Der Linkzar und sein Mummenschanz
Am 29. Januar 2009 um 23:49 Uhr erschien das Posting des Linkzar aus Russland. Er publizierte seine 10 Gebote und versprach schreckliche Russenlinks. Eine richtig gute, einer Titanic würdige Satire, schien es mir, nach meinen Artikeln über „Google-Penalty durch Russen- und Polenlinks?“ sowie „SEO-Agentur in den SERPs runter – warum?“. Doch aus dem Spaß ist Ernst geworden, Zeit für ein Posting zum Thema am Rosenmontag.
Johannes hat bereits darüber geschrieben („Der Linkzar macht Ernst“). Anhand der Backlinks zu zweien meiner Hauptseite konnte ich feststellen, dass plötzlich einiges an russischen Links darauf zielt mit gar lustigen Keywords wie „links kaufen“ oder „Black Hat SEO“ (Screenshot siehe hier). Die Folge: SEO Scene bei dieser Suchabfrage auf Platz 2 – genau eine der Positionierungen, nach denen ich mich gesehnt habe. Loewenherz rankt bei BlackHat, das könnte auch gleich der weiße Ritter Gerald auf 1 stehen.
Noch mieser: Einige der Backlinks des Linkzars zu meiner Firmenseite mit dem Key „SEO“ sitzen auf Warez-Seiten, die ahnungslosen Surfern beim Besuch Viren oder Trojanern auf den Rechner schleusen. Noch schlechtere Nachbarschaft geht gar nicht.

The Linkzar strikes back. Okay. Noch sind keine Verschlechterungen in den Rankings erkennbar. Die verlinkenden Russenseiten sind nun auch nicht die wirklich stärksten, die Keywords zweifelhafter Natur, vielleicht kein Grund für Google zu reagieren.
Übel wird es dann aber bei den Kommentaren des Linkzars. Wo angeblich ein „Soeren“ zehn Kundenprojekte von mir anführt. Und vor allem: Wo ein Kommentar von mir gefakt wird, in dem ein Loewenherz Johannes als „Arschloch“ bezeichnet. Unterste Schublade. Ob das wirklich Leute glauben? Vielleicht. Johannes ist intelligent genug zu wissen, dass so etwas niemals von mir kommen kann, aber einfacher gestrickte Jungs? Zumindest in den Kommentaren bei Sistrix klingt ähnliches an. Aber möglicherweise sind diese auch gefakt, schließlich kann niemand SEO betreiben ohne über den nötigen Gehirnschmalz zu verfügen (wozu auch gehören sollte, gefakte Kommentare zu erkennen)
Bleiben zwei Fragen:
1. Wie reagiert Google darauf?
Warum sollte Google überhaupt reagieren? Die Keywords sind wertlos. Dämpfungsfaktoren für ausländische Links hat Matt Cutts eh angekündigt. Unspaßig sind natürlich Verbindungen mit „Links kaufen“. Aber da Google bei näherer Überprüfung feststellen dürfte, dass ich in diesem Leben noch nie einen Link gekauft habe, sollte dies kein Problem sein. Da dürfte eher der Linkzar ein Problem bekommen, weil seine ganzen Backlinkplätze verbrennen. Aber vielleicht sind sie sowieso sinnlos geworden und können verheizt werden. Was mich zur zweiten Frage bringt:
2. Warum diese Aktion des russischen Linkzar?
„Die Satire darf alles“, titelte einst Kurt Tucholsky. Kein Wunder, entstand dieser Satz in einem gesellschaftlichen Zusammenhang, in dem Staat, Kirche und die konservativen Parteien massiv gegen Andersdenkende vorgingen. Aber Suchmaschinenoptimierer wie Sistrix oder ich, die lediglich auf die Gefahren russischer Links hinweisen? Da wäre höchstens das im Web allmächtig scheinende Google das perfekte Ziel einer Satire, nicht irgendwelche SEOs. Also: Was soll das Ganze?
Wut
Aufgrund unserer Berichte (und Google liest Blogs!) wurde händisch eingegriffen, was grade bei einer SEO-Agentur von zwei mir bekannten Fällen sehr deutlich ist. Wer auch immer an russischen Links verdient hat: Er ist richtig sauer. Ärger und Wut führen zur Rache. Also gibt es nun dieses Ventil.
