglich der Punkte 1 und 2 verändern sich kaum. Und richtig: Es gibt ein paar Tricks. Wenn ich ich den letzten Jahren mal rausbekommen habe, wie man sich einen soliden Link von Google oder Spiegel Online holen kann, war dies nett. Aber wie bereits im “Scheuklappen-Artikel” beschrieben, funktionieren diese nur, wenn nicht jeder sie kennt (ich erinnere an den altbekannten W3C-Link), und sie gehören deshalb nicht in ein Blog. Außerdem ist das höchstens die Schippe, die man bei umkämpften Projekten mal eben drauflegen kann, aber sie dürfen keinesfalls die Basis ausmachen.

Als ich letzte Nacht über dieses Thema nachdachte, beschloss ich, auch einen vierten Punkt hinzuzufügen:

4. Weitere Maßnahmen der Traffic-Steigerung

Zu diesem Punkt gehört für mich alles, was mir aus der speziellen Sicht des SEOs mehr Traffic bringt. Bei Marcus lässt sich unter “Vom Tuten und Blasen” lesen, dass diverse Zeitungsmogule seit einer Weile die Sau durchs Dorf treiben, dass SEO böse und doof ist. Genau, das Lamentieren von Herren, die keine Ahnung vom Internet haben und niemanden, der die oben genannten Punkte 1 bis 3 richtig umsetzt. Und jetzt ihre Felle wegschwimmen sehen. Wie schreibt Marcus so schön:

Außerdem kaufen ein paar findige Verlage AdWords bei bspl. current events ein, und jagen somit für niedrigste cent-clickpreise tausende von User zusätzlich auf ihren Seiten!

Insofern rechne ich Suchmaschinen-Marketing vor allem durch Google AdWords zu diesem Punkt 4. Genauso wie Social Media Optimization, da diese immer weniger zum Punkt Linkbildung (also OffPage-Optimierung) taugt, sondern bei guten Aktionen in erster Linie auf den Traffic zielt. Denn was nutzt die beste SEO, wenn sie nicht erhöhte Besucherströme – bestenfalls qualifizierten Traffic – mit sich bringt? Insofern würde ich auch viele andere Maßnahmen – beispielsweise Virales Marketing via YouTube – hier einordnen. Und der gute alte Linkbait findet hier, neben seinen Auswirkungen auf die OffPage-Optimierung, durchaus ebenfalls ein Plätzchen. Zu diesen Themen predigen Marcus und andere schon seit Jahren auf Konferenzen und Vorträgen. Also auch hier: nichts geheimnisvolles.

Die Suche nach dem fünften Punkt

Ich spürte letzte Nacht, dass es noch einen fünften Punkt geben müsse. Vielleicht kann jemand den verschrobenen Gedankengängen einer Nacht folgen, die dem Langlauftraining und anschließender Party mit meiner Laufgruppe folgte 🙂 Deshalb einfach mal ein paar Gedanken aufgrund von Erfahrungen mit Kunden in den letzten Wochen.

Zum einen stellte ich beim Check eines Kundenblogs fest, dass diese mit einem Blogeintrag zum Thema Schwangerschaft richtig schönen Traffic bekam. Also mal einige relevante und gute Seiten zu diesem Thema bei Google gesucht und angemailt. Kein 08/15-Schreiben, sondern was richtig schönes, so wie ich es mir selbst wünschen würde. Ergebnis: Nur drei Antworten, alle mit dem Tenor, dass man so etwas ekliges wie Linkkooperation nicht machen würde. Hier hat Googles Prestigeaktion der PageRank-Abwertung vor einigen Monaten doch reichlich verbrannte Erde hinterlassen, dank unqualifizierter Berichterstattung und den neuen Glaubenssätzen zahlreicher Webmaster: “Linktausch ist böse” und “Ausgehende Links sind schädlich”. Siehe dazu meinen Artikel: “PageRank-Downgrades und falsches Linkbuilding” (und sag jetzt einer, in diesem Blog fänden sich keine hochwertigen Infos…).

Bei einer Kundin machten wir es letzte Woche ein klein wenig anders. Ich hatte ein aktuelles Gesamtkonzept für Linkbildung erstellt, basierend auf all den Erfahrungen der letzten Jahre und speziell natürlich der letzten zwölf Monate. Die Kundin – eine sehr kompetente, charmante und attraktive Dame – rief nun selbst bei einigen potentiellen Linkpartnern an, durchweg Firmen, die Produkte herstellen, die wiederum ihre Kunden interessieren könnten. Vorläufiges Ergebnis: Einige sagten ab (siehe oben), aber bei einigen klappte es, die dann erst an mich weiter geleitet wurden. Nun hat ihre relativ neue, noch schwach verlinkte Seite einige schöne Links von alten Domains (1996 bis 2000) mit guter Domainpopularität. Und der ganz spezielle Benefit: Aufgrund des Erstkontaktes über eine glückliche Kundin haben nun einige der angesprochenen Firmen ebenfalls Interesse an meinen Dienstleistungen. Richtig geil, würde Marcus jetzt bei einem Vortrag sagen 🙂

Ein weiteres Mosaik-Steinchen waren Kundenkontakte, bei denen es immer darum ging, nicht nur aus klassicher SEO-Sicht (Punkte 1 bis 3) zu schauen, sondern ein wenig umfassender. Und ich stelle fest, dass immer mehr Kunden dies wünschen. Aufgrund meiner Qualifikationen als abgebrochener Informatiker, ausgebildeter Multimedia-Entwickler, langjähriger Erfahrung als Journalist sowie Projektleiter ist dies natürlich relativ easy. Alternativ tut es ein Team, das dies alles mitbringt und sauber kooperiert.

