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Techniken für heimlichen Foren-Linkspam

In einem von mir betreuten größeren Forum kamen Beschwerden von Mitgliedern rein: Ein User würde Linkspam betreiben. Ich prüfte es nach und musste feststellen, dass es nur schwer möglich ist, solche Spammethoden durch ModeratorInnen entdecken zu lassen. Vermutlich nicht ganz neu, aber zumindest in diesem Fall geschickt praktiziert.

Die Technik ist ganz einfach: Man legt in einem Forum, bei dem sich Linkspam lohnen könnte, einen User an. Dieser User postet über einen gewissen Zeitraum ein paar Beiträge. Nichts sonderlich fachkompetentes, aber so, dass man ihn für einen aufmerksamen und motivierten Mitleser halten kann – einen ganz normalen User eben. Etwa so:

Robert? Erzähl doch mal, geht es dir mittlerweile etwas besser???

Ist das nicht echt und mitfühlend? Oder so:

Ehrlich? Das ist ja unglaublich!!! Schön, dass es tatsächlich solche Erfolgsgeschichten gibt!

Da freut sich doch ein jeder. Und am Besten sucht sich der Linkspammer Diskussionen aus, die hohe Aufrufzahlen verzeichnen und damit auch eine gewisse Postingfrequenz bzw. Verbleiben auf den vorderen Seiten garantieren.

Nachdem Folgepostings erschienen sind – vielleicht gar erst nach zwei oder drei Monaten -, geht der freundliche SEO-Praktikant hin und editiert nachträglich sein Posting. Wenn der BB-Code abgeschaltet wird, sieht das Ganze beipielsweise so aus:

[color=olive][u]Wie kann man nur zu so etwas fähig sein [url=http://www.domain.de/music-cds/].[/url]..? Das geht einfach nicht in meinen Kopf. Was wird denn nun mit ihm passieren[url=http://www.domain.at/books/Kinder-_Jugendbuecher/].[/url]..?[/u][/color]

Oder so:

[color=olive][u]Gibt es schon irgendwelche Ergebnisse [url=http://news.domain.de].[/url]..?[/u][/color]

Die Tricks sind also einfach: Das gesamte Posting wird unterstrichen, so dass die Links nicht mehr auffallen, ein [u] im BBCode. Und dazu wird der Link auf ein Satzzeichen wie Komma oder Punkt gelegt, so dass er selbst beim schnellen Drüberfahren über den Text nicht entdeckt wird.

Ich weiß nicht, ob das ein alter Hut ist oder eben erst aus 2008 stammt. Keywordtechnisch ein Schlag ins Wasser, da kaum jemand zu Satzzeichen ranken will. Aber immerhin ein Link von starken Seiten und eine Stärkung der Domainpopularität. Und ist – trotz der scheinbar netten Postings – richtig derb. Schließlich sitzen die Links zu den Musik-CD’s und Kinder- und Jugendbücher in einer Diskussion über einen bekannten Musiker, der Kinder sexuell in besonders schwerem Fall missbraucht hat. Und der Link zu den News in einer Diskussion über Gesundheitsschäden durch Amalgam. Jawoll, das ist SEO, wie wir es lieben.

Also, liebe [gelöscht], würde mich freuen, wenn ihr diesen Quatsch unterlassen solltet, falls er von euch stammt. Falls euch jemand in Misskredit bringen will: Die IP-Adressen sind gespeichert und werden euch gern überlassen. A- und B-Netz ist identisch, alles über dip0.t-ipconnect.de. Und wir checken beim nächsten Besuch unseres netten Mitglieds gern die traceroute, nur für den Fall, dass sie nach Köln führt.

Wirklich ein geschickter Versuch. Aber nichts, mit dem man sich Freunde macht. Und nichts, was helfen könnte, den Ruf der SEO Szene in der Öffentlichkeit zu verbessern.

Ehrlich? Das ist ja unglaublich!!! Schade, dass es tatsächlich solche traurigen Geschichten gibt!

Eben. Es tut nicht wirklich weh. Aber es untergräbt die Glaubwürdigkeit einer Community, frustriert User, die auf nette Postings mit Antworten oder gar privaten PNs reagieren. Lässt sich die User grundsätzlich fragen: Ist der Neue wirklich ein ernstzunehmener User (nachdem wir die Bots weitestgehend fernhalten) oder doch nur ein SEO? Das Misstrauen wächst. Und die Vision? Ganze Foren, die nur noch von Fake-Accounts von SEO’s mit irrelevanten Postings gefüttert werden? Mich gruselt es.

PS:
Ein Blick ins Impressum jener Seite hätte übrigens genügt um festzustellen, dass sie von einem SEO betreut wird und dass damit einer Anfrage bezüglich einer Linkkooperation vermutlich Erfolg beschieden gewesen wäre. Wobei auch hochwertigere Linkplätze, gar mit nettem Ankertext, zur Verfügung gestanden hätte. Schade, dass “studentin2411” nicht diesen Weg gewählt hat. Auch wenn man es Google damit nicht Recht machen kann, aus meiner Sicht wäre die Sache zumindest in diesem Fall dann sauber verlaufen, ohne irgendwelchen Linkspam.