Spaß
Anfangs schien es auch ein Spaß. Falls es auch jetzt noch jemand dafür hält, ist seine Vorstellung dessen, was als Spaß verstanden werden kann, grenzwertig. Im Grunde ein Asozialer. Was bei dem ein oder anderen, der den ganzen Tag (und auch die Nächte) einsam vor seinem PC vergammelt, durchaus der Fall sein kann.
Aufmerksamkeit
Russenlinks waren die letzten Monate eines der Themen in der ansonst recht lau gewordenen Öffentlichkeit der SEO-Blogs. Also kein Wunder, wenn dieses aufgegriffen und öffentlichkeitswirksam verarbeitet würde. Ein einsamer Kerl, der (siehe „Spaß“) endlich eine Möglichkeit hat, von den SEO-Größen wahrgenommen zu werden.
Natürlich gibt es auch noch andere klassische Sünden (siehe „Neid“, wie es beim SEOktoberfest so schön sichtbar wurde), die sich wunderbar mit dem Vorhergenannten verbinden lassen. Klar ist für mich, dass derjenige durchaus über Verbindungen verfügt, entsprechende Links zu setzen. In meinen Fällen sind es nicht nur einfach zu hinterlassene Blogkommentare, sondern Footerlinks. Mein Gott, gibt da jemand etwas Geld aus? Aber vielleicht werden auch einfach nur längerfristige Verträge umgebogen.
Was auch immer es sein mag: Mir erscheint es als ein Fall von Zensur auf der Basis von Drohungen („wenn du über mich berichtest, schade ich dir“). Insofern könnte ich glatt jeden bloggenden SEO bitten, über das Thema Russenlinks zu bloggen. Wobei der Linkzar dann – wenn das Motiv „Aufmerksamkeit“ zünden würde – genau das bekäme, was er wollte.
Und wie schrieb Kollege Torsten Maue bei Sistrix, wenn der Linkzar: „vorsätzlich vor hat die von ihm angeprangerten Seiten zu schädigen, dann dürfte dies bereits als Wirtschaftskriminalität zu betrachten sein, denn immerhin sollen damit auch Unternehmen geschädigt werden.“ Absolut. Sollten Kunden aufgrund solcher Links und „Fehlreaktionen“ Googles darauf (muss man ja immer mit rechnen) in den SERPs Schaden davon tragen, hätte die beauftragte SEO-Agentur ein Problem. Gar nicht lustig. Führt wieder zum Thema Rache zurück.
Insofern sind die Beweggründe des Linkzaren unerheblich. Er ist unwichtig. Wichtig ist nur die Reaktion Googles. Ähnlich wie bei Blogsoptimieren, deckt sich dann einer der noch nicht erwähnten Beweggründe mit Googles Reaktion:
Russenlinks als Chance
Wenn nun massiv aus Russland Linkspam betrieben würde, könnte eventuell der Schaden der Russenlinks nivelliert werden. Es ist das Spiel, auf das ich schon mehrfach hingewiesen habe: Links dürfen niemals schaden, höchstens nichts nutzen. Denn wenn Links schaden, können sie auch benutzt werden, um Mitbewerb auszuschalten. Und diese Tür darf Google niemals öffnen bzw. muss sie, wenn sie besteht und erkannt wird, umgehend schließen. Dann hätte der Linkzar mit dem Opfer einiger nicht sonderlich wichtiger Linkplätze vielleicht die wertvolleren gerettet – in seinem eigenen Interesse.
Sollte der Linkzar mit seiner Aktion die Augen von Tante Goo für das Grundproblem „Schadende Links“ weiter öffnen, wäre seine Aktion letztendlich vielleicht sogar sinnvoll. Mal schauen. Aber dass Kommentare unter meinem Namen gefakt und von mir geschätzte Kollegen beschimpft worden sind – und dies rechne ich ganz klar diesem Typen zu – ist eine Sache, mit der er jeglichen Kredit bei mir verspielt hat.
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Über diesen Artikel
Sie betrachten gerade »Der Linkzar und sein Mummenschanz«, einen Artikel im SEO Scene.
- Veröffentlicht:
- 23. Februar 2009 / 21:34
- Autor:
- Loewenherz
- Abgelegt unter:
- Szene
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