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ReCap SEMSEO & PubCon 2010

Das letzte Wochenende war der erste SEO-Tiefpunkt des Jahres 2010. Wir alle wissen es: SEO ist tot. Reihenweise springen SEOs aus den Kellerfenstern und meinem Konto geht es so schlecht, dass ich erstmals nicht mit dem Dienstwagen, sondern der Deutschen Bahn samt Lidl-Ticket anreisen musste. Anders ging es einfach nicht. Inhouse-SEOs haben es noch etwas besser, mein Kollege Stefan, der mit mir anreiste, konnte sich tatsächlich sogar ein Ticket direkt vor Fahrantritt zu unglaublichen Preisen leisten.

In Hannover traf uns die volle Wucht der Rezession. Kein Wunder, die Aura des “Nie wieder erste Liga”-Feelings war beständig spürbar. Während Stefan sich auch dieses Jahr wieder dem Luxus eines First Class Hotels hingab, wurde ich mit einer Vespa abgeholt und in eine SEO-WG verfrachtet, wo wir die nächsten Tage zu viert zusammen lebten: Ein Hobby-SEO aus Hannover, ein Programmierer, deren Dienstmagd und ich.

Nach kurzer Erholungspause beim Thai ging es direkt zur WarmUp-Party ins Jack The Rippers. Uwe zwang mir sofort ein Bändchen auf, dass mich den ganzen Abend zu ungewohntem und massivem Alkoholkonsum verpflichten sollte. Wie letztes Jahr auch wollte ich mich graad selääds auf zwei/drei Alster beschränken. Doch ich scheiterte grandios. Was bleibt einem in solch schlechten Zeiten auch sonst, außer Hirnfluten?

WTF is Robert Basic?

Vorn war es laut. Ein DJ meinte es ein wenig zu gut, auch eine Band röhrte – Webby hatte sich angesichts der drohenden Insolvenz  erst kurz zuvor entschlossen, die WarmUp-Party überhaupt stattfinden zu lassen, so dass im Rippers bereits anderes geplant war. Meine Stimmbänder machten bald schlapp und ich beschloss, erstmals in diesem Leben das Raucherzimmer zu betreten. Bislang hatte mich der Nebel des Grauens stets abgehalten.

Doch war es dieses Jahr weniger schlimm. Okay, ein besoffener Engländer versuchte ständig, eine Prügelei anzuzetteln, in dem er SEOs Stühle, Tische und Getränke mopste. Aber wir blieben cool.

Dies gelang mir kaum noch, als ein süßes Mädel zu mir trat und mich fragte: “Bist du es?”. Natürlich bin ich es. Doch dann stellte sich heraus, dass sie meine Tarnung durchschaut hatte: “Du bist doch Robert Basic. Wir haben drüben am Tisch gewettet. Um Geld.” Ich war geschockt. Meine Tarnung war aufgeflogen. Seit Jahren baue ich diesen SEO-Blog undercover auf, bin bereits in Verhandlungen mit Gerald, um mich beim Verkauf dumm und dusselig zu verdienen. Und jetzt das. “Nein, ich bin nicht Robert. Ich bin Loewenherz.” Würde mir die kleine Blonde Glauben schenken? Zumindest waren alle verwirrt.

Um meine Rolle als Loewenherz glaubhaft zu gestalten, flirtete ich heftig mit meiner Lieblingsbedienung Ela. Dass wir uns seit Jahren kennen und das Ganze ein abgekartetes Spiel zum Preis einer Rose war, wusste ja keiner. Ich wurde zwar weiter den ganzen Abend von Wildfremden als  Robert angesprochen, aber mit zunehmendem Alkoholpegel vergaßen sie es. Hanns Kronenberg war damit beschäftigt, kompromittierende Fotos zu schießen, um sich seinen Lebensunterhalt zu sichern.

