SEO und Automatisierung

Automatisierung ist im Bereich der Suchmaschinenoptimierung nichts Neues. Viele Größen arbeiten bereits seit Jahren damit. Gleichzeitig entwickelt sich dieser Bereich aus meiner Sicht immer weiter – 2009 war hier mit dem zunehmenden Angebot zahlreicher SEO-Tools auf dem deutschsprachigen Markt eine ganz neue Qualität spürbar. Neben meinen Beobachtungen und Einschätzungen basiert dieser Artikel auf vielen Gesprächen mit hochqualifizierten SEOs, die ich grade im letzten Jahr zum Thema Automatisierung führen durfte.

Stufen der Automatisierung am Beispiel Monitoring/Reporting

Als ein Kunde vor ca. zwei/drei Jahren zu mir kam, führte er den Bereich Monitoring/Reporting vollständig manuell aus. Er surfte Google an, gab sein Keyword in den Suchschlitz ein, durchsuchte die Ergebnisseiten (schlimmstenfalls bis Seite 10) danach, wo seine Seite auftauchte. Das Ergebnis wurde in einer Textdatei protokolliert und dann begann das Procedere von vorn, bis alle Keywordkombinationen durchgetestet waren.

Die zweite Stufe, die Teilautomatisierung, erreichte er damals, als ich ihm den kostenlosen Google Monitor empfahl.  Die Kombinationen wurden einmal manuell angelegt und immer, wenn ihm danach war, stieß er die Überprüfung an. Das Tool checkte automatisch und protokollierte die Veränderungen. Viele Hobby-SEOs nutzen den Internet Business Promoter, der ähnlich funktioniert, aber dazu noch ein Reporting erzeugt.

Auf der dritten Stufe würde sich das Ganze immer mehr der Vollautomatisierung annähern. Nehmen wir das Modul Monitoring aus den SISTRIX Tools. Die von mir angelegten Suchbegrifsskombinationen und Domainwerte werden automatisch jeden Tag gecheckt und je nach Einstellung des Reportings täglich, wöchentlich oder monatlich direkt an meine Kunden bzw. mich per Mail versendet. Sobald die Abfragewerte im System angelegt sind, arbeitet es weitgehend automatisch. Allerdings muss ich noch immer die Abfragen händisch Stück für Stück ins System eingeben, mit den Beschränkungen des Interfaces leben und Änderungen manuell einführen. Würde mir das Tool eine angegebene Domain selbständig analysieren, die Übernahme von passenden Suchbegriffen ins Monitoring anbieten bzw. selbständig durchführen, dito im laufenden Prozess dies ständig optimieren, würde der Grad der Automatisierung beständig gesteigert. 100%ige Automatisierung ist nur in Teilbereichen möglich, dazu weiter unten mehr.

Bis hierher arbeitet man mit externen Anbietern. Level 4 würde für mich bedeuten, eigene Tools zu entwickeln und einzusetzen.  Man ist unabhängig von anderen Anbietern und muss ihnen keinerlei Datenmaterial in die Hand geben. Anpassungen an den eigenen Workflow sind möglich. Kennzeichen von Level 4 ist also nicht unbedingt der Grad der Automatisierung, sondern vor allem Unabhängigkeit und Skalierbarkeit.

Der höchste Level ist erreicht, wenn die Qualität der Tools so gut sind, dass man sie kostenpflichtig anderen SEOs anbieten kann.  An dieser Stelle muss man weniger das Tool selbst automatisieren, sondern vielmehr die Vermarktungsprozesse. Der Anbieter verlagert damit automatisch seinen Schwerpunkt vom SEO-Dienstleister zum Dienstleister für SEOs. Bestes Beispiel 2009 ist für mich die SISTRIX GmbH. Johannes arbeitet nicht mehr mit Kunden, die SEO benötigen, sondern liefert SEOs das, was sie brauchen. Er hat eine Meta-Ebene erreicht und sein Geschäftsmodell verändert.

Automatisierungs-Pyramide

Hier das Ganze noch mal überschaubar. Mir fehlt die Zeit, es als Bild zu basteln, darf aber gern jemand für mich tun und es mailen :)  Edit: Thanks an Bernd Leitsoni für die Grafik:

automatisierung

Aufteilung und Ausmaße von Automatisierung

Das Zeitalter der Industrialisierung brachte uns die zunehmende Automatisierung. SEO lässt sich in einige Hauptbereiche aufsplitten und diese wiederum in zahlreiche Einzelschritte. Ein SEO kann beispielsweise im Bereich Monitoring einen hohen Grad an Automatisierung erreicht haben, notiert aber die für seine Kunden aufgewendeten Stunden immer noch auf ein Blatt Papier, zählt diese am Ende des Monats zusammen und tippt dann seine Rechnung.

