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Wenn der PageRank fällt

Das PR-Update, dessen Start wir am 21. April diskutierten [1] und das seitdem extrem zögerlich vor sich ging, ist gestern mit voller Wucht durchgestartet. Viele Seiten erlebten dabei eine Rückstufung um einen Punkt. Dazu ein paar Gedanken und Erklärungen:

Der PageRank ist wie jede Währung dem ständigen Prozess einer Inflation unterworfen [2]. Warum?

Er steht für die Relevanz einer Seite. Das Verfahren dahinter bedeutet strenggenommen: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Surfer auf Webseite XYZ gelangt? Nun steigt allerdings jeden Tag die Zahl der Seiten, die sich im Netz und in Googles Index befinden – einen Teil tragen sogar die vielen aktiven SEO’s selbst dazu bei *g*. Je mehr Seiten es gibt, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass ein Surfer irgendwann auf Seite XYZ gelangt [3]. Und je höher der PR, den man hat, desto höher kann dabei der Aufwand werden, diesen zu halten.

Sicher, solange beispielsweise eine Seite mit einem starken PR6 auf Seite XYZ linkt und solange man sich diesen Link mit niemandem anderen teilen muss, solange dürfte Seite XYZ einen PR5 sicher haben. Doch ist diese Situation wenig realistisch, schließlich linken jene Seiten auch intern und meist auch extern. Wenn dann aus einem starken PR6 ein schwächerer wird, kann auch die Vererbung zu schwach werden, um PR5 zu gewährleisten [4]. Ob Google vielleicht sogar auch mal selbst einen Grund sieht, den Dämpfungsfaktor im PR-Algorithmus ein wenig höher zu drehen?

Die Abschwächung trifft zusätzlich verstärkt SEO’s, deren Linktausch-Partner durch canonicalization updates betroffen sind [5]. In der letzten Zeit begegneten mir vor allem Angebote von Reise-Seiten, die in dieser Hinsicht indiskutabel waren, da sich ihre Inhalte vor allem durch eine Integration der Inhalte anderer Server speisten. Der Wegfall scheinbar hochwertiger Backlinks durch solche Abwertungen bei Partnern kann sich im eigenen grünen Balken schnell bemerkbar machen – und auch auf Linktausch-Partner zweiten oder dritten Grades durchschlagen.

Einige Suchmaschinen-Optimierer lehnen den Linktausch komplett ab. Ich habe mich der Linktausch-Praxis bis Anfang 2006 völlig verweigert, da sie mir unnatürlich vorkam. Ich linkte nicht auf eine Seite, wenn ich sie nicht wirklich klasse fand und verlangte keinerlei Gegenleistungen für Links (immer diese schrecklichen Weltverbesserer der Open Source Szene *g*). Dann wollte ich aber sehen, was diese Praxis wirklich bringt oder bringen kann. Und es zeigte sich, dass ein Linktausch Auswirkungen auf das haben kann, was wirklich wichtig ist: Die Positionierung in den Suchergebnissen.

Auf Platz 3 der TopTen der positiven Faktoren für das Ranking einer Seite wird in der aktuellen Auflistung von SEOmoz die Linkpopularität angeführt [6]. Gleichzeitig sorgen die Links anderer Seiten für weitere Effekte: Wesentlich wichtiger als der PageRank der verlinkenden Seite ist es aus meiner Sicht, wenn die betreffende Domain alt genug ist, um einen Trusted Faktor zu liefern, wichtige Keywords im Linktext zu finden sind und schließlich die Themenrelevanz der verlinkenden Seite gegeben ist. Auch das Alter des Links, also seine Beständigkeit, zeigt sich bei der Untersuchung von SEOmoz als wesentlich wichtiger als der PR der linkenden Seite.

Insofern disqualifizieren sich die bei PR-Änderungen so beliebten Nachverhandler fachlich oft selbst, wenn sie wie in Marios Posting verlangen: „Bitte verlegen Sie den Link auf eine gleichwertige (Pagerank) Seite“ [7]. Solche Maßnahmen sollten nur dann wirklich gegeben sein, wenn die verlinkende Seite auf 0 abgestürzt ist und wertlos geworden ist.

