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Sechs Gründe gegen Google Analytics

Anfang Juli weckte mich ein kompetenter Artikel von Mario Fischer auf: Google Analytics – wird es jetzt rechtlich eng? Da das Berliner Amtsgericht das Speichern von personenbezogenen Daten verbietet, könnte der Einsatz von Google Analytics zum Problem werden – wenn nicht sofort, dann später.

Mario kommt zum Zwischenfazit:

Ich vermute, nach dem Bekanntwerden der ersten Urteile, die den Einsatz ohne aktive Zustimmung des Besuchers als rechtswidrig einstufen könnten, geht eine Klagewelle durch die Republik. Abmahnvereine und unseriöse Abmahnanwälte werden sich auf kleine, mittlere und auch DAX-Unternehmen stürzen, die Google Analytics einsetzen.

Dieser Satz wirkt auf mich elektrisierend. Deutschland ist bekanntlich nicht nur das Land des Linkgeizes, sondern auch dank unserer Wischi-Waschi-Politik (Aktuelles Beispiel: Rauchverbot, aber dann lauter Ausnahmen, welche für rechtliche Probleme sorgen) das Land der Abmahnwellen. Insofern machte ich mir Gedanken über den Einsatz von Google Analytics auf einigen großen Webseiten von mir.

Was spricht gegen den Einsatz von Google Analytics?

  1. Das Damoklesschwert der Abmahnung (siehe oben). Mir reicht es schon, was mir allein weges des Betriebs eines einziges Forums immer mal wieder ins Haus flattert.
  2. Die Akzeptanz der User. Allein die Tatsache, dass Daten an Dritte übertragen werden, kann für manche Surfer ein Grund sein, eine Website fluchtartig zu verlassen. In diesem Fall bedeutet Analytics Trafficverlust. Unschön.
  3. Die Datenkrake Google. Man spielt als Webmaster Google noch mehr Daten in die Hände. Und die Öffentlichkeitsarbeit und der Kommunikationsstil von Google sorgt für vieles, aber nicht für Vertrauen in die Integrität der führenden Suchmaschine.
  4. Die Intensität der Nutzung. Wann habe ich das letzte Mal in Analytics geschaut? Monate her. Bevor ich dies tue, rufe ich lieber gleich die Serverstatistiken auf, denn:
  5. Serverstatistiken erfassen alles, Analytics nicht. Meinem Server ist es egal, ob jemand den Analytics Dienst blockt. Er protokolliert detailgetreu und nur so, dass mein Provider reinschauen könnte (ist uninteressant für den, hier interessieren nur Quota und Traffic) sowie meine Wenigkeit.
  6. Die Datenkrake Google 2. Sobald ich irgendwo bei Google eingeloggt bin, kann Google mir all meine Internetaktivitäten zuordnen. Gerade bei Suchmaschinenoptimierern nicht unbedingt gewünscht. Und da Google meine IP-Adresse durchs Einloggen kennt, können dadurch den Rest des Tages ebenfalls all meine Aktivitäten zugeordnet werden – bis meine IP dann wechselt. Gruselig.

Kurz und gut: Die Entfernung von Google Analytics gibt mir ganz subjektiv ein gutes Gefühl. Ich freue mich doch glatt darüber, Google ein kleines winziges bisschen an Daten zu entziehen. Oder?

Was spricht für den Einsatz von Google Analytics?

  1. Datenaufbereitung und Zugriff. Die Darstellung der Daten ist natürlich richtig gelungen gegenüber klassischer Webanalyzer-Darstellung. Und man kann – wenn man möchte – anderen Zugriff gewähren. Tue ich aber nicht 🙂
  2. Spezielle Analysemöglichkeiten bei AdWords-Kampagnen. Für mich das absolute Killerargument für den Einsatz von Google Analytics. Wer AdWord-Kampagnen fährt und exakt abstimmt, freut sich natürlich über die Informationen. Da aber grade auf den betreffenden Seiten von mir keine Kampagnen laufen, konnte ich auch diesen Punkt erleichtert ignorieren.
  3. Auswirkungen von Analytics auf das Ranking? Ich hatte vor längerer Zeit einmal in einem Forum darüber meditiert, ob Analytics das Ranking von Seiten beeinflussen kann. Schließlich erhält Google mittels Analytics wesentlich mehr Informationen über eine Seite. Fließt dies in das Ranking ein? Positiv? Negativ? Vor fast exakt einem Jahr habe ich dazu auch etwas gebloggt: PageRank Update August 2007 und Analytics Einfluss.