PS2: Die Domains wurden auf Bitte des betroffenden Unternehmens entfernt. Der ein oder andere empfiehlt, den Artikel ganz raus zu nehmen, damit Hobby-SEOs nicht zur Nachahmung angeregt werden. Wobei ich der Meinung bin, dass Google nicht so dumm ist, das gehäufte Vorkommen von Links mit Sonderzeichen/Satzzeichen als Ankertext nicht zu registrieren…

Autor:

Frank Doerr (aka Loewenherz) ist seit 1996 online, Geschäftsführer der Online-Marketing Agentur Spinpool GmbH und Inhaber der Webdesign-Agentur Wolke23. Fachjournalist (bdfj) und Buchautor. Er hält Vorträge auf SEO-Konferenzen, organisierte den SEO Stammtisch Rhein-Main und hat die erste offizielle Dokumentation der SISTRIX Toolbox verfasst. In den 90ern Lehrauftrag an der FH Frankfurt/Main, 2015 an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Informationswissenschaft.

17 Kommentare

  1. Wirklich sehr dreist, was da betrieben wird.

    Ich hatte kürzlich erst Probleme mit ….de. Auf einer Brückenseite (die übrigens auch zahlreich existieren) habe ich einen meiner Text wiedergefunden, der dort identisch veröffentlicht war. Da ich den Text selbst bei einem großen Anbieter gekauft hatte, konnte ich dies auch beweisen. Aber erst nach langem hin und her, gestannte einer der Geschäftsführer ein, dass da wohl “etwas schief gelaufen” sei.
    Parallel dazu bekomme ich ständig E-Mails von ….de, in der ich für meinen Preisvergleich Kooperationsanfragen erhalte und mir dies auch ernsthaft überlegt hatte.

    Aber nachdem die nun auch noch Linkspam in dieser beschriebenen Form betreiben, werde ich wohl nicht darauf eingehen.

  2. Wow, da hast Du Dir aber den Frust ganz schön von der Seele geredet.

    So lange Links aber die Währung des Internets sind, wird es diese Art von Spam immer wieder geben.

  3. Unglaublich welcher Aufwand da betrieben wird. Da hätte eine normale Anfrage wie du weiter oben beschrieben hast wohl in 20% der Zeit zu einem Erflg geführt. Außer die haben keine Seiten mehr zum Linkgeben… 🙂

  4. Pingback: SEO & SMO

  5. Ich bitte um Verständnis, dass ich nun auch aus allen Kommentaren den Namen des betroffenen Unternehmens entfernt habe. Gestern war erstmal der Ärger groß, aber ich habe kein Interesse daran, den Jungs wirklich ein Bein zu stellen – oder gar schuld daran zu sein, dass Studentin J. ihren Job verliert. Zumal sie mir auch keinen Stress gemacht haben, sondern freundlich mit mir kommuniziert hatten.

  6. Entfernen würde ich den Artikel auch nicht, wozu? Die Methode ist doch schon abgekocht, damit zieht doch niemand mehr einen fetten Hering vom Teller. Im Gegenteil, Betroffene sollten schon wissen welcher Methoden sich das Pack bedient um entsprechend zu reagieren. Das Netz ist voll mit BlackHat Websites und Foren, wer sich solcher Machenschaften bedienen will, findet auch die entsprechenden Hinweise. Man muß das nur ans Licht der Öffentlichkeit ziehen und darauf hinweisen, damit entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können. So lange diese Filzläuse ihre Tricks im Verborgenen abziehen funtionieren die auch.

    Wer das jetzt noch nutzt gehört doch eher zum Fußvolk in dieser Szene.

    Stimme Frank ebenfalls zu, das Google dies sehr wohl registriert und bei entsprechender Dringlichkeit explizit drauf reagiert. Beim nächsten Update sind dann die SEO Foren wieder mit den Jammerlappen voll: “Meine Website ist abgestürzt und ich weiß nicht warum…”

  7. meine güte man kann sich auch anstellen!
    Paranoid? Wegen Links auf einer Seite… mal gut das sowas nicht in die Politik geht

  8. Ja und was machst du lieber Löwenherz dann für SEO-Massnahmen?

  9. Ganz einfach: Massive OnPage-Optimierung und Linkbildung. Letztere allerdings nicht so, dass ich fake bzw. anderen etwas unterschiebe. Aber dazu brauchst du nur in manche Artikel hier reinzulesen…

  10. Ich schätze mal, dass diese Strategie einfach zum Link-Building des genannten Unternehmens gehört.
    Auch wenn es ziemlich sneaky ist, den Inhalt nachträglich zu verändern und dann auch noch zu kaschieren.

  11. Bringts denn viel, wenn man erst nach einer ganzen Weile die Links einfügt? Ich meine, Google hat das indixiert und sicherlich kriegen, die auch raus, dass die Verweise nachträglich reingekommen sind. Zumal Google wohl Forenposts von vor mehreren Monaten nicht so schnell neu crawlen wird und sich eher auf die aktuellen/neuen Threads stürzt.

  12. Ja sicher bringt/brachte das was und Google dazu zu bringen, eben jenen Forenpost mit dem nachträglich platzierten Link zu fressen ist auch eine leichte Übung.

  13. Danke für den Hinweis, ich habe nun das editieren eines Beitrags auf 30 min. gekürzt, dass sollte auch ausreichen.

    Gruß
    AdminEdit: Domainlink ratgeber24.org wegen Namensspam entfernt.

  14. Pingback: Ein Sack voll Links | Chaim

  15. Pingback: Foren-Spam Spezial | Beitrag | PP-Blogsberg

  16. Ehrlich? Das ist ja unglaublich!!! Schön, dass es tatsächlich solche Erfolgsgeschichten gibt!

    🙂

    nee nee spaß. wie kann man diesen spam verhindern? oder bzw wo gibt es seiten wo man spamen kann und google sie bereits abgemahnt hat?

Kommentare sind geschlossen.