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Social Bookmark Plugins – Ende und Nachfolger

Bereits seit längerem liegt eine Artikelreihe bei mir in Arbeit, wo ich die Sinnhaftigkeit von Tools oder Konfigurationen in WordPress oder Joomla bei deutschsprachigen Websites auf den Prüfstand stelle. Social Bookmark Plugins sollen heute als erstes dran glauben – damit es vorwärts geht, habe ich es als eigenen Artikel ausgegliedert.

Entstehung der Social Bookmark Plugins

Wie war das toll, als der Boom der Social Bookmark Dienste begann. Für einen SEO richtig geil: Ich binde über Plugins direkte Links zu Social Bookmark Diensten am Ende eines Artikels oder in der Sidebar ein und meine Leser übernehmen für mich die Linkbildung 😉 Tolle Sache. Aber: Wie viele Leser nutzen diese Funktion wirklich? Allein die Frage: Welche Social Bookmark Dienste haben überhaupt genügend Relevanz, um einen Platz verdient zu haben?

nofollow & Linkjuice

Der erste Rückschlag kam, als die Social Bookmark Dienste nacheinander die ausgehenden Links durch nofollow entwerteten. Viele fragten sich: Lohnt die Kiste dennoch durch möglichen Traffic bzw. geht trotz nofollow noch ein bisschen Juice durch die Leitung? Doch stärker ist der Einfluss auf die eigene Seite: Wie oft sah ich schon am Ende des Artikels eine Liste von Links zu Social Bookmark Diensten, die nicht nur fünf oder zehn, sondern mehr enthielten. In der Regel also sidewide Links, die den Linkjuice von der eigenen Seite wegziehen.

Um der Linkfluss nicht zu sehr abdriften zu lassen, schaltete man die Links zu Social Bookmark Diensten also recht schnell auf nofollow. Doch dann tat Google eines Tages kund, dass nofollow-Links in die Gesamtgleichung einfließen. Bei zehn dofollow und zehn nofollow-Links bleiben nur noch 50% Linkjuice übrig. Und fünf bis zehn Dienste kriegt man locker zusammen. Lohnt sich das Ganze also? Will man wirklich soviel Power von der eigenen Seite abziehen, nur weil vielleicht mal jemand einen Bookmark setzt?

Ergebnisse einer eigenen Umfrage

Ich wollte es wissen und führte in einer von mir betreuten Community eine Umfrage durch. Dort ist eine richtig gute Mischung aus relativ normalen Surfern.  Kaum Nerds oder SEOs, einige Menschen mit eigenen Websites, viele ganz normale Surfer mit mehr oder weniger Internetkompetenz. Das waren die Antworten auf die Frage „Nutzt du Social Bookmark Dienste?“:

  • Ja, ein oder zwei 9%
  • Ja, mehrere 5%
  • Manchmal 0%
  • Nie, ich speichere Lesezeichen in meinem Browser 55%
  • Ich brauch oder mag das nicht 0%
  • Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt 32%
  • Sonstiges, siehe Antwort unten 0%

Die SEO & Webmasterfraktion waren diejenigen, die bei den ersten zwei Antworten abstimmten. Die meisten User aber sagten ganz klar, dass sie diese Dienste überhaupt nicht nutzen (stattdessen den guten, alten Bookmark-Manager des Browsers) oder noch nicht mal wissen, was es ist.

Nerds, Twitter und Facebook

Man könnte jetzt auf die Idee kommen, dass sich Social Bookmark Dienste also zumindest für Seiten lohnen könnten, auf denen Fachpublikum unterwegs ist: Webmaster-, Nerd- und SEO-Seiten.  Aber die obige Umfrage fragte nur, ob man überhaupt solche Dienste nutzt, nicht, ob man auf die Links am Ende von Artikeln klickt. Und ich stellte zumindest bei mir fest, dass ich diese bunten Buttons längst ignoriere.

