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Wann SSL-Umstellungen Ihrem Ranking schaden können

ssl nicht sichere inhalte

Die Umstellung einer Seite auf SSL, also der URLs auf https, gilt als Rankingfaktor. DomainFactory beispielsweise wirbt: „Verbessern Sie Ihr Google-Ranking: Mit einem SSL-Zertifikat„. Diese Aussage ist in dieser Form allerdings falsch. Denn eine Umstellung auf SSL kann auch zum Verlust von Rankings führen – was gerade kleine Webseitenbetreiber, die solch pauschalen Aussagen einfach Glauben schenken, sehr frustrieren kann. An dieser Stelle deshalb eine Auflistung all dessen, was warum passieren kann. Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel sind/waren Teil meines Vortrags „Reduktion und Intensivierung – Von 1000 Reanimates zu 50 Portalen“ für die SEOCampixx 2017, der wegen des Flughafen-Streiks in Berlin leider ausfallen musste.

1. Fehler bei der Umstellung

Das häufigste Problem bei der Umstellung auf SSL ist schlichtweg, dass Fehler gemacht werden, die Umstellung also nicht wirklich sauber und professionell erfolgt. Die typischen Fehler sind:

  1. Keine grundsätzliche Weiterleitung per 301 von http auf https. Dies kann man serverseitig bzw. via htaccess recht leicht umsetzen. Sollte aber unbedingt getestet werden, denn es gibt zuweilen auch Hostingprovider, wo die Dinge nicht so laufen, wie sie sollen.
  2. Keine Umstellung der internen Links. Unbedingt via Datenbank-Routine alles von http://www.meinedomain.de auf https://www.meinedomain.de umstellen sowie alles, was vielleicht im Theme hardcodiert ist. Wird leider auch oft vergessen.
  3. Keine Anpassung in der Google Search Console. Leider ist Google so schlecht in seiner Usability, dass man für jede URL-Variante der Domain eine eigene Property anlegen muss. Sehr wichtig, damit die Umstellung bei der Suchmaschine schnell und sauber läuft. Allerdings auch kein Garant.
  4. Keine wirklich saubere Umstellung auf https, wenn beispielsweise Seiteninhalte, Themebestandteile weiterhin per http geladen werden (Stichwort „nicht sichere Inhalte“).

Dies sind die vier typischen Fehler, die mir bislang begegnet sind. Wer hier eine Anleitung gebrauchen kann, findet sie in meinem Artikel „WordPress auf SSL umstellen und nicht-sichere Theme-Inhalte entfernen“ auf der Seite meiner Webdesign-Agentur Wolke23. In jenem Artikel stehen auch die Gründe, warum man auf SSL umstellen sollte.

2. Der Mitbewerb ist schon da

Ein Rankingfaktor ist ein Rankingfaktor. Und keine Zauberei. Dazu hat SSL nur einen relativ kleinen Impact. Wenn also der schon immer vorn befindliche Konkurrent bereits SSL aktiv hat, dann kann man ihn mit einer Umstellung auf SSL nicht zwangsläufig überholen. Was nicht heißt, dass man sie sich deshalb sparen könnte – der Verzicht auf SSL könnte sich negativ auswirken. Es wird halt durch die Umstellung nur keinen oder kaum einen positiven Ranking-Effekt geben.

domainfactory ssl werbung

Typische Werbung im Sinne von: Kauf ein SSL-Zertifikat und dein Ranking bei Google steigt. Aus meiner Sicht ein falsches Werbeversprechen.

3. Die Neubewertung durch Google

Die Umstellung auf SSL bedingt – siehe oben die Sache mit der property – eine Erzeugung neuer URLs. Meiner Ansicht nach bewirkt dies eine Neubewertung der Dokumente durch Google. Und dies kann sehr problematisch werden. Einer der absolut wichtigsten Punkte, der leider oftmals untergeht. Hier eine Liste:

  1. OnPage-Faktoren: Wichtig ist, vor einer Umstellung möglichst relevante OnPage-Faktoren im Griff zu haben. Dazu zählt unbedingt eine bereits erfolgte Umstellung auf responsive Webdesign sowie eine Deindexierung minderwertiger Inhalte bzw. Aufwertung vorhandener Inhalte bei wichtigen und gut rankenden Landingpages.
  2. OffPage-Faktoren: Angeblich vererben Links mittlerweile trotz 301-Weiterleitung ihre volle Power. Ob Google dies aber wirklich stets 1:1 umsetzt? Gerade bei Reanimates, die aufgrund alter, starker Links auf die http-Variante super ranken, kann eine solche Umstellung massiv Rankings kosten.
  3. Penalties: Die Umstellung auf SSL kann in zwei möglichen Fällen Abstrafungen verursachen.
    a) Das Projekt war einmal abgestraft (Pinguin) und wurde via disavow aus der Penalty befreit. Hier muss dann also möglichst schnell erneut ein disavow-File einreichen. Wer bereits in der Vergangenheit einen blauen Brief erhalten hat, muss mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wieder tätig werden.
    b) Wenn auf ein Projekt schlechte Links zeigen, die eine Penalty verursachen können, dann kann diese Penalty bei einer Umstellung auf SSL durch die Neubewertung der Inhalte und den aktuellen Pinguin-Filter zuschlagen.
    Bei einem meiner Projekte beispielsweise, das vor vielen Jahren aufgrund eines Serverhacks mit tausenden schlechter Links zugemüllt wurde, ist nach der Umstellung auf SSL ein brutaler Absturz in den SERPs erfolgt. Interessanterweise hatte Google hier früher nie eine Penalty verhängt, erst bei der SSL-Umstellung hat der aktuelle Algo voll zugeschlagen.

