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Google Penguin 4 Update und Linkbuilding

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Die Auswirkungen des Penguin 4 Update sind nunmehr klar erkennbar. An dieser Stelle meine Einschätzung zum Update,  seinen Auswirkungen mit verschiedenen Ansichten zum Pinguin sowie meine Aufarbeitung dessen, was einige Kollegen in letzter Zeit zum Thema Links und Linkkauf geschrieben haben.

Entwicklung des Pinguin und dessen Folgen

Jeder SEO, der dabei war, erinnert sich an die SEOCampixx 2012. Die häufigste Frage damals: „[Hast du|Hat einer deiner Kunden] einen blauen Brief von Google erhalten?“ Ab Herbst 2011 hatte Google die ersten blauen Briefe verschickt („wir haben auf deiner Seite künstliche oder unnatürliche Links entdeckt“) und passend zum Zeitfenster der SEOCampixx wurde das erste Pinguin-Update ausgerollt.

Was Google damals getan hat, könnte man sehr drastisch mit Bestrafungen aus dem europäischen Mittelalter oder der Scharia vergleichen als Dieben die ganze Hand abgehackt oder sie gar gehängt wurden.
Denn: Für eine Webseite wurden Links eingekauft zur gezielten Manipulation einzelner Seiten bzw. bestimmter Keywords und Google strafte als Folge die gesamte Webseite ab. Zudem blieb Google in der Kommunikation vollkommen unkonkret, kommunizierte also nicht, welche Links schlecht waren. Im Zweifel musste man deutlich mehr abbauen als gut fürs Ranking war. Und meist kamen die guten Rankings ohne erneuten Linkaufbau nicht mehr zurück.

Dieses Vorgehen war genau das Gegenteil dessen, was Matt Cutts auf der PubCon in Las Vegas 2010 kommuniziert hatte. Penguin 4 dagegen ist nun nach fast genau sechs (!) Jahren die Verwirklichung der damaligen Ankündigung. Die fünf Jahre von den ersten blauen Briefen bis zur Implementierung des Penguin 4 könnte man also als finsteres Mittelalter der Linkpenalties bezeichnen.

Schuld und Sühne

Mein geschätzter Kollegen Pip, nicht nur regelmäßiger Gewinner des SEO Fashion Awards, sondern auch advocatus diaboli, schrieb auf Facebook (mit sehr lesenswerter Diskussion und interessanten Kommentaren von Karl Kratz, Jens Fauldrath und anderen):

Schönes Beispiel, wie Google’s jahrelange Unfähigkeit den Penguin Algorithmus zu „fixen“ dazu geführt hat, dass Websites die seit mehr als 2 Jahren 100% clean sind erst jetzt begnadigt werden.

Im Fall von Home24 sollte das ca. einen 9-stelligen (!) Betrag bei der Bewertung der Firma ausmachen. 🙁 Andere Unternehmen sind in der Zeit pleite gegangen oder wurden zu Spottpreisen verkauft.

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Bleiben wir bei moraltheologischen Vergleichen. Die Rechtschaffenen unter den SEOs tönen: „Jawoll, wer Links kauft, verdient es im Fegefeuer zu schmoren!“ Wenn ich das Ganze eher sportlich sehe, müsste ich sagen: Es war lange klar, dass Google gegen Linkkauf vorgehen wird. Und es war klar, dass vor allem stumpf gesetzte Billiglinks auffliegen werden. Viele Agenturen haben dennoch weitergemacht nach dem Motto „et is noch immer jot jejange“, während der heimliche Kölner Erzbischof Matthias Katz von der Kanzel schon Sodom und Gomorrha predigte.

Gerade im Big Business war allerdings klar: Wer nicht getrickst hat, hatte kaum eine Chance. Wer keine Links kaufte oder zumindest eigene Netzwerke aufbaute, an dem zogen die Mitbewerber vorbei. Da Links ein wichtiger Bestandteil des Google Algorithmus waren und sind, war und ist dies ein Ansatz zur Manipulation.

Dazu kommt, dass viele Unternehmen das Ganze ihren SEO-Agenturen überlassen haben und sich die konkrete Tätigkeit ihrer Einschätzung entzog. So manche Agentur hat noch nicht einmal die aufgebauten Links an Kunden reportet. So etwas geschah vor allem im Kontext erfolgsabhängiger Vergütung, wo Kunden kommunizierten: „Nur bei Top10 Platzierungen bezahlen wir euch. Je weiter wir vorn ranken, desto mehr Provision erhaltet ihr.“ Genau das, was vielen Kunden als sicherer Deal erschien, hat sie ins Verderben gestürzt. Denn eine solcherart vergütete Agentur hat primär Interesse an der Provision. Lieber kassieren und risikieren als wenig oder nichts erhalten, weil TopTen oder vordere Positionen nicht erreicht wurden. Und vielleicht würde es auch gar nicht so schlimm…