Korrigiert mich bitte, wenn diese Gedankengänge nicht wirklich sinnvoll sind… Und ich verschwinde für ein paar Tage im Grünen mit dem Ruf: „Der PageRank ist tot – es lebe der PageRank“ 🙂

[1] PR-Update April 2007 gestartet?
[2] Wikipedia: Inflation
[3] vgl. Mario Fischer, Website Boosting, 2006, S. 169
[4] Mit „stark“ und „schwach“ sind die internen, feinen PR-Werte gemeint statt die Ganzzahlen der Toolbar. Siehe Pagerank-Tabelle.
[5] canonicalization update – Frühjahrsputz bei Google
[6] SEOmoz – Search Engine Ranking Faktors v2
[7] Arrgghhh: Linktausch und seine Folgen

Nachtrag:
Nach meinem Artikel kamen weitere Berichte unter folgenden Ressourcen:
Google stuft den PageRank runter von Mario Fischer sowie eine kontroverse Stimme unter PR Update fehlerhaft?, einem SEo-Blogger aus Österreich, dessen Ansichten ich nicht teile 😉

Autor:

Frank Doerr (aka Loewenherz) ist seit 1996 online, Inhaber von Spinpool Online-Marketing und der Webdesign- und Wordpress-Agentur Wolke23. Fachjournalist (bdfj) und Buchautor. Er hält Vorträge auf SEO-Konferenzen, organisierte den SEO Stammtisch Rhein-Main und hat die erste offizielle Dokumentation der SISTRIX Toolbox verfasst. In den 90ern Lehrauftrag an der FH Frankfurt/Main, 2015 an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Informationswissenschaft.

7 Kommentare

  1. Wenn der Pagerank fällt oder bei der eigenen Seite nicht so gestiegen ist, wie man es selbst erwartet hat, dann sollten einem guten Optimierer die Ursachen bekannt sein. Ist das nicht der Fall, kann man einen Kollegen um Hilfe bitten.
    So könnte doch jeder Webmaster, dem der Pagerank wirklich wichtig ist, eine Analyse machen und die Auswertung auch diskutieren. Ein Teil wird das tun (oder schon gemacht haben), einige werden nur lamentieren. Einige werden ihre Ergebnisse offenlegen und andere wiederum diese wie Geschäftsgeheimnisse behandeln. Ich bin in dieser Hinsicht auf die nächsten Wochen gespannt.

    Sollte Google am Dämpfungsfaktor „drehen“, wird das eventuell durch den „Altersbonus“ wieder ausgeglichen werden? Um eine gesicherte Aussage treffer zu können, wären hierzu Tests notwendig. Wer will schon Zeit und Resourcen dafür investieren?

    Bemühen wir uns, Fehler zu erkennen und Schlussfolgerungen umzusetzen. Und schauen wir in die Natur: Alles Grüne wächst!

  2. Sehe ich genauso. Zum einen werden die Links, die man von anderen Seiten erhält in der Regel im Lauf der Zeit „schwächer“, weil mehr Links auf die Seite kommen.

    Zum anderen bekommen die Linktauscher und Linkverkäufer den Hals nicht voll und packen immer mehr Seiten und Links auf den Geldbeutel (gleicher Effekt, Seiten und Links werden schwächer).

    Zum anderen ist das Rückstufen ein normaler Prozess den Google etwa alle 1,5 bis 2 Jahre macht. Ansonsten hätten rein mathematisch gesehen irgendwann (durch die Iterationen bei der Berechnung) alle Seiten PR 10. Google muss also ab und an „dämpfen“. Da das bei allen Seiten gemacht wird und ja nur die Verhältnisse bzw. Unterschiede zählen, beleibt alles beim Alten! Kann halt nur sein, dass ein „starker“ Fünfer danach noch immer ein Fünfer ist (aber nun schwächer), und ein schwacher Fünfer eben nun auf einen (starken) Vierer gefallen ist. Daher heulen einige (weil Sie eine PR-Stufe runter sind) und einige jubilieren und loben sich selber, weil der PR scheinbar stabil geblieben ist. Ist er aber nicht. Er wurde überall „schwächer“ – nur das ist halt nicht überall sichtbar.

    So gesehen habe die „Nachverhandler“ nicht ganz unrecht! Wenn deren PR Wert stabil blieb, bedeutet es, dass die Site etwas stärker war. Man darf ja nie vergessen, dass wir mit dem Toolbar Wert einen alten Wert sehen und einen sehr groben Wert!
    Bei solchen Downgrade PR-Updates sieht man also immer gut, wo die PR-Werte am unteren Rand der PR Stufe lagen…

    😉

  3. Pingback: PageRank Abfall - S-O-S SEO Blog

  4. Pingback: einfach persoenlich Weblog

  5. Hi, natürlich werden viele Seiten einen geringeren PR bekommen haben. Zum einen wurden aus meiner Sicht Links von Katalogen geringer gewertet, genau so wie Links die aus den US Raum gekauft wurden. Das aufgerechnet auf die Partner macht es schon eine Rückstufung aus.
    Auch wurden aus meiner Sicht her Subdomains die Affili sind abgewertet.

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