Die Blonde stellte sich als meine alte Saarbrücker Brieffreundin NerdinSkirt heraus, versprach jedoch zu schweigen. In der Folge bearbeitete sie massiv Jens Fauldrath, SEO bei irgendeiner kleinen Klitsche in Darmstadt, um einen Job als Sängerin beim nächsten Betriebsfest zu erhalten (siehe hier bei Hanns), was dann aber am Budget scheiterte. Angeblich arbeitet Astrid ja bei TRG, aber wie jeder weiß, ist das nur eine Scheinfirma, wo man auch nur Scheingeld verdient. Am Ende wurde Astrid mit den Füßen voran aus dem Rippers getragen, in der Tasche einen Zehn-Jahres-Vertrag über einen Internetzugang für 9,99 Euro die Stunde samt kostenlosem 28k-Modem. Der einzig nüchterne an diesem Abend war Malte Landwehr, der sogar die Garderobe des Rippers managte, damit wir alle angezogen raus kamen. Leider drückte er mir am Ende noch einen Eppler in die Hand, der mir dann die Lichter ausblies.

Am Ende lud Malte uns alle ein 🙂

SEMSEO – Gott, Teufel und Heizdecken

Nach nur wenigen Stunden Schlaf quälte ich mich zu einem Spaziergang durch die Innenstadt von Hannover. Der Himmel grau, die Stimmung bedrückt, die Kaufhäuser leer, fürchterliche Stadt. Im alten Rathaus war der erste Vortrag bereits durch, aber angesichts des Restalkohols bei Pelle dürften die Teilnehmer eher verwirrt zurück geblieben sein. Danach kam Reverend Mario Fischer, seines Zeichens Professor der Moraltheologie aus Würzburg und klärte Fragen seines Fachgebietes: Gibt es ein unbeflecktes Ranking? Wenn Google Gott ist, wer ist dann der Teufel und ähnliches Zeug. Er warnte ausdrücklich vor ungeschütztem Linktausch und überhaupt vorehelicher Linkbildung. Ein unglaublich aufrüttelnder Vortrag, der mit einem bewegenden Gospel zu Ende ging als Herr Fischer ein neues spirituelles Magazin vorstellte!

Bevor alle der Magen drückte, kam ein netter Mensch auf die Bühne. Es ging um solche Sachen wie Suchreichweite, was alle spannend fanden. Leider erklärte er nur, warum Daunen schlecht sind und Heizdecken gut, verschwieg die Problematik der Heizdeckenproduktion und verkaufte anschließend Heizdecken an ahnungslose Seniorinnen.

Mittag war angesagt. Anstatt die mehr als 300köpfige Schlange vor dem Buffet so richtig heiß zu machen, liefen Horden von netten Mädscher auf und ab und versorgten die Wartenden mit Überlebensrationen. Diese schmeckten zudem so lecker, dass alle Fastenvorsätze für die Füße waren. Ein schreckliches Erlebnis.

Ein Herr Google und ein Herr Bing erklärten anschließend “Wie ticken Suchmaschinen”. Natürlich wusste das jeder im Raum, aber man wollte den beiden Herren die weite Anreise nicht verderben. Der Herr Google brachte auch die Grundlagen noch mal schön in Erinnerung. Aber der Herr Bing (klingt irgendwie chinesisch) war mir dann doch ein wenig zu Basic, er schien schrecklich nervös und ich flüchtete ins Atrium.

Dort warteten einige Leidensgenossen auf mich: das Sistrix, Pelle und Martin. Später kamen dann noch Hanns, Mediadonis, Herr Promny und Gerald zu uns. Wir vermieden ein wenig krampfhaft das Thema SEO, damit keiner merkte, dass wir davon keine Ahnung haben.  Stattdessen unterhielten wir uns ausgiebig über “Gender Mainstreaming als totalitäre Regression in linksliberalen Regimes von der Weimarer Republik bis Burkina Faso” und viele andere spannende Themen aus Psychologie, Physik, Jura, Pädagogik und Medizin (Pelles Kenntnisse in Anatomie sind legendär!). Marcus (der ohne k, liebe Abakussler) riet uns dann allen, angesichts unserer desaströsen Kontostände, dieses “Scheiß-SEO” aufzugeben, seinem Beispiel zu folgen und Street-Worker zu werden und den Markt solchen Koryphäen wie Gretus zu überlassen, gegen die wir sowieso keinen Stich machen würden. Wir wurden alle sehr nachdenklich.