Letztendlich machte mir nur der letzte Punkt ein klein wenig Sorgen. Wäre zu schade, zahlreiche Top-Positionen und daraus resultierende AdSense-Einnahmen zu verlieren. Dennoch wagte ich es und entfernte vor ca. zwei Wochen bei allen vier Projekten, welche Analytics einsetzen, dessen Code komplett und verfolgte intensiv die Positionierungen. Ergebnis: Keine Auswirkungen feststellbar, lediglich die üblichen kleinen Schwankungen.

Ich werde das Ganze weiter verfolgen. Und bei weiterem Ausbleiben von Auswirkungen auch all denen meiner Kunden, welche keine AdWords-Kampagnen fahren, ebenfalls den Ausbau des Codes empfehlen. Es schläft sich einfach besser…

Autor:

Frank Doerr (aka Loewenherz) ist seit 1996 online, Geschäftsführer der Online-Marketing Agentur Spinpool GmbH und Inhaber der Webdesign-Agentur Wolke23. Fachjournalist (bdfj) und Buchautor. Er hält Vorträge auf SEO-Konferenzen, organisierte den SEO Stammtisch Rhein-Main und hat die erste offizielle Dokumentation der SISTRIX Toolbox verfasst. In den 90ern Lehrauftrag an der FH Frankfurt/Main, 2015 an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Informationswissenschaft.

21 Kommentare

  1. Ergänzen möchte ich, dass man Kunden nicht nur den Ausbau von GA empfehlen könnte, sondern auch den Einbau von Piwik.

    Das ist eine noch recht unbekannte, aber brauchbare Open-Source-Lösung zur Besucheranalyse, bei der man die Daten selbst hostet. Die Aufbereitung der Daten orientiert sich an den von Google Analytics offerierten Möglichkeiten, insofern mMn doch ein wenig komfortabler als viel der Logfileanalysatoren.

    Als Abmahnrisiko wiegt Piwik gleich schwer wie das pure Webserver-Logging, da eben jederzeit sichergestellt ist, dass (persönliche) Daten nur vom Betreiber der besuchten Website gespeichert werden.

  2. Kurz und undifferenziert:
    Wenn IP-Adressen der Status von persönlichen Daten zugesprochen wird ist selbst reines logging der Webserverzugriffe unrechtens, da bei jedem GET ja auch die IP-Adresse mit abgelegt wird.

  3. Dennis, das Problem ist nicht allein das Logging, sondern die Weitergabe an Dritte. Und die Möglichkeit – wie Google – Zusammenhänge herzustellen zwischen IP und realem User.
    Wobei die Weitergabe an Dritte ja auch den Webhoster beträfe. Aber ohne dies wäre ja gar kein Hosting möglich. Oder sollte gar der Webhoster die Serverdaten nicht mehr an den Kunden als Drittes weitergeben? 😉

  4. Alles spricht immer nur von Analytics, weil es hier offenkundig ist, das Massenhaft-Daten gespeichert werden.

    Aber was die unzähligen verteilten AdSense Snipplets (und natürlich auch die anderer Werbevermarkter) alles an Daten alles Sammeln, kann man nur erahnen. Ich glaube nicht, dass da ein sehr großer Unterschied besteht.

  5. @Robert: Danke für den Tipp.

    @Michael: Ja, darüber habe ich bereits nachgedacht, auf eine Erwähnung allerdings verzichtet. Ich gehe allerdings davon aus, dass mit AdSense derzeit weit weniger Daten übermittelt werden als mit Analytics. Vor allem dürfte sich AdSense mehr an der inhaltlichen Umgebung als am Surfer orientieren. In welchem Maße allerdings Informationen zum Surfer eruiert werden, um auch hier die eingeblendete Werbung noch passgenauer zu gestalten, damit habe ich mich noch nicht beschäftigt.

  6. “Das Damoklesschwert der Abmahnung”; “Übertragung von Daten an Dritte” — Jeder, der einen Server nicht zu Hause betreibt, überträgt Daten an einen Dritten, den Webhoster. Folgt man dieser Logik, droht jedem, der seine Website bei 1&1 oder Strato betreibt, eine Abmahnung. Na ja, in .de kann man wohl nichts ausschließen.

  7. naja, solange man kein lokales tracking für gutes geld installiert hat, überträgt man quasi immer daten an dritte.
    kann man aber nachweisen, daß das Web Controlling ausschließlich für eigene Marketing Aktivitäten genutzt wird, hat man schon wieder ein (interpretationsfähiges) hintertürchen.

  8. Ich habe eh nie verstanden, wie man als halbwegs “durchblickender” SEO überhaupt auf die Idee kommen kann, Google Analytics auf seinen Webseiten zu verwenden, die auf Traffic der Google-Suche angewiesen sind…

  9. Ich finde es gut, dass Webmaster Analytics einsetzen – so kann ich mich schön einloggen und schauen wieviel Traffic auf deren Seiten ist. US Seiten liefern sogar gleich noch demographische Daten mit nach welchen ich auch gruppieren kann und so herausfinde auf welchen Seiten ich meine AdWords ausgeliefert haben möchte.