Also: Wenn eine Seite noch nicht mobiltauglich ist, aber gut rankt, unbedingt zuerst responsive Webdesign umsetzen, danach SSL. Also erst alle OnPage-Hausaufgaben machen! Wenn eine SEO-Seite mit sehr starken und alten Links auf die http-Variante super rankt, sollte man über eine Umstellung wirklich erst nachdenken. Im Zweifel das Projekt lieber vorher verkaufen 😉

Fazit

Die Umstellung auf SSL kann sich durchaus positiv aufs Ranking auswirken. Allerdings nur dann, wenn folgende Faktoren zutreffen:

  1. Die Umstellung erfolgt absolut sauber.
  2. Die Konkurrenz schläft noch.
  3. Eine Neubewertung durch Google bringt nichts Negatives zu Tage.

Dann und nur dann gilt das Versprechen: „Verbessern Sie Ihr Google-Ranking: Mit einem SSL-Zertifikat“ 🙂

Autor:

Frank Doerr (aka Loewenherz) ist seit 1996 online, Inhaber von Spinpool Online-Marketing und der Webdesign- und Wordpress-Agentur Wolke23. Fachjournalist (bdfj) und Buchautor. Er hält Vorträge auf SEO-Konferenzen, organisierte den SEO Stammtisch Rhein-Main und hat die erste offizielle Dokumentation der SISTRIX Toolbox verfasst. In den 90ern Lehrauftrag an der FH Frankfurt/Main, 2015 an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Informationswissenschaft.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Frank,
    wieder einmal ein guter Artikel.
    Habe hier aber gleich noch einen Punkt (somit Nr. 5) der mir bei einer Kundenanfrage (Verschlechterung nach der SSL Umstellung) unter die Finger gekommen ist.
    Der Canonical Tag ist noch auf „http“ und nicht auf „https“.
    Ja, das kann üble Folgen haben 😉

    Viele Grüße
    Thomas

  2. Hi ,
    danke für den hochinformativen Artikel!
    Die Informationen sind kompakt, verständlich und kurzweilig aufbereitet und auch noch super verknüpft.Es ist sehr interessant zu lesen.
    Grüße
    Tomas

  3. Ich finde den Artikel auch sehr gut. Besonders gefällt mir das die Werbebotschaft von DF unter die Lupe genommen wird. In diesem Zusammenhang werden „Risiken“ einer Umstellung auf HTTPS schön dargestellt. Spannend finde ich vor allem wie sich vergangene Penalties und das aktuelle Linkprofil auch auf eine HTTPS Seite auswirken kann. Diese Dinge waren mit vorher nicht so bewusst. Ich denke daher, dass die Umstellung innerhalb eines Relauchs erfolgen sollte. Hierbei können auch andere technische Punkte angegangen werden, z.B. das Responsive Design. Den Punkt mit den Canonicals finde ich sehr wichtig, das ist ein kleiner Aspekt der oft vergessen wird.

  4. bis 31.12.2017 sollten alle Seiten auf SSL um gestellt sein, ich habe gerade eine Nachricht von Google dazu erhalten, Adwords-Kampagnen werden demnach abgeschaltet sofern die Umstellung nicht vollzogen wurde.

  5. Hallo,
    danke für den Mehrwert! Wirklich gut strukturiert zusammengefasst.
    Hatten in der Tat bei einigen Projekten so unsere Problemchen bei der SSL-Umstellung und insgesamt hat es uns anfangs auch eher geschadet als die Rankings verbessert. Man merkt allerdings, dass es zunehmend an Gewicht gewinnt. Wäre mal neugierig, ob einer wirklich positive Erfahrungen gemacht hat und sich die Rankings dadurch merklich verbessert haben. Dazu ist allerdings zu sagen, dass wir bereits Anfang 2016 umgestellt haben – ist durchaus realistisch, dass es heute eine größere Rolle als Rankingfaktor spielt.

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