Im Kontext all dieser Erfahrungen und dem, was ich am Ende des vorhergehenden Blogeintrages geschrieben habe, nenne ich den fünften Punkt deshalb:

5. Erfahrung, persönlicher Stil und Gesamtkonzeption

Erfahrung deshalb, weil man erst durch intensive Monate oder Jahre als SEO ein Gespür für das bekommt, was gehen kann, und auf dieser Basis – Hand in Hand mit seiner individuellen Persönlichkeitsstruktur – einen eigenen Stil entwickelt, mit dem man genau die Kunden anziehen kann, die zu einem passen, stimmige Eigenvermarktung betreiben und eine Basis für vertrauensvolles Referenzmarketing vorlegen kann. Und sich – ob durch mitgebrachte Qualifikationen oder Weiterbildung – parallel einen Blick für das Ganze (mit Teilbereichen wie Informationsarchitektur, Usability, Accessibility etc.) erwirbt sowie die nötige Portion Intuition.

Also: Suchmaschinenoptimierung ist keine Hexerei, sondern solides Handwerk. Lernen anhand vertrauenswürdiger Quellen (Theorie) gekoppelt mit eigener Erfahrung (Praxis) und Austausch mit anderen (Netzwerken). Wer mehr erwartet (In 9 geheimen Lektionen zum Kung-Fu-Meister), muss sich nicht wundern, wenn er enttäuscht wird.

Und jetzt muss ich dringend wieder etwas schaffen 🙂

Autor:

Frank Doerr (aka Loewenherz) ist seit 1996 online, Geschäftsführer der Online-Marketing Agentur Spinpool GmbH und Inhaber der Webdesign-Agentur Wolke23. Fachjournalist (bdfj) und Buchautor. Er hält Vorträge auf SEO-Konferenzen, organisierte den SEO Stammtisch Rhein-Main und hat die erste offizielle Dokumentation der SISTRIX Toolbox verfasst. In den 90ern Lehrauftrag an der FH Frankfurt/Main, 2015 an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Informationswissenschaft.

13 Kommentare

  1. Thumbs Up, richtig genialer Artikel. Informativ, leicht zu lesen und für jeden verständlich!

    So wieder ans Hexenwerk machen 😉

  2. …cooler Artikel! Und natürlich heißt der Spruch “Content is King” und nicht “Content is Everything”. SEO (und auch alle anderen Aspekte des SEM) funktionieren doch nur im Gesamtkonzept. Persönlich Erfahrung, soziale Kompetenzen und das Feeling für eigene und potenzielle Kunden sollten Voraussetzung sein. It’s a business… und es folgt wie viele andere auch marktwirtschaftlichen Regeln. Das ist in der Tat keine Hexerei – sondern (richtig) solides Handwerk. Gepaart mit grundlegender Logik. That’s it!

  3. Ahh, deshalb stellst du dich immer in ein Pentagramm, wenn du deine SEO-Sendungen aufzeichnest, und murmelst seltsame Beschwörungsformeln… Guuuuuuglllll Guuuuuuugllll Peeeeeetschhhhhhhhräääääääänkkkk.

  4. Hut ab. Sachlich, solide und zu 100% korrekt.
    Hast einen Feed-Abonnenten mehr.

  5. Also kann dir bei allen Punkten nur recht geben bzw. mich anschließen. Vor allem durch guten Content(was kein Geheimnis mehr sein sollte) kann man sich gut platzieren. Danke für den super Beitrag. Hoffe ließt mal der ein oder andere Kunde 😉

  6. Pingback: Suchmaschinen, SEM & SEO - Juli 2008 - Inhouse SEO

  7. Kannte dich bis heute nicht, der Artikel ist richtig gut.
    Du hast die Basics sehr gut auf den Punkt gebracht!

  8. Har har, die ahnungslose Masse wieder schön hinters Licht geführt! Lirum Larum Löffelstiel, wachse PageRank, schnell und viel! Hex Hex!

  9. @Marcell: der Reim ist gut 😉 Der gefällt mir.

  10. Meine Güte, nicht lange her, und dieser Artikel feiert sein Einjähriges. Hab ihn dank des Kommentars von SNF nochmal gelesen und muss sagen, dass ich weiterhin zu allem stehe, was ich dort geschrieben habe.
    Der Typ weiß, wovon er spricht 😉

Kommentare sind geschlossen.