    Aber das ist doch hier gerade gar nicht das Problem ob Analytics als SAAS Lösung oder Urchin als Produkt für den eigenen Server… Es geht auch nicht um Daten an Dritte weiterzureichen oder zu sammeln. Auch ohne jegliches Tracking, extTracking, Monitoring oder Watching – der Knackpunkt ist, dass sobald IP Adressen als personenbezogene Daten eingestuft werden der Betrieb von Web-Servern nicht gescheit aufrecht erhalten werden kann wenn einem die technische Grundlage für Security und Maintenance entzogen wird.

    Nungut, ich schreibe dazu mal was, dass die Sachlage gerade auch unter aktueller und kommender Rechtssprechung mal etwas klarer macht – dann zeige ich auch mal alle Auswirkungen differenziert auf.

  10. Man sollte nicht außer acht lassen, daß Analytics nichts kostet. An Geld… Der Webmaster tauscht Daten gegen Tool.

  11. Hey Leo, wenn du es schon entfernt hast, was nutzt du jetzt? Bitte um kurze Antwort! Viele Grüße
    Natu

  12. @Naturalis: Einfach nur die ganz normalen Serverstatistiken.

    Als komfortablere Alternative hat Robert ja Piwik empfohlen.

  13. Habe Analytics seit einiger Zeit von meinen Seiten genommen, da die Statistiken zwar schön anzusehen sind, aber nicht entscheidend ist, wieviele Leute auf eine Seite kommen.

    Vielmehr sind jene interessant, welche zum Webseitenerfolg beitragen!

    Für alle die sich an einer schönen Auswertung erfreuen, sicher nicht schlecht.

  14. Also, ich habe erste Tests mit Piwik laufen (früher bekannt als phpMyVisites).
    Installation ist easy (braucht PHP5, was eh empfehlenswert ist). Dashboard sieht nett aus – ich warte mal, bis genügend Werte da sind.
    Nachteile:
    Der JavaScript-Code ist üppiger als bei Google und bläht den Code dementsprechend mehr auf (aber immer noch weniger als bei eTracker)
    Zum Zweiten hat man eine zusätzliche Software auf seinem Server laufen. Dies bedeutet ein zusätzliches, mögliches Einfallstor für Hacker, zumal man im Code erkennen kann, wo Piwik installiert ist.

  15. Thx Loewenherz,
    bitte halte uns da auf dem Laufenden. hab Analytics auch runtergehauen 😉

  16. Bislang überzeugt mich Piwki – schätze, ich werde es empfehlen und auch bei weiteren Seiten einbauen.

  17. Pingback: Hosting Blog » Blog Archive » Serverstatistiken mit Piwik - die Alternative zu Google Analytics

  18. Pingback: Webtracking-Tool Woopra als Konkurrenz zu Google Analytics

  19. Hi Löwenherz,

    ich habe zum Einsatz von Analytics keine eindeutige Position. Die Verbreitung von Analytics hat Sistrix in seinem Blog gut dokumentiert und kommt auf 11% Analytics Nutzung. Was man noch nicht als Dominaz ansehen kann.
    Ich denke Analytics ist zum einen ein recht gutes Tool. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage wieviel Daten man Google über seine Domain gibt. Was gerade im Zusammenhang mit gebuchten Adwords schon problematisch sein kann, wenn diese Daten zusammengeführt werden. Und Google ist im Kern ein Datamining Unternehmen… und darum gehe ich davon aus, dass die Daten zusammengeführt werden.
    Aber auch ohne Nutzung von Analytics bekommt Google eine Menge Informationen über eine Website alleine durch die Datender Toolbar (Haltezeiten,…).

    Der Aspekt der Datensicherheit und des Datenschutz spielt in meinen Überlegungen zu Analytics keine grosse Rolle.

  20. Ich stimme mit einigen Kommentaren meinen Vorschreibern überein. Die Frage die ich meinen Kunden stelle: “Wie viel Informationen wollen Sie Google (in diesem konkreten Fall) übergeben?”
    Google kennt die Wege bis zur Website. Es fehlen also die Informationen zu den Besucherströmen innerhalb einer Website.
    An diesem Blogeintrag gut gegenübergestellt finde ich die Vorteile zu Google Analytics. Erkennbar ist die sehr professionelle Herangehensweise von Seiten Googles im Sinne des Endbenutzers dieses Google-Dienstes.
    Problematisch ist, wie bereits erwähnt, der Datenschutz der Online-Besucher.

    Ralph

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