Die letzten zwei Vorträge waren dann wieder Pflicht. Zuerst gab es spannende Fragen von den Zuschauern an die Leute oben: “Fanden Sie den Nachtisch ebenfalls so deliziös? Wenn Google Gott ist, wer ist dann Jesus? Warum krieg ich trotz ‘Bitte keine Werbung’-Aufkleber auf dem Briefkasten weiterhin dicke Webkataloge frei Haus?” Undsoweiter. Doch danach wurde es richtig spannend. Webby hatte Spielzeug-Hubschrauber dabei – und nur wer die Hose herunterließ, bekam einen. So machten sich dann einige naggich. Manchmal reichte es nur für behaarte Achseln, manchmal aber auch für den coolsten Typen der Welt, der seine Seite, auf der er Linkbildungsdienste anbot, mit seiner eigenen Linkbildung abgeschossen hatte. Das war mal richtig geile Werbung! Die Jungs oben waren heillos überfordert, kein Wunder, saßen doch ein Pastor, ein Streetworker, ein Punk und ein Gallier dort oben, die alle keinen Plan von SEO hatten. Konsequent, dass sie sogar einer hilflosen Französin von Suchmaschinenoptimierung abrieten. Der Punk wollte sie dauernd zu solch üblen Dingen wie “Achselschweiss” überreden, aber sie blieb damenhaft stur bei ihren Ansichten. Ein Glück. Ich sah in meinen Blogs schon Kommentare von “Axel Schweiss” als Nachfolger von “Bernd Sonnensegel”.

PubCon – the real Loewenherz

Dann war es ausgestanden. Schnell zurück in die WG, ein kurzes Schläfchen und dann in die Brauerei. Massenhaft Gespräche. Sehr nett der “Little SEO”, der sich völlig begeistert zeigte, dass die meisten SEO-Granden so nette Gesprächspartner seien (er wusste ja noch nichts über unsere sozialpädagogischen SoftSkills). Ich nuckelte an meinen vielen Caipirinhas, um all die vielen Infos möglichst schnell wieder aus dem Kopf zu kriegen und eine Entschuldigung dafür zu haben, dass ich mir Namen so schlecht merken kann.

robert basic und loewenherz

Doch dann geschah es. Auf einmal stand der echte Loewenherz vor mir. Und er trug mein “Robert Basic”-Schild! Ein Desaster bahnte sich an. Ich hatte den ganzen Abend mein Schildchen schon mit Jens und Gerald getauscht, um die Leute zu irritieren, und auch Thomas Promny war einfach nicht mehr zu erkennen (“Ich hab mir den Kopf rasiert und bin geschrumpft”), während ein Pelle Boese jeden Rücken mit TRG-Aufkleber versah. Dieses Chaos war meine Chance. Schnell holte ich mir das Loewenherz-Schild von Jens zurück, pappte es dem falschen Robert an und trug nun endlich mein Schildchen. Zeit, Farbe zu bekennen. Zumal der falsche Basic eine heiße Schnecke von Alpha-Bloggerin dabei hatte, die nun laut Schild die Meine war. Er bot mir dann einen Frauentausch an, aber bekanntlich bin ich für reziproken Tausch nicht zu haben. Ich suchte dann jemanden, der mir nicht-reziprok seine Begleiterin für den Tausch zur Verfügung stellen würde, aber Fabian verdrückte sich schnell mit Anna-Lena, als ich ihn darauf ansprach. Egal, der falsche Robert und meine Wenigkeit werden jedenfalls noch die ein oder andere Schnapsidee umsetzen.

Robert Basic, Nicole Männl und Loewenherz

Sogar Nicole fragte sich: Für welchen Robert entscheide ich mich denn nun?