Dass Google sechs Jahre brauchen würde, um Matt Cutts‘ Versprechen von der PubCon endlich zu verwirklichen, konnte niemand ahnen. Auch nicht, dass es überhaupt irgendwann verwirklicht würde. Sollte man Google hier wirklich Unfähigkeit unterstellen? Oder war es schlichtweg Kalkül? Nachdem nun fast alle Hexen verbrannt sind und sich der Rest irgendwo in den Tiefen des Waldes verkrochen hat und nur noch harmlose Kräutertränke braut, kann Google großzügig sein. Der Sumpf des Linkverkaufs, der in den letzten wilden Jahren zu offensichtlich an der großen Glocke hing, ist größtenteils ausgetrocknet.

Penguin 4 bedeutet nun, wie damals versprochen: Es wird nicht mehr eine komplette Domain abgestraft, bei der Manipulationen vermutet werden, sondern Abstrafungen werden URL-basiert oder gar Keyword-basiert vorgenommen. Und das macht Sinn. Denn mit dem bisherigen Vorgehen hat Google anderen Manipulationen Tür und Tor geöffnet: Negative SEO funktionierte. Wer einem Mitbewerber Schaden zufügen wollte, kaufte entsprechend Links ein. Entsprechende Fälle wurden zu Genüge bekannt.

Bei meinem Lieblingsprojekt war vergleichbares der Fall: Hier wurde von mir nie ein Link eingekauft. Aber über eine Sicherheitslücke beim Hostingprovider wurde damals Joomla gehackt, einige Unterseiten vom Hacker angelegt und dann hundertausend Spamlinks mit Ankertexten wie „ugg boots“ drauf geballert. Providerwechsel, CMS Migration etc. brachte nicht wirklich Erholung. Beim Panda Update ging es wieder steil bergauf und dann wieder langsam bergab. Kaum ist Pinguin 4 freigelassen, passt es wieder:

sichtbarkeitsentwicklung hack und Penguin

Wenn jetzt immer noch ein Filter mit „Ugg Boots“ greifen würde, wäre es mir egal, da mein Projekt dies gar nicht als Thema hat. Und die vom Hacker angelegten Unterseiten sind längst gelöscht und gone. Insofern wäre eine Keyword- und Ankertext-Penalty sinnvoll, eine Domainbasierte Penalty vollkommener Blödsinn. Viereinhalb Jahre für einen schlechten Service des Hostingproviders büßen zu müssen (der die Jahre zuvor gute Arbeit geleistet hatte und danach erst eingebrochen ist), tut schon weh.

Hier übrigens noch ein Nachtrag aus oben verlinkter Facebook-Diskussion von Simon Pokorny, der beim aktuellen Paradebeispiel home24 das Linkprofil aufgeräumt hat:

bei Home24 wurde aufgeräumt und dennoch befand sich die Domain über 2 Weitere Jahre in einem Filter der nicht als Manueller Filter in der SC zu sehen war, die manuellen Maßnahmen hatten wir vor 3 Jahren nach „nur“ 4 Monaten aufräumen schon beseitigt. Dieser (Pinguin!?) Filter blieb erhalten und verschwand nun erst mit einem schlag nach weit über 2 Jahren, ob nun ein Manueller Downgrade dafür verantwortlich war oder eine „Straf-Logik“ im Algorithmischen Bereich die nun aufgehoben wurde mag ich nicht mutmaßen. Aber eins steht für mich fest, die Probleme wurden schon vor langer zeit abgestellt und es ist keine Verbesserung eingetreten, dies hätte bei rein neutralem und Objektiven Algorithmischen Rankings mit Beseitigung der Auslöser ja stattfinden müssen.

Man sieht also an vielen Ecken und Enden wieder Domains sichtbarer werden, die einst bestraft wurden, ihr Linkprofil aufgeräumt haben und dennoch scheinbar weiter in einem Filter hingen, der nun aufgehoben ist. Das plötzliche Wiederkommen zeigt, dass betroffene Seiten nicht wegen Backlinkabbau und der damit verlorenen Linkpower schlechter gerankt hat – das machen die aktuellen Entwicklungen mehr als deutlich.

Linkkauf wieder angesagt?