Denn seit Twitter hat sich mein Ansatz endgültig von Social Bookmark Diensten gelöst. Wenn ich einen guten Artikel finde, dann twittere ich ihn. Ein einziger „Tweet this“ Button ersetzt zumindest in meinem Fall die ganzen Social Bookmark Dienste und hält auch den abgezogenen Linkjuice in völlig vertretbaren Grenzen. Und vor allem erzeugt er Retweets und oft tonnenweise Traffic. Damit die Links nicht in der ganzen Twitterei untergehen, verwende ich das empfehlenswerte Tweets2Delicious-Plugin von meinem Lieblings-Wordpress-Programmierer Sergej. Wenn es solch eine Funktion auch für einige andere Social Bookmark Dienste geben würde, wär ich endgültig happy 🙂

Ja, es zeigt einen interessanten Trend, den – wenn er nicht nur persönlich, sondern allgemeiner ist – auch Google immer mehr werten dürfte: Das Zeug landet zwar weiterhin in (zumindest einem) Social Bookmark Diensten, aber über den Umweg via Twitter. Und da ich Facebook automatisiert hinter Twitter hängen habe, auch dort. Was ich dagegen nicht leiden kann, ist ein oft zu sehender Nachfolger der Social Bookmark Buttons: Der Like-Button von Facebook. Allein aus Datenschutzgründen wird es dieses Dreckding auf keiner von mir verwalteten Seite geben. Und wenn es auf Seiten eingesetzt wird, halte ich mich dort nicht all zu gern auf. Wer es immer noch einbaut, sollte bei Internet-Law oder Gründerszene nachlesen.

Conclusio

Zu guter Letzt: Jede Komponente und jedes Plugin wollen aktualisiert und gepflegt werden, stellen eventuell gar ein Sicherheitsrisiko dar. Auch dies ein Grund, möglichst sparsam damit umzugehen.

Also:  Bei Blogs, dessen Hauptzielgruppen man im Verdacht hat, solche Funktionen wie Social Bookmarks zu nutzen, könnte es eventuell ratsam sein, die Funktionen drin zu lassen. Man sollte es dann allerdings auch überprüfen: Kommen tatsächlich auch ohne eigene Aktivitäten neue Links in Social Bookmark Diensten hinzu? Ich jedenfalls habe fast alle Webseiten von diesem Zeug gnadenlos entrümpelt.

Autor:

Frank Doerr (aka Loewenherz) ist seit 1996 online, Inhaber von Spinpool Online-Marketing und der Webdesign- und Wordpress-Agentur Wolke23. Fachjournalist (bdfj) und Buchautor. Er hält Vorträge auf SEO-Konferenzen, organisierte den SEO Stammtisch Rhein-Main und hat die erste offizielle Dokumentation der SISTRIX Toolbox verfasst. In den 90ern Lehrauftrag an der FH Frankfurt/Main, 2015 an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Informationswissenschaft.

5 Kommentare

  1. Ahoi Frank,

    kann deinem Artikel einfach nur zustimmen. Die endlos langen Linklisten zu weit mehr als 10 SB-Portalen, die sich meist auch noch im Footer der Seite befinden haben weder für die eigene Seite noch für die Besucher einen wirklichen Mehrwert – im Gegenteil.

    Es gibt übrigens für Analytics ein paar Filter und Einstellungen die man setzen kann, womit man Klicks auf die einzelnen Buttons messen könnte um so ganz genau zu sehen welcher Dienst auch wirklich von den Besuchern genutzt wird.

    Eigentlich schade, denn mit englischsprachigem Content kann man über Delicious wirklich einiges an Traffic für die eigene Seite abgreifen. Über Deutsche Seiten ist das leider nicht annähernd möglich 🙁

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  4. Es wundert mich wirklich nicht, dass die Meisten ihre Bookmarks „selbst“ also im Browser speichern und verwalten. Alles andere gilt fast nur für Internet-Freaks 🙂 .

    Matthias

Kommentare sind geschlossen.