Der Rest des Abends verlief unter immer härteren Bedingungen. Beispielsweise fiel uns ein Fan von Fortuna Düsseldorf halbnackt auf der Toilette an und wollte unsere Drinks, während inhouse ein SEO mit der Toilettenschüssel nettworkte. Keine Ahnung, wie viele SEO-Hooligans spät des Lokals verwiesen wurden. Die letzten waren jedenfalls Gerald und ich. Draussen randalierten bereits ca. zehn SEOs. Ich griff mir meine heillos besoffenen WG-Gefährten und brachte sie unter Mühen und diversen Missgeschicken, aber letztlich erfolgreich zurück. What a night!

robert basic

Das hart verteidigte Namensschild.

loewenherz boeser-seo mediadonis

Insidertipps zum Thema  Streetworking.

ralf-jan-ole-loewenherz

Der Vorschlag von Jan-Ole erforderte tiefes Nachdenken. Sollte ich wirklich ins Ausland gehen?

loewenherz und seonaut

Loewenherz und der SEOnaut in den frühen Morgenstunden nach Ladenschluss.

SEO Brunch

Gleich am nächsten Morgen klingelte uns Stefan gegen 11 Uhr raus, da wir zum vierten Mal zum berühmten SEO Brunch geladen hatten. Diesmal lief es aber eher unter der Hand mit persönlichen Einladungen auf der PubCon. Die wir dummerweise mit zunehmendem Alkoholpegel einfach vergessen hatten – und einige Gäste wie Gerald konnten nicht aufgrund der frühen Abreise. So blieb es bei uns Fünfen in recht ramponierten, aber dennoch lustigen Setting.

Bahn gut, alles gut

Für die Zeit bis Sonntag mittag war dann Ausnüchterung  angesagt. Viel arbeiten war einfach nicht drin. Glücklicherweise bot mir die Bahn diesbezüglich eine Chance, als sie auf der Heimfahrt einfach stehenblieb und ich vieles nachholen konnte. Irgendeiner Xynthia hatte ich das zu verdanken. Mein Dank an die beiden netten Damen aus Regensburg, die offiziell in München waren, aber grade von einer wilden Party aus Hamburg kamen, und sich in unserem mit Koffern kuschlig zugestellten Abteil rührend um mich kümmerten. Ein versöhnlicher Abschluss einer langen Vier-Tages-Tour.

Weitere Berichte: Gerald (super Fotos, danke),  Julian (erster) , Marco (war lustig drauf), Schnipsel (die Legende lebt), der Herr Lammers (sehr ausführlich zur SEMSEO), Inga bei Jochen (jo, die Sängerin hat mir auch nicht gefallen, saubere Intonation, aber zu metallisch die Stimme, tingelt jetzt durch Bars, harter Job), nochmal Inga (über ihre Highlight der SEMSEO), Netzagenten (viel SEMSEO) weitere folgen, wenn ich sie finde. Und vielleicht rücken Gerald und Hans noch das ein oder andere Foto raus 😉 Danke!!!

Autor:

Frank Doerr (aka Loewenherz) ist seit 1996 online, Geschäftsführer der Online-Marketing Agentur Spinpool GmbH und Inhaber der Webdesign-Agentur Wolke23. Fachjournalist (bdfj) und Buchautor. Er hält Vorträge auf SEO-Konferenzen, organisierte den SEO Stammtisch Rhein-Main und hat die erste offizielle Dokumentation der SISTRIX Toolbox verfasst. In den 90ern Lehrauftrag an der FH Frankfurt/Main, 2015 an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Informationswissenschaft.

9 Kommentare

  1. Hey Robert, äääh Loewenherz, ich hab im Jack the Rippers den 10er verloren! War eigentlich ne gute Wetter. So kann man sich täuschen!

    Kannst mich übrigens Jürgen nennen!

  2. Robert Löwenherz, hast Du Dir denn nun schon überlegt ob Du wirklich nach Chile gehst? SEO ist dort z.Z. gar kein Thema und das ist kein makaberer Scherz.
    Für wen hat der Basic mich eigentlich nochmal gehalten?

  3. Pingback: » Schleimt euch zur SMX nach München | seoFM - der erste deutsche PodCast für SEOs und Online-Marketer

  4. Das Grinsen von Arthur und dir auf dem Foto sagt schon alles! Nächtes Jahr übernimmt aber jemand anders die Garderobe!

  5. LOL, genial geschriebener Recap, danke für diesen amüsanten Rückblick … Robert 😉

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