Mein Kollege Martin Mißfeldt macht sich große Sorgen wegen des Updates: „Es ist doch im Grunde eine Einladung, wieder mit Steinzeit-Methoden des Linkaufbaus zu beginnen.“

Das sehe ich definitiv anders. „Steinzeit-Methoden“ werden von Google in der Regel schnell erkannt und sind nur etwas für „schnell rein / schnell raus“-Blackhats. Und selbst eine Penalty auf nur eine URL oder eine wichtige Keywordkombi kann wehtun. Insofern wäre eine Rückkehr zu Prä-Pinguin-Methoden schiere Dummheit. Dazu gilt, dass gebrannte Kinder das Feuer scheuen. Wer einmal eine Abstrafung direkt erlebt hat, wird ein solches Risiko in der Regel nicht noch einmal eingehen. Zumal eines klar ist: Was Google heute ankündigt, kann morgen ganz anders aussehen und übermorgen erst recht.

Was Martin in seinem Artikel ebenfalls übersieht: Google kommuniziert eine Änderung des Vorgehens gegenüber Linkkäufern. Und Linkverkauf wird Google sicherlich weiterhin drastisch abstrafen, von Sichtbarkeitsverlusten bis hin zu kompletter Deindexierung. Wer viel und/oder billig verkauft, verbrennt sich schnell die Finger. Vergesst also PBN, die nur zum Zweck massiven Linkverkaufs hochgezogen werden.

In einer Diskussion mit meinem kompetenten Kollegen Christopher Wagner haben wir übereinstimmend festgestellt: Wer Links einkauft, wo alle kaufen, muss sich nicht wundern, wenn es ihn erwischt. Und viele kaufen dort, wo Links wenig kosten – und wo es wenig kostet, leidet oftmals die Qualität.

Kreativität schlägt Kapital

Chris hatte dazu einen recht spannenden Beitrag aus der SMX Advanced aus 2014 zitiert: Ab Minute 27:03

spricht Matt Cutts über Links. Neben diesen interessanten Einsichten, stellt Cutts ab 54:20

klar, dass alle Pitches, Tools oder Ideen der Automatisierung (die auf der SMX vorgestellt wurden) mit Kreativität geschlagen werden können

„If you come up with something compelling that’s what’s the real hook that is gonna make a big difference“. (Wenn Du in der Lage bist, etwas Fesselndes (auch: Überzeugendes od. Überwältigendes) zu liefern, dann ist das der eigentliche Punkt, der den Unterschied [zu anderen] machen wird.)
Statt Links zu kaufen, empfiehlt Chris darüber nachzudenken, welche kreativen Möglichkeiten es gibt, verlinkbare Inhalte zu erstellen und diese zu verbreiten. Nebenbei erwähnt er, dass diese Methode viel weniger risikoreich ist und wesentlich größere Erfolgsaussichten hat. Dem kann ich mich anschließen 🙂

Quo vadis Linkbuilding?

Meine aktuellen Einschätzungen zum Thema Linkbuilding habe ich bereits im Artikel Linkbuilding-Thesen 2016 geäußert. Auch mit Pinguin 4 gelten diese weiterhin. An dieser Stelle hätte ich mich gern noch mit Thesen von Julian Dziki zum Thema Linkkauf sachlich auseinandergesetzt (sorry für meine dahingehend recht provokanten Fragen beim OMClub, Julian!), aber dieser vor einigen Wochen publizierte Artikel scheint nicht mehr online zu sein.

Fazit

Google wird weiterhin Strafen für künstlichen Linkaufbau verhängen. Für mich erscheinen diese endlich angemessen. Betroffene haben für Fehler teils lange geblutet. Googles Botschaft ist angekommen, große Netzwerke sind weitgehend tot.

Linkbuilding könnte durchaus wieder als weniger gefährlich angesehen werden – dies muss wie immer jeder selbst entscheiden, Stichwort Risikoeinschätzung. Es könnte durchaus sein, dass mancher, der die letzten Jahre nur auf Content Marketing und die strikte Einhalte der Google Richtlinien gesetzt hat, nun frustriert mitansehen muss, wie die ehemals abgestrafte Konkurrenz in den SERPs wieder an ihm vorbeizieht. Sollten Unternehmer oder SEOs, die damit von diesem Update negativ betroffen sind, wieder mit künstlichem Linkaufbau liebäugeln, an dieser Stelle zumindest die Warnung: Finger weg von billigen Links!

Weitere Quellen zum Pinguin 4 Update

Hier die aus meiner Sicht lesenswertesten Artikel zum Thema von Kollegen

Historische Quellen:

Autor:

Frank Doerr (aka Loewenherz) ist seit 1996 online, Inhaber von Spinpool Online-Marketing und der Webdesign- und Wordpress-Agentur Wolke23. Fachjournalist (bdfj) und Buchautor. Er hält Vorträge auf SEO-Konferenzen, organisierte den SEO Stammtisch Rhein-Main und hat die erste offizielle Dokumentation der SISTRIX Toolbox verfasst. In den 90ern Lehrauftrag an der FH Frankfurt/Main, 2015 an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Informationswissenschaft.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Im Grunde teile ein Deine Ansicht voll und ganz. Dass Google mit dem Update offenbar viele „Kollateralschäden“ aus der Versenkung gezogen hat, war mir gar nicht bewusst. Aber: an allen Ecken und Enden höre ich (oder bekomme es auf direktem Wege mit), dass Linkkauf nach wie vor sehr offensiv praktiziert wird. Bislang war es eben ein Risiko, da mitzumischen – genau das ist es nun nicht mehr. Nichts anderes wollte ich in meinem Artikel zu bedenken geben.
    Aber klar: wer kreativ genug ist, hat das nicht nötig und wird sich damit langfristig immer durchsetzen … hoffentlich.

