SEO – der aufwändigste Job in der Branche?

Seit Wochen führe ich mit einem (Nicht-SEO-)Kollegen immer wieder dieselbe Diskussion. Der Kernsatz, der an mich gerichtet wird, lautet: „Mach doch mal langsam mit dem SEO-Kram und kümmere dich um andere Dinge.“ Dabei stelle ich fest, wie schwierig es ist zu kommunizieren, wie aufwändig Suchmaschinenoptimierung ist, wie viel Zeit allein in klassische Punkte wie Fortbildung draufgeht. Meine These: SEO ist einer der aufwändigsten Jobs in der IT- und Multimedia-Branche.

In diesem Leben habe ich bereits viele Bereiche kennen gelernt, angefangen als Programmierer in den 80ern, später dann Grafikdesign, Multimedia (Video- und Audioschnitt), PC-Support (Hard- und Software), Webmaster, Webdesigner, Server-Admin, Projektleiter undundund. Sicher ist, dass alles eine Zeit braucht, um sich einzuarbeiten (Debian, ich vergess dich nie). Aber nirgendwo musste ich soviel Zeit investieren, um richtig gut am Ball zu bleiben, wie bei SEMSEO. Oder liegt es doch – wie ich zu hören bekomme – an meinem hohen, fast perfektionistischen Anspruch?

Die Grundlagen der SEO sind – wenn man bereits entsprechende Vorkenntnisse als Webdesigner/Programmierer mitbringt – relativ easy. Einige der relevanten Ressourcen studiert (Jojo und Sistrix, nicht das halbseidene Zeug bei Abakus oder anderen), Erfahrungen an eigenen Projekten sammeln, Monitoring/Reporting an sich selbst, Feedbackschleifen drehen und nach sichtbaren Erfolgen kann man sich an Kundenprojekte wagen. Wenn es dann nur darum geht, jemanden mit Keywordkombinationen wie „Yoga Oberursel“ unter knapp 18.000 Treffern auf einen der ersten drei Plätze zu bringen, kann das auch genügen.

Wenn man allerdings den Anspruch hat, wirklich gut zu sein, reicht dies nicht. Mit meinen beiden Firmen betreue ich neben eigenen Projekten auch Kunden, die sich um Keywords im Ergebnisbereich von Millionen Treffern bewegen. Und natürlich habe ich die Vision, zumindest im Rhein/Main-Gebiet dauerhaft zu den ersten – seriösen! – Adressen zu gehören. Suchmaschinen-Optimierung ist zur Zeit DER Türöffner bei Kunden, die Möglichkeit, weit größere, komplexe Projekte im fünfstelligen Bereich abzuwickeln, wo SEO hinterher nur noch ein Teil des Auftrags ist.

It’s a long way to the top, if you wanna be a SEO

Wir haben im SEO-Bereich etablierte Namen wie Mediadonis, Sistrix, Fridaynite oder Goatix, die seit vielen Jahren aktiv sind – sicher auch einige eher Unbekannte, die nicht so sehr in der Szene involviert sind. Das ist der Olymp, wo der Vorsprung für Neueinsteiger im Grunde nicht mehr aufzuholen ist. Diese Neueinsteiger und Hobby-SEO’s sitzen am unteren Ende der SEO-Pyramide. Irgendwo dazwischen all die erfahreneren Optimierer und SEO-Profis.

Je besser und umfassender man sein Handwerk ausüben möchte, desto massiver der Einsatz. Zum einen haben wir das Problem, dass uns mit Google eine Blackbox gegenübersteht. Ich kann nicht wie beim Programmieren sicher sein, dass einem bestimmten Code eine bestimmte Funktionalität zugeordnet ist. SEO hat im Grunde eher den Touch von Reverse Engineering mit einem Schuss Kryptologie: Wir geben etwas in die Black Box Google hinein, analysieren das Ergebnis, versuchen all die anderen einflussgebenden Faktoren herauszurechnen, und weiter an jenem Rädchen zu spielen, bis wir sicher sind, welchen Effekt das hat, was wir tun, um dann das nächste Rädchen zu testen und die gegenseitigen Abhängigkeiten der Effekte. Und stehen dann dem Umstand gegenüber, dass Google an seinen Algorithmen dreht, vielleicht auch mal händisch eingreift, also unser Wissen von heute schon morgen bereits in Teilbereichen überholt sein kann.

Wanderer, kommst du nach Mountain View…

Also muss ein ambitionierter SEO im Grunde jeden Morgen seinen Feedreader checken, recherchieren, lesen, SEOfm hören *g*, ständig die Positionierungen eigener Projekte überprüfen (die vor allem als Experimentierfeld dienen). Richtig lustig ist der Bereich der Linkbildung. Wer nicht auf Linkkäufe oder Miete angewiesen sein will, braucht massig eigene Projekte am Start. Wieviel Zeit geht drauf, Provider mit unterschiedlichen IP-Adressen und vielleicht auch C-Netzen an Land zu ziehen, schöne Domains zu suchen, sie SEO-technisch sauber zu registrieren und dann auch noch unter all diesen Domains wirklich gute Inhalte hochzuziehen (ich rede hier nicht von reinen „made-for-adsense“-Projekten, deren Inhalte oft so lieblos zusammengekloppt werden, dass mir fast schlecht wird). Wieviel Stunden gehen allein für ein Projekt drauf? Und nun nimmt man mal als Ziel an, ca. 100 Projekte sauber hochzuziehen: mit verschiedenen Domains, IP-Adressen etc. Erst dann verfügt ein SEO über eine wirkliche Basis, mit der sich etwas anstellen lässt. Wie lange braucht man dazu? Jahre?

Klar, wer bereits dick im Geschäft ist und über finanzielle Ressourcen verfügt, lächelt müde und hat seine Studenten, die Wordpress oder statische Seiten reihenweise anlegen, textlich versierte alleinerziehende Mütter, die auf 400 Euro Basis netten Content schreiben und den ein oder anderen Praktikanten für ein paar weitere SEO-HiWi-Jobs oder die Aktualisierungen von Wordpress & Co. Bis man allerdings dort ist, muss ein Einzelkämpfer den ganzen Kram in Personalunion abwickeln.

Dies war nur ein Beispiel aus der facettenreichen Tätigkeit des Suchmaschinen-Optimierers!

Im Grunde stehen also einer Stunde, die man als SEO effektiv für einen Kunden tätig ist, zahlreiche Stunden gegenüber, welche die erfolgreiche Basis dieser Tätigkeit bilden. Wenn man dann auch noch versteht, dass der Erfolg unserer Arbeit für Kunden einen massiven Mehrwert hinsichtlich der Auftragslage bilden kann (ROI) , dann sollte auch nachvollziehbar sein, warum Suchmaschinenoptimierung keine Appel&Ei-Tätigkeit sein kann („Ey, machste mir mal ‚n bisschen SEO fürn Hunni“), sondern im Grunde richtig teuer sein muss.

 

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