Ähnlich im Bereich Linkbildung. Ein einfacher Webmaster verlinkt sich mit jemandem, freut sich darüber und hakt es ab. Auf höherer Stufe wird jeder einzelne Backlink dokumentiert, seine fortlaufende Existenz automatisch überwacht und das Ganze wiederum mit Monitoring gekoppelt, um die Wirkung zu sehen. Im Extremfall hätten wir einen SEO (ich konstruiere mal ein dämliches Beispiel *g*), der folgendermaßen vorgeht: Seine Tools ermitteln die interessantesten und trafficstärksten Keywordkombinationen für ein definiertes Projekt, erzeugen auf dieser Basis automatisch Texte, die in automatisch generierten Seiten online gehen, deren Ranking automatisch überwacht wird, wo automatisch Links generiert oder über Dienste Links eingekauft werden, deren Wirkung überwacht und deren eventuelle Kosten automatisch beglichen werden. Der SEO kann die Zeit dann in andere Arbeiten investieren oder sitzt sein kaltes Bier schlürfend am Strand von Teneriffa und schaut nur noch ein Mal im Monat auf seinen Kontoauszug.

Produktivität vs. Qualität – Nachteile und Grenzen von Automatisierung

Dieses letzte Beispiel zeigt ganz deutlich, wo die Nachteile liegen können. Automatisierung steigert die Produktivität, ganz klar. Je mehr ich automatisiere, desto mehr Zeit habe ich, die ich in Prozesse investieren kann, die nicht oder nur schwierig automatisiert werden können. Doch bin ich der Ansicht, dass keine Maschine und kein Programm eine Arbeit so gut machen können, wie ein qualifizierter und aufmerksamer Mensch. Ob eine Positionierung in den SERPs von einer Software oder einem Menschen überwacht werden, macht qualitätsmäßig im Grunde keinen Unterschied. Aber ob ein Text von einer Software oder einem Menschen verfasst wird, schon. Sicherlich kann man auch mit Maschinentexten ranken, doch ist spätestens beim Besuch eines Quality Raters Schluss.

Letzteres zeigt auch Googles Dilemma: Google setzt aufgrund der riesigen, zu bewältigenden Arbeit massiv auf Software. Algorithmen sollen weitestgehend Probleme lösen, nicht Menschen.  Doch muss auch Google erkennen, dass in bestimmten Bereichen menschliche Intelligenz nötig ist. Ein Mensch kann auf einen Blick eine Fake-Seite erkennen, die der Algo vielleicht bestens bewertet.

Doch selbst beim Monitoring kann ein menschlicher Blick hilfreich sein. Ein manueller Check mag mich z.B. darauf aufmerksam machen, dass sich eine neue Seite  interessant nach oben bewegt, ein Blick ins Impressum zeigt mir, dass ich den Betreiber kenne und eine kurze eMail bringt dann einen wertvollen Linkaustausch mit sich. Doch insgesamt gesehen ist so etwas schon eher Luxus, ein kleines AddOn zum automatisierten Monitoring.

Jeder SEO muss also selbst entscheiden, wo er Automatisierung sinnvoll einsetzen kann und muss und in welchem Grad er es tut. Insofern sind SEOs im Vorteil, die über Programmierkenntnisse verfügen bzw. gute Programmierer im Team haben. Alternativ müssen entsprechende Dienstleistungen eingekauft werden. Ohne Automatisierung geht es im Profibereich jedenfalls schon lange nicht mehr. Und zwar längst nicht nur im BlackHat/Spam-Bereich, wo Automatisierung extrem stark vertreten ist, sondern auch im WhiteHat-SEO.

 

« | Home | »


SISTRIX Toolbox - Das SEO-Werkzeug

SISTRIX Toolbox - Das Werkzeug für SEO Profis
Hol dir deinen SISTRIX Toolbox Zugang!

SEO Scene - powered by wpSEO

wpSEO optimiert Blogs für Suchmaschinen - automatisch und effizient.

Über diesen Artikel