  2. Das schlagartige wiederkommen beim aktuellen Penguin 4.0 Release der Keyword Rankings die home24 2013 durch das Penguin 2.0 Update verloren hat zeigt, meiner Meinung nach deutlich dass an dieser stelle Filter hart gesetzt wurden, die erst jetzt wieder frei gegeben wurden, dies hat dann keine direkten Berechnung Gründe im allgemeinen Ranking Algorithmus von Google anhand der schlechten Links oder verlorener linkpower durch den Abbau, sondern wirklich ein harter Filter auf diese Keywords der nun nach 3 Jahren von Google aufgehoben wurde. Ob dafür Zeitbasierte Regeln, Manuelle eingriffe oder Weiterentwicklung der Filter Regeln verantwortlich ist, lässt sich schlecht sagen. Ich kann für mich nur mitnehmen, dass meiner Einschätzung nach die Algorithmischen Auslöser schon seit über 2 Jahren beseitigt und/oder disavowed sind.

  3. Ich beobachte seit einem halben Jahr eine Energievergleich-Domain, die brav Links u.A. aus den Artikelverzeichnissen(!) holt und sich top entwickelt. Ich dachte, die AV wären schon alle weg, aber nein. Ich hatte selbst 10 Stück auf den 503-Fehler gesetzt, soll ich die im Lichte der letzten Entwicklungen vielleicht mal langsam reaktivieren? 🙂

  4. „Wer Links einkauft, wo alle kaufen, muss sich nicht wundern, wenn es ihn erwischt. Und viele kaufen dort, wo Links wenig kosten – und wo es wenig kostet, leidet oftmals die Qualität.“

    Da könnten jetzt auch einige einfach die Preise erhöhen und ihre Quelle als „Google-Sicher“ anbieten 😉

    Und ob der Linkkauf gut oder schlecht ist, sollte sich eigentlich auch nicht stellen. Wichtig ist nur das Ergebnis – das ranken zu relevanten Begriffen für die eigene Zielgruppe. Und solange das funktioniert, man problemlos unterm Radar fliegt und seine Ziele erreicht, gehört diese Form des Linkaufbau`s wohl immer noch zu den günstigsten Varianten für viele Unternehmen.

    Und ja, kann sicherlich auch schief gehen, wer billig kauft usw. Aber dank dem Update lassen sich solche Fehler ja jetzt relativ schnell beheben.

    Fazit: Mir gefällt das Update 🙂

  5. Pingback: Google Penguin 4.0 ist da [Podcast] | Farbentour.de

  6. Schöne Analyse und auch der Rückblick hat eineiges an Erinnerungen wachgerufen.
    Penguin hat damals wirklich vielen kleineren Unternehmen das Genick gebrochen. Heute sieht man fast nur noch die großen Portalseiten in den Top-Rankings bei Google….

  7. Ich kann persönlich bestätigen, dass das Google Update „freundlich“ zu ein paar alten Domains war, die recht zugespammt waren. Ich dachte darüber nach, sie komplett zu löschen, aber hey… ne .de Domain kostet nicht die Welt und so ließ ich sie über Jahre einfach weiter bestehen. Hat sich gelohnt. 🙂

    @Vitaliy: Ja, solche Domains kommen mir auch immer mal unter, wenn ich die Konkurrenz von Kunden unter die Lupe nehmen. Ich würde Kunden trotzdem nicht empfehlen, diese Links nachzubauen. Wenn da mal ein Quality-Rater drauf schaut, ist es vorbei mit der guten Entwicklung. Ich nehme an die Seite rankt nur noch gut, weil kein Rater sich die Zeit für das Linkprofil genommen hat. Das passiert aber in der Regel, wenn sie Top10 Positionen zu harten Keywords erreicht.

  8. Linkquellen sollte man vorher prüfen. Es war ein interessanter Artikel. Mein Tipp, nicht nur auf Webkataloge konzentrieren, sondern auch auf Blogs, Forenlinks die wertvoll sind.

  9. Sinnvoller Content wird durch das Update immer sinnvoller. Toller Artikel.

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